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Tarnung mit Perücke flog schnell auf

Symbolfoto Gericht
thl. Winsen. Ein Hauch vom königlich-bayerischen Amtsgericht zog jetzt bei zwei Verfahren durch das Winsener Schloss. Titel: "Die Kaffeekränzchen-Verschwörung" und "Die Dame mit dem Drei-Tage-Bart".
Im ersten Prozess ging es um unterlassene Hilfeleistung. Angeklagt war ein 56-jähriger Winsener, der aber seine Schuld vehement bestritt. Im August vergangenen Jahres kam eine 79-jährige Rentnerin zu Fall und blieb blutend und mit mehreren Knochenbrüchen liegen. Trotzdem sei der Angeklagte - so der Staatsanwalt - mit dem Rad an der Frau vorbeigefahren, ohne sich um sie zu kümmern.
Vor Gericht wurde es dann aber kurios. Sie würde den Angeklagten nicht wiedererkennen, sie wisse aber, dass er es gewesen sei, so die Rentnerin. Wirklich gesehen am Unfallort habe sie ihn aber nicht. Auch zwei geladene Zeuginnen - Freundinnen des Opfers - brachten den Richter nicht weiter. Man habe ihnen erzählt, dass der Angeklagte der Schuldige sei, sagten beide aus.
Daraufhin war das Urteil schnell gefällt: Freispruch. Doch anschließend setzte der Mann der gestürzten Rentnerin der ganzen Sache noch die Krone auf. Er kam in den Gerichtssaal und fragte, wann denn nun der Angeklagte käme, denn "der mit dem Anwalt kann es nicht gewesen sein".
Der zweite Prozess richtete sich gegen einen unbelehrbaren Pkw-Fahrer (45) aus der Elbmarsch, der besonders schlau sein wollte. Obwohl er erst drei Wochen zuvor wegen Fahrens ohne Führerschein zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war, setzte er sich wieder ans Steuer und kam prompt in eine Verkehrskontrolle. Doch der Anklagte hatte "vorgesorgt", sich den Ausweis seiner Schwester "besorgt" und sich eine blonde Perücke aufgesetzt. In der Anklage las es sich dann so: "Aufgrund des deutlichen Bierbauches, der tiefen Stimme und des ausgeprägten Drei-Tage-Bartes hatten die Polizeibeamten erhebliche Zweifel an der vorgelegten Identität des Angeklagten". Das Urteil: neun Monate Knast ohne Bewährung. Der Angeklagte kündigte allerdings an, in Berufung gehen zu wollen.