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Knatsch im Treppenhaus

thl. Winsen. Ein Hauch von königlich-bayrischen Amtsgericht wehte jetzt durch das Winsener Schloss. Grund war die Verhandlung gegen einen Rentner wegen Beleidigung und Körperverletzung. Doch bevor der Prozess überhaupt beginnen konnte, musste der Richter erstmal die Polizei zum Angeklagten nach Hause schicken, weil dieser nämlich keine Lust hatte, zum Termin zu kommen. Weil er sich krank fühle und nicht wisse, was er hier solle, begründete der Mann später.
Angeklagt war der Winsener, weil er seinem Nachbarn einen Baseballschläger gegen den Arm gehauen und dessen Schwester als "Alte Schlampe" beschimpft zu haben. "Ich wohne jetzt ein Jahr in diesem Haus und bereue, dort eingezogen zu sein", so der Angeklagte. Sein Nachbar habe ihn gedroht, seinen Hund zu vergiften, erzählte der Rentner. Das sei doch unfair, weil der Hund für ihn wie ein Kind sei. Er bestritt aber vehement, seinen Nachbar mit einem Baseballschläger geschlagen zu haben. "Der Typ ist doch irre, der war schon in der Klapse. Ich habe nur gesagt, wenn er nicht aufhört mit zu drohen, setzt es was", so der Rentner. Die Beleidigung gegenüber der Frau gab er aber zu. "Die hat mich gereizt und mich auch beleidigt", sagte er.
Das vermeintliche Baseballschlägeropfer wusste auf einmal gar nicht mehr, ob er wirklich geschlagen wurde und warum. "Ich hatte Angst vor dem Angeklagten, deswegen kann es sein, dass ich ihm vor die Füße gespuckt habe", gab er zum Besten und beteuerte - genau wie der Angeklagte - das heute Frieden im Haus herrsche.
Da wurde es dem Richter zu bunt: "Sie sind beides erwachsene Menschen. Muss man sich wegen solchem Firlefanz mit dem Strafrichter auseinandersetzen? Ich stelle das Verfahren heute ein. Sehen wir uns aber wegen irgendeiner Sache hier wieder, greife ich durch."
Sowohl Angeklagter als auch Zeuge nickten mit gesenkten Köpfen und verschwanden schnell aus den Gerichtssaal.