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Ein Besuch der Gegensätze

Heike und Klaus Wenck mit ihrem Patenkind Blanca (Foto: Wenck)
 
Bei Eymys (Dritte v. li.) Familie wurden Heike und Klaus Wenck zum Essen eingeladem (Foto: Wenck)
thl. Rottorf. Seit sie vor zehn Jahren einen Gastsohn aus Equador bei sich aufgenommen hatten, haben Heike und Klaus Wenck aus Winsen-Rottorf eine ganz besondere zu dem südamerikanischen Land. Diese wurde vertieft, als das Ehepaar vor gut drei Jahren über Plan International die Patenschaft über zwei Mädchen übernommen haben - Blanca (11) und Eymy (8). Nachdem Wencks Tochter Anne bereits im vergangenen Jahr die beiden Patenkinder kennenlernen durften, machten sich die Wencks jetzt selbst auf den Weg in den Nordwesten Südamerikas. Und trafen dort auf eine Welt voller Gegensätze.
Hier der Reisebericht von Heike Wenck: "Blanca lebt mit ihrem Vater, Schwester und zwei Brüdern in der kargen Hochebene des Cotopaxi-Gebietes. Die Familie wohnt am Hang in einer Stein-/Holz-/Wellblechhütte auf ca. zehn Quadratmeter, in der links und rechts ein breites Bett steht. Am Gangende stehen ein Gasherd mit zwei Kochstellen, ein kleines Küchenregal und ein Kleiderschrank. Der Fußboden ist nur fest getretene Erde. Die Hütte hat einen Stromanschluss und Fernseher. Draußen gibt es fließendes kaltes Wasser. Die Tradition sagt, das Wasser nur zum Kochen erwärmt werden soll und nicht für die Körperhygiene. Folglich wird sich wenig gewaschen. Blanca hatte sehr spröde Gesichtshaut durch das relativ kalte Gebirgsklima bekommen. Ihre ist bei der Geburt des fünften Kindes gestorben, so dass sie mit ihrer siebenjährigen Schwester Erika einen Teil der Hausarbeit übernehmen muss. Bei den Familien hat die Tradition einen hohen Stellenwert. Die Frau heiratet früh, gebärt viele Kinder für die Altersversorgung und ist verantwortlich für die Hausarbeit und Versorgung der Familie.
Blanca ist sehr zurückhaltend und spricht nur, wenn sie die Zustimmung von ihrem Vater erhält. Ohne seine Einwilligung wird Blanca in zwei Jahren nicht auf die weiterführende Schule gehen können. Ihr Vater träumt schon davon, dass seine Tochter in drei Jahren verheiratet sein könnte und er sie nicht mehr versorgen muss, was uns sprachlos machte.
Unser zweites Patenkind Eymy hat ein ganz anderes familiäres Umfeld als Blanca. Sie lebt im Süden der Hauptstadt Quito. Eymys Vater arbeitet in einem Cateringservice, die Mutter hat sich mit Unterstützung ihrer Mutter eine Nähmaschine kaufen können. Dadurch kann sie jetzt Näharbeiten für andere ausführen und hat noch eine zusätzliche Wochenendarbeit in einem Restaurant. Beide Elternteile können lesen und schreiben. Eymy und ihre beiden jüngeren Brüder lernen in der Schule von der ersten Klasse an schon Englisch und die Schulbildung wird als sehr erforderlich in der Familie angesehen. Die Familie lebt seit Mai 2014 in einem wohnlich eingerichteten Rohbau mit drei Zimmern, Wohnküche und Bad mit Dusche und Toilette. Die Fensterlöcher sind mit Tüchern/Decken zugehängt, weil das Geld für den Fensterkauf noch nicht verdient ist. Nach und nach soll in den nächsten Jahren das Haus fertig gebaut werden.
Im Vorraum des Hauses hing ein großes Poster mit der Darstellung wie täglich Körperhygiene durchgeführt werden soll, die auch in Eymys Familie mit großer Freude gelebt wird. Ohne Duschen will abends keiner mehr ins Bett gehen. Genauso gehören das tägliche Zähneputzen morgens und abends sowie das Händewaschen vor jeder Mahlzeit draußen am Waschplatz dazu.
Eymys Familie geht es schon viel besser als vielen anderen in ihrem Umfeld. Die Unterstützung von Plan INternational ist hier nach wie vor sehr wichtig, denn die Familie muss weiter so fortschrittlich denken, damit die Kinder eine gute Ausbildung bekommen und ohne soziale Konflikte groß werden können.
In drei Jahren werden wir wieder nach Quito fliegen und dann kommt die spannende Frage: Haben sich die Patenkinder mit Unterstützung von uns und Plan International weiterhin so verwirklichen können, wie sie sich dies in ihren stillen Träumen vorgestellt haben? Wir hoffen auf ein Ja."