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"Angeklagter wurde verwechselt": Verteidiger fordern Freispruch im Komaschläger-Prozess

thl. Lüneburg. Im sogenannten Komaschläger-Prozess vor dem Lüneburger Landgericht wurden am heutigen Mittwoch,13. Dezember, zum zweiten Mal die Plädoyers gehalten. Wie berichtet, muss sich ein Seevetaler (34) verantworten, weil er im Rahmen des Meckelfelder Dorffestes im August 2015 einen Polizisten ins Koma geprügelt haben soll. Im ersten Prozess war der 34-Jährige zu vier Jahren Haft verurteilt worden.
Vor den Plädoyers gab es auf Antrag der Verteidigung noch eine Zeugenvernehmung. Aussagen musste ein 36-jähriger Zerspanungsmechaniker, der in die Ursprungsschlägerei vor der Gaststätte Schnurrbart verwickelt gewesen sein soll. Er habe seine beide Brüder dort weggeholt und dabei eine Ladung Pfefferspray von den Türstehern abbekommen. "Wir sind dann zur Wohnung meiner Eltern gegangen, um uns die Augen auszuwaschen. Unterwegs trafen wir auf einen Polizisten, der uns auch mit Pfefferspray besprüht hat. Wir haben dann gesagt, wir haben mit der Sache nichts zu tun und sind weitergegangen", so der Zeuge. Der Angeklagte sei nicht dabei gewesen. Mit ihm sei er zwar auf dem Dorffest zusammengewesen, doch vor der Gaststätte habe er ihn nicht mehr gesehen.
Verteidiger Dr. Gerhard Strate versprach gleich zu Beginn seiner Ausführungen: "Das ist das letzte Plädoyer in diesem Verfahren." Er betonte, dass sein Mandant unschuldig sei. "Um 0.37 Uhr bekam der Hauptbelastungszeuge einen Anruf von seinen Kollegen, dass es am Schnurrbart zu einer Schlägerei kommen würde. Um 0.39 Uhr und 58 Sekunden ging der Notruf bei der Polizei ein, dass ein Beamter am Boden liege", schlüsselte Strate das Geschehen auf. "Der Hauptbelastungszeuge wäre aber nie in der Lage gewesen, die 380 Meter, die er beim Anruf vom Tatort entfernt stand, in dieser kurzen Zeit zurückzulegen. Das hat uns ein Gutachter auch bestätigt." Auch dem Polizisten, der den Angeklagten festgenommen hatte, unterstellte Dr. Strate eine gewisse Unglaubwürdigkeit: "Er hat den wahren Täter mit unserem Mandanten verwechselt."
Der zweite Verteidiger Andreas Harms ging noch einen Schritt weiter: "Der Hauptbelastungszeuge hat gelogen, um den echten Täter zu schützen. Denn er hat nichts von dem Vorfall mitbekommen." Beide Verteidiger forderten einen Freispruch für ihren Mandanten sowie eine Entschädigung für die Zeit, die er in Untersuchungshaft saß.
Die Staatsanwältin sah den Fall ganz anders: "Sicherlich gibt es Widersprüche und kleine Ungereimtheiten in manchen Zeugenaussagen. Es wäre aber auch schlimm, wenn es die über zwei Jahre nach der Tat nicht geben würde." Für sie gebe es keine Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten. Er habe die Tat von Anfang an nie bestritten und im ersten Prozess lediglich einen Gedächtnisverlust geltend gemacht. Und der Hauptbelastungszeuge habe keinen Grund zu lügen. Auch die Theorie, die zwischenzeitlich mal im Raum stand, der Angeklagte selber wolle den wahren Täter schützen bzw. würde Angst vor dessen Rache nichts sagen, verwarf die Staatsanwältin. "Nicht um den Preis von vier Jahren Haft und mehreren 100.000 Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz."
Nebenkläger-Vertreter Lorenz Hünnemeyer hatte auch keinen Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten. "Der Gutachter, der dem Hauptbelastungszeugen eine Unsportlichkeit unterstellte, hat nicht begriffen, dass er vor Gericht objektiv aussagen muss", so Hünnemeyer. Zudem habe er einen Prozessbeobachter, mit dem er das Verfahren ständig diskutiere - nämlich das Opfer selbst, das sich an die Tat keinerlei Erinnerungen habe und nur den Verlauf der Beweisaufnahme kenne.
Das Urteil soll am kommenden Mittwoch, 20. Dezember, um 12.30 Uhr verkündet werden.