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Sietas Werft: Spezialschiff passiert Nadelöhr Estesperrwerk

Die "Aeolus" quetscht sich durch das Sperrwerk (Foto: oh)
bc. Neuenfelde. Das war Präzisionsarbeit pur: Auf beiden Seiten hatte das 140 Meter lange und 38 Meter breite Spezialschiff "Aeolus" nur knapp einen halben Meter Platz, als es am Montagabend von der Sietas Werft in Neuenfelde durch das Nadelöhr Estesperrwerk auf die Elbe hinausglitt – eine spektakuläre Aktion, die von etlichen Schaulustigen begleitet wurde.

Es ist eine Premiere im deutschen Schiffbau: Die "Aeolus" ist das erste in Deutschland konstruierte und gebaute Errichterschiff ("Jack-up Vessel") für küstenferne Offshore-Windparks. Das niederländische Wasserbauunternehmen "Van Oord" hatte seinen Auftrag für das Schiff 2012 im laufenden Sietas-Insolvenzverfahren erneuert und dazu beigetragen, dass bei Deutschlands ältester Werft (1635) nicht die Lichter ausgingen.

"Ich möchte Van Oord danken, die uns mit diesem Auftrag ihr Vertrauen in die Werft ausgesprochen haben", sagt Sietas-Verwalter Berthold Brinkmann. Das Schiff sei der Beweis für die Leistungsfähigkeit und das international wettbewerbsfähige Know-how der Werft und ein Meilenstein im deutschen Schiffbau.

Wie berichtet, ist Sietas gerettet. Das russische Schiffbauunternehmen "Pella Shipyard" aus St. Petersburg will die Werft kaufen. Am 10. März übernimmt Pella das Altländer Traditionsunternehmen. Die Werft wird in "Pella Sietas GmbH" umbenannt. Pella hat sich verpflichtet, die Werft für mindestens acht Jahre als Schiffswerft weiter zu betreiben. Bis Ende 2016 soll die Mitarbeiterzahl von rund 120 auf 400 erhöht werden. Pella verfügt bereits über Aufträge zum Bau von Schleppern, Eisbrechern und Versorgungsschiffen. Nicht ausgeschlossen, dass "Van Oord" ein weiteres Errichterschiff in Neuenfelde bauen lässt.

In Bremerhaven erhält die mehr als 130 Mio. Euro teure "Aeolus" jetzt ihre 84 Meter langen "Stelzenbeine", auf welchen sich das Schiff später im Meer aufrichten kann. Ein Offshore-Spezialkran kann 900 Tonnen Last heben und bis zu einer Höhe von etwa 120 Metern über Wasser arbeiten. Schon im Juli wird die "Aeolus" für den Bau von Windrädern im "Eneco Luchterduinen"-Windpark vor der niederländischen Küste eingesetzt.