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"Polizei ist kein Freiwild"

thl. Winsen. Dass Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte kein Kavaliersdelikt ist, bekam jetzt ein 30-jähriger Seevetaler vor dem Winsener Amtsgericht zu spüren. In Tateinheit mit Beleidigung und Körperverletzung wurde er zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten, für drei Jahre ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt. Außerdem muss er 600 Euro Schmerzensgeld an zwei Polizisten bezahlen. "Früher wurden solche Verfahren eingestellt. Heute läuft das nicht mehr. Denn die Polizei ist kein Freiwild", begründete Richter Dr. Michael Herrmann.
Die Vorgeschichte: Im November vergangenen Jahres bekam der amtsbekannte Hartz IV-Empfänger in seiner Meckelfelder Wohnung nachts Streit mit seiner Freundin. Die junge Frau flüchtete daraufhin. Ihr sturzbetrunkener Freund (2,42 Promille intus) verfolgte sie, holte sie ein und schubste sie zu Boden. Eine unbeteiligte Autofahrerin, die das gesehen hatte und der Frau helfen wollte, bekam von dem Angeklagten einen Schlag auf die Nase. Und auch über die wenig später eintreffenden Polizeikräfte war der Seevetaler gar nicht erfreut. Als er in Gewahrsam genommen werden sollte, wurde er immer aggressiver, trat, biss und schlug um sich und überzog die Beamten mit einer ganzen Salve an Beleidigungen. Nur unter den Einsatz von Pfefferspray gelang es schließlich, den junge Mann zu überwältigen und in die Zelle zu bringen.
Vor Gericht schilderten die Polizisten das Ereignis als herausragend. Auch die in der Zelle durchgeführte Blutentnahme habe nur unter Gewaltanwendung durchgeführt werden können. Allerdings sei seit diesem Vorfall Ruhe mit dem Angeklagten, der zuvor "immer wieder für Einsätze gesorgt hatte, wenn er betrunken war".
Diese Tatsache rettete den Seevetaler schließlich wohl auch vor dem Gefängnis. Denn im Dezember 2012 hatte er sich schon einmal eine Bewährungsstrafe wegen Körperverletzung und Widerstand eingefangen. "Ich hoffe, Sie bekommen die Kurve", so Dr. Herrmann. "Machen Sie eine Alkoholtherapie und halten Sie sich an die Auflagen aus dem ersten Urteil, dann wird die Strafe nach drei Jahren erlassen. Sehen wir uns hier aber wieder, müssen Sie damit rechnen, dass die Bewährung widerrufen wird und zusätzlich eine Freitheitsstrafe ohne Bewährung verhängt wird. Dann brummen Sie ein Jahr und länger", mahnte der Richter.