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Um 20.58 Uhr meldete sich Marcos Handy aus dem Funknetz ab

Vermisst: Miriam Schulze (Foto: os)
 
Die Absuche der Elbe und des Deichvorlandes erbrachten keine Hinweise
Der Fall der Familie Schulze ist einer der rätselhaftesten Kriminalfälle / Es sind immer noch viele Fragen offen

thl. Elbmarsch. Vor genau einem Jahr verschwand plötzlich die dreiköpfige Familie Schulze aus dem kleinen Ort Drage in der Elbmarsch. Vater Marco (†41) wurde neun Tage später tot in der Elbe gefunden. Mutter Sylvia (43) und Tochter Miriam (12) sind bis heute nicht auffindbar. Das WOCHENBLATT hat einen chronologischen Überblick über den rätselhaften Kriminalfall erstellt.
24. Juli:
Um 10.30 Uhr klingelt bei der Polizei in Winsen das Telefon. Die Chefin eines Geesthachter Supermarktes meldet ihre sonst so zuverlässige Mitarbeiterin Sylvia Schulze als vermisst. Sie würde seit zwei Tagen unentschuldigt fehlen, heißt es. Ein Streifenwagen fährt zum Haus der Familie in der Hein-Block-Straße in Drage, trifft dort aber niemanden an. Mit einem beim Nachbarn deponierten Schlüssel gelangen die Beamten in das Haus. Doch keine Spur von der Familie. „Auf den ersten Blick sah es so aus, als ob sie nur kurz weg wären“, sagt Polizeisprecher Jan Krüger. Ausweise und Geldbörsen liegen im Haus. Die Autos stehen vor der Tür und die Handys der Familie sind - wie später durch eine Ortung herausstellt - ausgeschaltet. Daraufhin beginnen die Ermittlungen und zahlreiche große Suchaktionen.

Rückblick auf den 22. Juli 2015
6.50 Uhr: Nachbarn sehen die Familie beim Frühstück am Küchentisch sitzen.
7.40 Uhr: Vater Marco fährt mit dem Familienauto, einem grauen Dacia Sandero, weg. Wohin, ist bis heute unklar. Fakt ist, dass ihn eine Zeugin zehn Minuten später im vier Kilometer entfernten Stove sieht, wo er wieder Richtung Drage fährt.
8.15 Uhr: Mutter Sylvia meldet Tochter Miriam auch für den letzten Schultag vor den Sommerferien in der Schule krank. Dort fehlt das Kind bereits seit über einer Woche.
10 Uhr: Sylvia fährt zur Arbeit nach Geesthacht. Vater Marco hat frei und bleibt zu Hause bei der Tochter. Bereits einen Tag zuvor hatte die Mutter Miriams Schulspind ausgeräumt und Bücher abgegeben. Der Grund ist für die Polizei bis heute ein Rätsel.
13.45 Uhr: Sylvia Schulze erhält von ihrem Mann eine SMS, dass es Miriam wieder schlechter gehe. Er bittet seine Frau, nach Hause zu kommen. Sylvia Schulze muss allerdings erst auf eine Ablösung warten und kann um 16.20 Uhr ihre Arbeitsstelle verlassen.
16.50 Uhr: Sylvia Schulze kommt zu Hause an. Ihr Handy loggt sich in das heimische WLAN-Netz ein.
17.25 Uhr: Marco Schulze bekommt einen Anruf vom Reiterhof, auf dem er einen Aushilfsjob hat. Er wird gefragt, ob er am nächsten Tag arbeiten könne. Entgegen seiner sonstigen Gewohnheit sagt er aber nicht sofort zu, sondern zögert mit der Antwort. „Vielleicht wusste er da schon, dass irgendwas passieren wird“, so Krüger.
Nach 18 Uhr: Eine Zeugin sieht die Familie am Sepppenser Mühlenteich in Buchholz. Dabei hört die Frau mehrfach einen Namen für die in der Nähe lebende ältere Tochter von Sylvia Schulze, der nur von der Familie benutzt wird. Wenig später hört sie Schreie. „Was soll das? Spinnst du?“ und „Papa, lass das“, sagt die Zeugin später der Polizei. Dann habe sie einen Knall gehört, als ob ein Luftballon zerplatzen würde.
19.30 Uhr: Marco Schulze wird auf dem Reiterhof gesehen, wie er einen Stall ausfegt.
19.33 Uhr: Marco Schulze ruft seinen Schwiegervater zurück, der zwischenzeitlich angerufen hatte. Schulze sagt, seine Frau und seine Tochter würden bereits schlafen.
20.58 Uhr: Das Handy von Marco Schulze meldet sich aus dem Funknetz ab.
Die Polizei ermittelte nach dem Verschwinden der Familie auf Hochtouren. Mehrmals wurde das Wohnhaus durchsucht und mit Speziallampen ausgeleuchtet.
„Wir können ausschließen, dass es in dem Haus zu einem Verbrechen kam“, so Krüger. Auch zahlreiche Suchaktionen brachten keine Ergebnisse. Weder an und in der Elbe, noch rund um den Seppenser Mühlenteich. Auch ein Waldstück im Radbrucher Forst wurde durchkämmt, nachdem zwei Seher unabhängig voneinander der Polizei mitteilten, dass dort die Leichen von Mutter und Tochter liegen würden. Doch gefunden wurde nichts.
Es gibt viele Gerüchte um das Verschwinden der Familie Schulze. Belegt werden kann aber nichts davon. Der Polizei fehlt sowohl ein Motiv für ein Familiendrama als auch für ein Untertauchen von Sylvia und Miriam. „Erst wenn Mutter und Tochter wieder auftauchen oder ihre Leichen gefunden werden, wissen wir endgültig, was passiert ist“, so Krüger.
• Erst Ende Juni berichtete die Sendung „Aktenzeichen XY“ erneut über den Fall Schulze. Anschließend gingen rund 50 Hinweise auf den Verbleib von Mutter und Tochter bei der Polizei ein. Krüger: „Zeugen hatten die beiden sowohl im In- als auch im Ausland gesehen. Wir haben alle Spuren gesichtet, es war aber keine Spur dabei, die uns weiterbringt.“