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Wenn Lärm krank macht

Experte in Sachen Lärm: Jörn Jorczyk

Geräuschbelastung im Beruf: Jörg Jorczyk von der BG Bau klärt über Gefahren und Schutzmaßnahmen auf

(kb). Presslufthammer, Bohrmaschine, Kreissäge, Kompressor - der Lärm, dem viele Berufsgruppen tagtäglich ausgesetzt sind, ist nicht nur eine Gefahr für das Gehör. Durch die Ausschüttung von Stresshormonen können Herz und Kreislauf geschädigt werden. Und nach Feierabend geht die Lärmbelastung oft weiter, durch den Verkehr, MP3-Player oder Diskobesuche. Für bessere Aufklärung rund um das Thema Lärm setzt sich Jörn Jorczyk (48), Aufsichtsperson bei der Berufsgenossenschaft (BG) Bau ein. Er berät Arbeitgeber und -nehmer über geeignete Schutzmaßnahmen und sensibilisiert sie im Hinblick auf die Gefahren, die durch permanente Lärmbelastung drohen.
"Das Tückische am Lärm ist, dass man ihn so schlecht einschätzen kann", erklärt Jörn Jorczyk. Kaum jemand, der sich nicht eingehend mit dem Thema auseinandergesetzt habe, könne wirklich einschätzen, wie laut eine Lärmquelle ist. Dabei entscheiden schon wenige Dezibel Abweichung darüber, wie lange ein Arbeiter einem bestimmen Geräuschlevel ausgesetzt sein darf. Bei einer Lärmbelastung von 85 dB/A liegt die maximale Aufenthaltsdauer pro Tag bei acht Stunden, bei 88 dB/A halbiert sich die Aufenthaltsdauer bereits auf vier Stunden. Hörbar ist ein Unterschied von 3 dB/A kaum.
Neben leiseren Maschinen oder der Dämmung von Lärmquellen hilft geeigneter Gehörschutz, Hörschäden vorzubeugen. "Es gibt für alle Berufsgruppen verschiedenen Gehörschutz - der beste ist zunächst einmal schlicht der, der getragen wird", so Jorczyk. In manchen Betrieben würde dafür jedoch oft noch das Bewusstsein fehlen, gerade ältere Arbeitnehmer würden das Thema oft eher sorglos handhaben. "Ich wünsche mir, dass Arbeitgeber das Tragen von Gehörschutz stärker honorieren", sagt der Lärm-Experte. Schon ein simples Lob würde die Arbeitnehmer oft motivieren, Gehörschutz auch wirklich zu tragen. Zum eigenen Schutz, letztlich aber auch zum Vorteil des Unternehmens. "Nur ein gesunder Beschäftigter ist voll leistungsfähig", so Jorczyk. Wenn er und seine Kollegen Betriebe beraten, beobachten sie genau die einzelnen Arbeitsabläufe. "In der Praxis kann Lärm völlig anders sein, als in der Theorie", so Jorczyk.
In Deutschland sind laut BG Bau knapp fünf Millionen Beschäftigte von schädlichem Lärm betroffen. Schwerhörigkeit ist seit Jahren die Nummer Eins unter den Berufskrankheiten. Das Schlimme: Lärmschwerhörigkeit ist irreparabel. "Was kaputt ist, ist kaputt", so Jorczyk. Umso wichtiger sei da die Prävention. In Deutschland ist ab einer Lärmbelastung von 85 dB/A Lärmschutz am Arbeitsplatz vorgeschrieben, ebenso wie regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. Wichtig sei aber auch, seinem Körper einfach mal wirkliche Ruhe zu gönnen, so Jorczyk. Er beherzigt diesen Rat selbst und verbringt seinen Urlaub durchaus mal am Nordkap. "Da ist es wirklich still", sagt der Experte.