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"Eiche des Anstoßes" wird in Gödenstorf nun doch abgeholzt

Soll gefällt werden: die rund 200 Jahre alte Eiche in Gödenstorf
 
"Riesiger Schaden für die Natur": Melanie Ronde, Vorsitzende des NABU-Ortsvereins Hanstedt-Salzhausen (Foto: Ronde)

Jahrelanger Streit zwischen Gemeinde und Anwohnern um Baum endet mit dessen Fällung

ce. Gödenstorf. "Das ist absurd! Jetzt wird der Baum nach dem ewigen Hin und Her doch noch gefällt." Fassungslos stehen Passanten in Gödenstorf vor einer über 200 Jahre alten Eiche, die voraussichtlich an diesem Freitag abgeholzt werden soll - als Ergebnis eines über zehn Jahre andauernden Rechtsstreites zwischen Anwohnern und Gemeinde.
"Eine Eiche wird zum Stein des Anstoßes", hatte das WOCHENBLATT 2006 getitelt, als der Streit publik wurde um den Baum, der zu drei Vierteln auf Gemeindeboden und zu einem Viertel auf dem Grundstück der Anwohner steht. Letztere ärgerten sich, dass Eicheln auf die Fenster im Dachgeschoss ihres Hauses fallen, denn womöglich durch den Aufprall hätten einige Fenster kleine Risse. Die Anwohner befürchteten zudem, dass Menschen durch herabfallende Äste verletzt würden, und forderten die Gemeinde zur Baumfällung auf, um bei Schadensersatzklagen nicht zur Kasse gebeten zu werden. "Wir können und wollen nicht die ganze Haftung für einen Baum übernehmen, der zumindest teilweise auf fremdem Grund steht", war die Ansicht der Anwohner. Mit der sie nun nach langwierigen Auseinandersetzungen ihr Ziel erreicht haben. "Wir haben uns dem jüngsten Schreiben des Rechtsanwaltes der Anwohner gebeugt, der auf die Verkehrssicherungspflicht der Gemeinde hingewiesen hat", erklärt Bürgermeisterin Malene Schröder auf WOCHENBLATT-Anfrage. "Auch wenn der Baum immer wieder durch Gutachter in Augenschein genommen wurde, pflegerische Maßnahmen erfolgt sind und der Baum einen gesunden Eindruck macht, so gibt es keine Garantie, dass nicht doch einmal ein Ast herunterfällt und Schaden anrichtet", räumt sie ein. "Mit großem Bedauern sehen wir als Gemeinderat, der sich seit 2006 schützend vor die schöne Eiche stellt, nun deren Fällen." Da die Gemeinde auf ihr "Recht am Baum verzichtet", hätten die Anwohner die Kosten für die Beseitigung zu tragen. 


- NABU: "Trauerspiel und Willkür ohnegleichen"

"Das ist ein Trauerspiel und eine Willkür ohnegleichen!" Mit diesen Worten macht Melanie Ronde, 1. Vorsitzende des NABU-Ortsvereins Hanstedt-Salzhausen, ihrem Ärger Luft über eine voraussichtlich am Freitag in Gödenstorf anstehende Baumfällung. In der Straße Reiherstieg soll nach einem gut zehnjährigen Rechtsstreit zwischen Anwohner und Gemeinde eine rund 200 Jahre Eiche abgeholzt werden, damit die Kommune ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommt.
"Einmal gefällt, ist der Schaden für die Natur, in der auch wir Menschen uns bewegen, nicht zu beziffern. Diese Eiche ist nicht nur ein Naturdenkmal und ein Zeitzeuge, sie ist auch der mahnende Rest einer einst gewesenen Naturlandschaft, die durch Bebauung und Rodung immer weiter weichen musste", betont Melanie Ronde. Sie sei erschüttert darüber, dass Privatleute ihre Interessenten auf dem Klagewege hätten durchsetzen können, ohne Rücksicht auf die für die Natur entstehenden Schäden zu nehmen.
Ronde bedauert das Versäumnis der Kommune, bislang keine Baumschutzverordnung, wie es sie etwa in Hamburg bereits gebe, auf den Weg gebracht zu haben. "Vielleicht wäre dieser Baum dann zu retten gewesen", gibt die Naturschützerin zu bedenken. Der NABU würde die Anwohner beim Erhalt und der Pflege des Baumes gerne unterstützen und damit auch dem Wunsch zahlreicher Gödenstorfer entsprechen, die sich wegen der Eiche beim Verein gemeldet hätten. "Sollte sie tatsächlich gefällt werden, hätte nicht nur der Baum 'verloren', sondern auch der Auftraggeber der Fällung. Was ihm an Natur im eigenen Garten entgeht, kann er noch gar nicht einschätzen", so Melanie Ronde.

- Moment mal: "Das hätte nicht passieren dürfen!"

"Die Menschen, die in Gödenstorf oder anderswo neben einer Eiche wohnen, wissen im wahrsten Wortsinn, was auf sie zukommt. Man muss dort ja nicht sein Haus bauen." So kommentierte ein Gödenstorfer den Streit um die Eichen-Fällung, als der WOCHENBLATT-Reporter ihn darauf ansprach. Auch so kann man die Sache sehen. Man hätte die Angelegenheit aber auch längst entschärfen und sich viel Ärger ersparen können, wenn sich die um ihre Sicherheit besorgten Eichen-Anwohner zusammen mit Nachbarn, die den Baum erhalten wollten, um dessen Pflege gekümmert hätten. So etwas fördert die Dorfgemeinschaft. Und es hätte womöglich keines Gutachters bedurft, der im Auftrag der Gemeinde für teures Geld den Zustand der Eiche immer wieder in Augenschein nahm. Stattdessen jahrelang Richter und Anwälte mit einer Sache zu beschäftigen, die beim Gespräch am Gartenzaun geklärt werden könnte, nein: sollte, ist einfach lächerlich.               Christoph Ehlermann