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Der Stern von Bethlehem war keine Zeitschrift

Sorgte für Irritationen: die Engelsfigur im Glasfenster der Winsener St. Marien-Kirche (Foto: archiv / Wilfried Staake)

Eine Glosse über ein Schneewittchenbild in der Kirche und andere Irrtümer

Da kann man schon mal in eine Glaubens-Krise geraten. "Was macht Schneewittchen in der Kirche?" heißt eine neue Broschüre, in der der Kirchenkreis Winsen darüber aufklärt, was es mit Bildern und anderen Kunstwerken in den Gotteshäusern der Region auf sich hat. Der Titel ist auf die Frage einer Besucherin der Winsener St. Marien-Kirche angesichts eines Fensterbildmotivs zurückzuführen. Sie glaubte in einem nach der Auferstehung Jesu auf dem offenen Sarg sitzenden Engel die Märchenfigur wiederzuerkennen. Auch wenn die Bemerkung der Frau nicht ganz ernst gemeint war, stellt sich doch die Frage, wie man überhaupt auf die Idee kommen kann, Schneewittchen in einer Kirche zu vermuten. Ein Abbild von Helene Fischer im Altarraum läge da schon näher, so wie die Sängerin derzeit von ihren Fans vergöttert wird. Um dem sakralen Halbwissen entgegenzuwirken, sollen hier ein paar Irrtümer aus der Welt geschafft werden, die unter denjenigen Zeitgenossen kursieren, die - wie es der preisgekrönte Satiriker und Kabarettist Joachim Zawischa aus Buchholz sinngemäß formulierte - die Schuhgröße der Nationalelf-Kicker kennen, aber die Wagner-Festspiele für ein Pizza-Wettessen halten:
1. Die 10 Gebote sind keine Sonderaktion bei E-Bay.
2. Das jüngste Gericht steht auf keiner Speisekarte.
3. Die Bergpredigt ist kein Hörbuch von Schlagerstar Andrea Berg.
4. Der omnipräsente Pop-Titan Dieter Bohlen war nicht an der Erschaffung der Welt beteiligt.
5. Golgatha ist keine Zahnprothesen-Haftcreme.
6. Der Stern von Bethlehem war keine Zeitschrift.
7. Matthäus, Markus, Lukas und Johannes waren keine Boygroup.
8. Der Judaskuss war nicht der Vorläufer von "50 Shades Of Grey".
9. Der Sündenfall war - im Gegensatz zu "Fegefeuer" - keine "Tatort"-Folge
10. Das Buch Genesis sind nicht die Memoiren einer englischen Kult-Rockband.

Christoph Ehlermann