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Die Letzten ihrer Art? - Preisverfall bei Fleisch und Wolle lassen die Schafherden schrumpfen

In den Schafställen werden wieder kleine Lämmer geboren
thl. Winsen. Sie hat wieder angefangen - die Lammzeit bei den Schäfern. "Damit hat für uns die arbeitsreichste Zeit begonnen. Mit Tagen von bis zu 16 Stunden Arbeit, um die kleinen Lämmer sicher auf die Welt zu bringen", sagt Wendelin Schmücker. Der Winsener ist Sprecher der Berufsschäfer in der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtsverbände. Und er schlägt Alarm: "Es gibt kaum noch Schäfer in Deutschland. Vor allem fast keine Wanderschäfer mehr - und das kann sichtbare ökologische Folgen haben, denn die Schafe betreiben nicht zuletzt Landschaftspflege." Denn die Tiere halten nicht nur das Gras kurz, sie verdichten auch den Boden, was für die Stabilisierung von Deichen notwendig ist.
2012 wurden laut Statistik in Deutschland noch 1,63 Millionen Schafe gezählt. "Es war das achte Jahr in Folge mit rückläufigem Bestand", so Schmücker. Innerhalb von zehn Jahren habe sich der Tierbestand um zehn Prozent reduziert. Laut Schmücker gibt es heute nur noch 2.500 bis 3.000 Schäfereien im Haupterwerb.
"Der Wegfall der Mutterschafprämie 2005 ließ die Bestände in der EU drastisch schrumpfen. Fehlender Nachwuchs und Überalterung gelten als weitere Probleme der Branche. In Thüringen beispielsweise gibt es derzeit keinen einzigen Schäferlehrling. Eigentlich bräuchten die Schäfer pro Jahr 15 Absolventen, um die altersbedingt ausscheidenden Berufskollegen ersetzen zu können", rechnet Wendelin Schmücker vor.
Allerdings: Nur vom Fleisch kann ein Schäfer nicht leben. "Wir empfehlen unseren Mitgliedern einen Mix aus Landschaftspflege und Fleischproduktion", so der Sprecher. Denn der Preisverfall bei Wolle habe die Lage ebenfalls verschlechtert. "Die alleinige Ausrichtung auf die Fleischproduktion konnte und kann diese Dimension nicht ausgleichen", sagt Wendelin Schmücker. Momentan erzielten die Schäfer für ein Kilogramm Lamm etwa 2,50 Euro. Ein gutes Mastlamm kommt auf 45 Kilo. Dennoch kann das die Kosten kaum decken. Schließlich müssten die Tiere entwurmt und geimpft werden, selbst die Schur koste Geld. "Und am Ende müssen meine Familie und ich auch Geld zum Leben haben", so Schmücker weiter.
"Zu viel Arbeit, zu wenig Geld", bringt er die Lage der Schäfer auf den Punkt. Wendelin Schmücker sieht auch die Politik auf Bundes- und Landesebene in der Pflicht. Man dürfe nicht immer nur auf Brüssel verweisen. Ansonsten droht der Beruf des Schäfers in absehbarer Zeit auszusterben.