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Verfahren gegen Zeugen

thl. Lüneburg. Versuchter Totschlag - so lautet der Vorwurf gegen einen Rentner (69) aus Lübberstedt, wegen dem er sich derzeit vor dem Lüneburger Landgericht verantworten muss.
Dem Mann wird vorgeworfen, im Januar 2011 auf der Straße zwischen Gödenstorf und Lübberstedt eine Fußgängerin (heute 30) angefahren und schwer verletzt liegen gelassen zu haben. Wegen dieser Tat stand der Rentner im vergangenen Jahr bereits vor dem Winsener Amtsgericht. Als ein Gutachter damals zu der Auffassung kam, dass der Unfall vermeidbar gewesen wäre, erweiterte das Amtsgericht die Anklage auf den jetzigen Vorwurf, nahm den Angeklagten in U-Haft und verwies den Fall an das Landgericht (das WOCHENBLATT berichtete).
Heute, drei Monate später, schmort der Rentner nach wie vor in Haft. Offensichtlich ist das Gericht, dem ein langer Indizienprozess bevorsteht, von der Schuld des Angeklagten überzeugt.
Am zweiten Prozesstag waren jetzt Entlastungszeugen für den Angeklagten geladen. Dabei handelte es sich um einen ehemaligen Sub-Unternehmer des Rentner und dessen Lebensgefährtin. Das Besondere: Der Zeuge bekommt von dem Angeklagten noch rund 5.000 Euro offenen Fuhrlohn. Das Geld soll nach dem Prozess fließen. "Da haben Sie ja ein gesteigertes Interesse an dem Ausgang des Verfahrens", stellte der Richter fest und wies die beiden Zeugen mehrmals auf ihre Wahrheitspflicht hin. Mit gutem Grund: Während sich beide sehr gut an den Tattag erinnerten, gab es bei allen anderen Fragen des Richters erhebliche Erinnerungslücken. Man habe am Tattag mit dem Angeklagten und dessen Frau nachmittags Kaffee getrunken, wenig später habe man sich bei Aldi in Salzhausen beim Einkaufen wieder getroffen. Über die Vorwürfe, die gegen den Angeklagten erhoben werden sowie über den Grund der Inhaftierung habe man aber nie gesprochen. Aussagen, die das Gericht nicht glauben wollte. Die Folge: Gegen die beiden Zeugen wurde ein Verfahren wegen Falschaussage eingeleitet.
Der Prozess gegen den Rentner geht weiter. Das Urteil wird für den 25. Februar erwartet.