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Baugebiet Winsener Wiesen-Süd: Bald kommen die Bagger / Anwohner blicken zurück

Hilke Susen und Helmut Meyer
thl. Winsen. Spätestens ab September sollen im Baugebiet Winsener Wiesen-Süd die Bagger für die Erschließungsarbeiten rollen. Wie berichtet baut das Konsortium IDB/Gerner dort rund 240 Wohneinheiten. Dann verändert der Bereich, über dessen Bebauung - mit Unterbrechungen - über 20 Jahre im Winsener Stadtrat diskutiert wurde, sein Gesicht. Die direkten Anwohner Hilke Susen und Helmut Meyer freuen sich auf neue Nachbarschaften, blicken aber auch ein wenig wehmütig zurück.
Im Mai 1964 ist das Ehepaar mit ihrem damals eineinhalbjährigen Sohn an den Winsener Baum gezogen - in ein Endreihenhaus, mit Giebel und einem Fenster nach Norden. "Damals wurde noch das ganze Gebiet beackert", erinnert sich Hilke Susen Meyer. "Spargel-, Getreide- und Rübenfelder wechselten sich ab. Einmal wurde auch Kohl angebaut - ungespritzt. Danach schwirrten Unmengen von Kohlweißlingen durch die Luft. Und im Herbst waren die Hauswände voll mit Raupen." Fliegengitter für die Fenster habe es damals noch nicht gegeben. Die Folge: Die Raupen gelangten hin und wieder auch in die Häuser.
"Mitten drin in den Feldern stand ein alter Apfelbaum. Dort fanden im Frühjahr Fasanenkämpfe statt, die Hasen bemühten sich um die Häsinnen", so Meyer weiter.
Im Laufe der Jahre veränderte sich der Ausblick der Meyers immer wieder. Eine zeitlang waren auf einem schmalen Streifen des Gebietes Schrebergärten angesiedelt. Ein anderes Mal ließ ein Schäfer dort seine Tiere weiden, guckte aber nur selten nach ihnen. "Eines morgens guckten wir aus dem Fenster. Da hatten die Schafe nichts mehr zu fressen und der Zaun wurde niedergetrampelt", so Hilke Susen Meyer. "Es waren auch Muttertiere dabei, die gelammt hatten und deren Lämmchen dann erfroren."
"Einmal wurde auf den Feldern Grünkohl angebaut", erzählt Meyer weiter. "Doch nach starkem Regen folgte sofort Frost und der Kohl fing an zu gammeln. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie übel dieses sonst so schmackhafte Gemüse riechen kann."
"Wir wussten seit Jahrzehnten, dass hier einmal gebaut werden soll. Jetzt ist es soweit", sagt Helmut Meyer und es schwingt viel Wehmut in der Stimme mit. "Nie wieder werden ein Fasan auf unserer Regentonne landen oder Rebhühner mit ihren Kücken durch unseren Garten watscheln. Wir mussten uns schon von allen Bäumen und Büschen verabschieden. Selbst von denen, die ich im vergangenen Sommer noch an unsere Böschung gepflanzt habe."