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Gemeinde Vierhöfen legt beim Landkreis Harburg Veto gegen Sandabbau ein

Zustände wie dieser dürften der Gemeinde zufolge bei zunehmendem Lkw-Verkehr noch schlimmer werden: Schon jetzt machen ständig zerfahrene Straßenränder die K37 zur Dauerbaustelle (Foto: Gemeinde Vierhöfen)
ce. Vierhöfen. "Die Gemeinde hat pünktlich zum Ende der Eingabefrist beim Landkreis Harburg ihr energisches Veto gegen das beantragte Sand- und Kiesabbaugebiet eingelegt", teilte jetzt Vierhöfens Bürgermeister Eberhard Leopold mit. Die Firma Manzke aus Volkstorf (Kreis Lüneburg) habe beantragt, an der südlichen Ortseinfahrt von Vierhöfen auf einer Fläche von 30 Hektar Sand und Kies abzubauen sowie mineralische Produkte (u.a. besondere Gesteinsmischungen, Rohstoffe für den Straßenbau) herzustellen. Der geplante Trocken- und Nassabbau sei mindestens auf 30 Jahre ausgerichtet.
Das anvisierte Areal bei Vierhöfen sei insgesamt 111 Hektar groß und im Landesraumordnungsprogramm als Rohstoffgebiet ausgewiesen. Von dieser Fläche sollten 30 Hektar "unter den Bagger" kommen. "Kenner der Szene sorgen sich, dass dies der erste Schritt zu einem gigantischen Sand- und Kiesabbau ist, der das gesamte Vorsorgegebiet umfasst", so Eberhard Leopold.
"Das Unternehmen hat keine verkehrliche Erschließung bzw. Ortsumfahrung vorgelegt. Die Millionen Kubikmeter Sand und Kies sollen durch die Ortsmitte auf der K37 in den Raum Winsen und Lüneburg transportiert werden", kritisiert Leopold auch im Namen des Gemeinderates das vorgelegte Abbaukonzept. Das zu erwartende "sprunghafte Ansteigen" des Lkw-Verkehrs würde für die Vierhöfener erhebliche Lärm- und Staubemissionen und bisher nicht Gefahrensituationen bedeuten. "Nachweislich ist die K37 für einen dauerhaften Schwerlastverkehr nicht geeignet. Die Straße ist so schmal, dass zwei Lastwagen einander nicht passieren können, ohne auf die Bürgersteige auszuweichen", mahnt er.
Bereits vor zwölf Jahren hatte die Firma Manzke beantragt, die 30 Hektar abzubauen. In 2012 gab es die erste Anhörung beim Landkreis, in der die Gemeinde und die Bürgerinitiative Vierhöfen erheblichen Widerstand gegen das Vorhaben leisteten. Die Menschen in der Region befürchten damals wie heute neben der sprunghaften Zunahme des Schwerlastverkehrs gravierende Eingriffe in die Natur und irreparable Schäden für das Grundwasser. Zwei Jahre später wurde das Planverfahren vom LandKreis wegen erheblicher rechtlicher und materieller Fehler vorerst eingestellt. Der Kreis verwies alle bisherigen Angaben, Gutachten und Expertisen zu dem Vorhaben erneut auf den Prüfstand (das WOCHENBLATT berichtete).
Jetzt beantragte das Abbauunternehmen laut Eberhard Leopold die Fortführung des Genehmigungsverfahrens. Vom Landkreis wurde daher die erneute Anhörung der Kommunen und Behörden verfügt.
"Es ist unfassbar, dass es in unserer lärmgeplagten Zeit eine Verkehrsplanung gibt, die scheinbar nur die materiellen Interessen der Wirtschaft und nicht die Erhaltung der Lebensqualität der hier wohnenden Menschen sieht", bezieht Leopold Stellung. Das Verkehrsgutachten des Abbauunternehmens gehe an den Fakten vorbei. So rechne der Abbauer mit 45 Sandtransporten täglich, lasse aber die gleiche Zahl von Leerfahrten unter den Tisch fallen. Der von der Gemeinde Vierhöfen hinzugezogene Gutachter rechne mit mindestens 83 Sandtransporten und ebenso vielen Leer-Touren. Keine Erwähnung in der Zählung des Abbauers fänden auch die diversen Kunden, die direkt an der Grube Sand kaufen.
Laut Leopold fehlen im Antrag auch Lärmmessungen für den gesamten Bereich der Ortsdurchfahrt. Der von der Gemeinde beauftragte Lärmgutachter habe festgestellt, dass an mehreren Stellen die Werte bereits jetzt über dem Limit liegen. Der Bürgermeister verweist auf die aktuelle Raumplanung, in der der Landkreis selbst einräumt: "Im Falle eines Bodenabbaus ist mit erheblichen Beeinträchtigungen der Schutzgüter Mensch, Gesundheit, Natur und Wasser zu rechnen (...). Für diese Folgen sind hauptverantwortlich der Lärm und Staub, insbesondere durch den Transport gewonnener Rohstoffe."
Eberhard Leopold: "Für die Gemeinde Vierhöfen ergibt sich zusammenfassend nur eine Konsequenz: Entweder wird eine umweltverträgliche Ortsumgehung gebaut oder der Sandabbau findet nicht statt."