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Neun Jahre Haft für den "Würger vom Maschener See"

thl. Lüneburg. Der "Würger vom Maschener See" muss wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung für neun Jahre ins Gefängnis. Dieses Urteil hat die 4. Große Strafkammer am Lüneburger Landgericht am Dienstag überraschend gefällt und lag damit noch ein Jahr über der Forderung von Staatsanwaltschaft und Nebenklage. Die Verteidigung hatte ausschließlich auf gefährliche Körperverletzung plädiert und drei Jahre Haft gefordert. Wie das WOCHENBLATT berichtete, hatte der 26-jährige Steller am 20. Juli vergangenen Jahres eine 21-Jährige am Maschener See überfallen und gewürgt. Angeblich wollte er jemanden töten, um anschließend den Mut für einen Suizid aufzubringen.
Eigentlich war die Urteilsverkündung erst für den 7. Februar anberaumt. Doch nachdem die Zeugin, die den Angeklagten bei der Tatausführung gestört hatte, ausgesagt hatte, schloss die Kammer die Beweisaufnahme.
Sie habe ihn mit der Polizei gedroht. Daraufhin habe der Mann von der jungen Frau abgelassen und sei locker in Richtung See geschlendert, sagte die Zeugin aus. Als die Polizei wenig später vor Ort war, sei der Täter zurückgekommen, um sein Handy zu suchen, das er bei der Tat verloren hatte. Um nicht erkannt zu werden, hatte sich der Mann zuvor umgezogen. Nützte aber nichts - Handschellen klickten.
"Die Geschichte vom geplanten Selbstmord glaubt Ihnen hier niemand", so der Richter zum Angeklagten. "Ein besseres Schulbeispiel für Heimtücke als Mordmerkmal haben wir hier seit Jahren nicht mehr gehabt." Der Angeklagte habe aus niederen Beweggründen töten wollen, um seinen angestauten Frust abzubauen. Frust, der sich durch die zerrüttete Beziehung zu seiner Ex-Freundin aufgebaut hatte. Sie war die Lebenslustige, er eher introvertiert. Das führte zu einem Auf und Ab in der Beziehung mit erheblichen Eifersuchtsszenen. Ein paar Tage vor der Tat habe es wieder eine Trennung zwischen den beiden gegeben. "In dieser Phase wurden sie selbstmitleidig und tranken sich Mut oder Traurigkeit an. Für einen Suizid fehlte Ihnen aber der Mut, den wollten Sie an diesem Tag nicht begehen", so der Richter.
Offen blieb, ob die 21-Jährige ein Zufallsopfer war oder von dem Steller verwechselt wurde. Denn seine Ex-Freundin soll am Tattag auch am Maschener See gewesen und den gleichen Bikini getragen haben, wie das Opfer. Für das Gericht war das aber auch unerheblich. "Sie haben die Frau in voller Tötungsabsicht angegriffen", so der Richter.