Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Fast 900 Betrugsfälle angeklagt

In diesem Büro in der Bahnhofstraße agierten die beiden Angeklagten
thl. Winsen. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg hat jetzt vor der 3. Großen Strafkammer am Lüneburger Landgericht Anklage gegen den Winsener Versicherungsmakler Jürgen S. (64) und seinen Mitarbeiter (52) erhoben. Der Vorwurf lautet auf gewerbsmäßigen Betrug, teilweise in Tateinheit mit Untreue. Beiden drohen bis zu zehn Jahren Haft. Das bestätigt Gerichtssprecher Harald Natho dem WOCHENBLATT auf Nachfrage. Ein Prozesstermin steht allerdings noch nicht fest.
Den beiden Angeklagten, die in der Bahnhofstraße in Winsen ihr Büro betrieben haben, wird vorgeworfen, im großen Stil Versicherungsgesellschaften und Kunden betrogen zu haben. In 632 (!) Fällen sollen sie Versicherungsverträge abgeschlossen haben, die nach erfolgter Provisionszahlung sofort wieder gekündigt wurden. Das Geld zahlten sie aber nicht zurück. In 163 weiteren Fällen soll das Duo ihre Kunden zu unwirtschaftlichen Kündigungen ihrer bestehenden Versicherungen veranlasst, um für diese andere Versicherungsverträge abzuschließen und weitere Provisionszahlungen zu erhalten. Dabei verloren die Kunden einen Großteil ihres bereits eingezahlten Geldes. Hinzu kommen 58 Fälle, in denen Jürgen S. Rente kassiert haben soll, obwohl er noch voll berufstätig war, sowie 20 Fälle, in denen sein Mitarbeiter Krankengeld beantragt hat, obwohl er gesund war.
Bei den Taten ist laut Anklage ein Schaden von rund 660.000 Euro entstanden. Allerdings: Bei der Festnahme der beiden Angeklagten und den Hausdurchsuchungen konnten die Fahnder keine große Werte sicherstellen. "Wir gehen davon aus, dass das Geld ins Ausland geschafft wurde", so Polizeisprecher Kai Richter.
Jürgen S. und sein Mitarbeiter sitzen weiter in Untersuchungshaft. Das Versicherungsbüro in der Bahnhofstraße ist mittlerweile für immer geschlossen. Darauf weist ein entsprechendes Schild an der Tür hin.
• Auch in Frankfurt stehen demnächst zwei Versicherungsmakler vor Gericht. Sie sollen Kapitalanleger um mehr als 100 Millionen Euro betrogen haben.