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Wenn Halbwissen vermischt wird...

thl. Winsen. Was passiert, wenn verschiedene Zeugen eines Geschehens ihr jeweiliges Halbwissen zusammen in eine Schale werfen, wurde jetzt eindrucksvoll vor dem Winsener Amtsgericht präsentiert. Dort musste sich eine Lehrerin (57) aus der Elbmarsch verantworten, weil sie den Dackel ihres Nachbarn mit Absicht überfahren haben soll.
"Wenn ich von meinem Grundstück fahre, muss ich eine 90-Grad-Kurve fahren. Der Weg ist aus Sand und weist teilweise tiefe Schlaglöcher auf", erklärte die Angeklagte. Als sie am "Tattag" losfuhr, habe sie den Dackel am Straßenrand gesehen. Sie habe zunächst stoppen müssen, weil ein Bäckerfahrzeug im Weg stand, sei dann aber wieder mit Schrittgeschwindigkeit angefahren. Dass der Dackel sich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr am Rand sondern unter ihrem Auto befand, wollte sie nicht bemerkt haben. "Ich habe mich darauf verlassen, dass der Hund zur Seite geht", sagte sie. Erst durch Zeugen sei sie auf den Unfall aufmerksam geworden. Da war es aber schon zu spät und der Dackel tot.
In ihren Vernehmungen bei der Polizei - ein paar Tage nach dem Unfall - kamen alle Zeugen zu dem Schluss, dass die Lehrerin gesehen hat, wie der Hund auf die Straße lief und dann ordentlich Gas gab. Vor Gericht stellte sich allerdings heraus, dass jeder nur "ein bisschen" gesehen hatte und den eigentlichen Unfall so wirklich niemand. Übersetzt: Der angeklagte Vorsatz ergab sich nur aus mehreren zusammengewürfelten Schlussfolgerungen der Zeugen.
"Eine Absicht ist der Angeklagten nicht zu unterstellen", so der Richter. Da sie aber das Tier zumindest grob fahrlässig überfahren hat, muss die Lehrerin nun 1.200 Euro an das Lüneburger Tierheim zahlen, damit das Verfahren eingestellt wird. "Sie haben den Hund gesehen. Darauf vertrauen, dass er stehen bleibt, reicht leider nicht aus", so die Begründung des Richters.