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Fahrraddiebstahl am Bahnhof - Polizei testete Zivilcourage

Mit einem Bolzenschneider machte sich "Dieb" Bartlomeij Ogorzalek an die Arbeit
thl. Winsen. "Hey, was machen Sie da? Ist das Ihr Fahrrad?" Engagiert sprach Timo Schlüschen (19) am Winsener Bahnhof einen mutmaßlichen Fahrraddieb an, der gerade dabei war, ein Spiralschloss mittels eines Bolzenschneiders zu knacken. Was der junge Mann zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Der vermeintliche Dieb war ein Polizeibeamter in Zivil.
Wie ist es um die Zivilcourage der Bürger bestellt, wenn sie einen Fahrraddiebstahl beobachten? Dieses testete die Polizei am Donnerstagnachmittag rund um den Winsener Bahnhof. An drei Stellen hatten die Beamten Fundräder postiert und mit Schlössern gesichert. Wenn genügend Bürger in der Nähe waren, zog "Dieb" Bartlomeij Ogorzalek los und knackte die Schlösser mittels Bolzenschneider. Hintergrund der Aktion: "Wir haben in jüngster Zeit einen rapiden Anstieg von Fahrrad- und Teilediebstählen im Bereich des Bahnhofes", erklärte Ulrich Grimm, Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes. "Allein in den vergangenen zwei Wochen haben wir 21 Taten registriert, die sich fast ausschließlich zur Tageszeit ereignet haben, wenn der Bahnhof stark frequentiert ist."
Mehrere Beamte lagen während der "Straftat" ihres Kollegen auf der Lauer, um die Zeugen anschließend anzusprechen und zu befragen, warum sie so reagiert haben. Das Ergebnis war ernüchternd. "Ich habe da nicht genau hingeguckt", war noch eine der harmloseren Antworten. Ein Mann sagte sogar: "Ich dachte, der hat seinen Schlüssel verloren und will das Fahrrad nun so abholen." Dass es sich um eine Straftat handeln könne, sei ihm nicht in den Sinn gekommen. Immerhin: Neben Timo Schlüschen gab es noch eine junge Frau, die schnell um die Ecke, ihr Handy zückte und gerade 110 anrufen wollte, als sie von den Beamten aufgeklärt wurde.
"So ein Desinteresse erleben wir leider immer wieder", sagt Grimm. "Dabei sind wir bei Straftaten, die im öffentlichen Raum passieren, auf die Hilfe der Bürger angewiesen. Deswegen gilt: Mit offenen Augen durch die Gegend gehen und bei verdächtigen Beobachtungen sofort die Polizei anrufen. Lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig."