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"Habe von Krankheit nichts gewusst": Winsenerin bekommt mit "Katzen-Aids" infizierten Kater vom Tierheim

Starb an "Katzen-Aids": Kater "Bulli", hier zu Lebzeiten bei einer "kreativen Schaffenspause" (Foto: Foto: oh)
ce. Winsen. Hat das Winsener Tierheim seine Fürsorgepflicht verletzt oder wurden die knappen Mittel der Einrichtung einem Kater zum tödlichen Verhängnis? "Ich habe einen Kater gekauft. Man hat mir aber nicht gesagt, dass er an Katzenaids erkrankt ist. Jetzt ist er tot", sagt Ilona M. (34, Name von der Red. geändert) traurig und wütend. Vom Tierheim fordert sie nun Schadensersatz.
Das ist geschehen: Vor vier Wochen holte Ilona M. für 80 Euro den gut neunjährigen europäischen Kurzhaar-Kater "Bulli" aus dem Tierheim. Kurz darauf begann "Bulli", fortwährend auf die Couch zu urinieren. Sein Frauchen tippte auf eine Blasenentzündung. Die Tierärztin konnte dies nicht bestätigen, weil "Bulli" in der Praxis kein Wasser ließ. Was der Veterinärin viel mehr Sorgen bereitete, waren eine offene, bis dahin nur unzureichend behandeltete Wunde am Hals des Katers, die einfach nicht verheilen wollte, und der "katastrophale Zustand" der Zähne des Tieres. Eine Operation zur Minderung der Leiden hätte bis zu 400 Euro gekostet.
Das Winsener Tierheim wollte diese Ergebnisse nicht wahrhaben. Eine Mitarbeiterin fuhr mit Ilona M. und "Bulli" für eine zweite Untersuchung in die Tierklinik Lüneburg, mit der das Heim kooperiert. Schreckliche Diagnose: "Bulli" litt unter dem Feline Immunodeficiency Virus (VIF), auch als "Katzen-Aids" bekannt, der tödlich endet. Symptome der Immunschwäche sind unter anderem Zahnfleischentzündungen, durch bakterielle Infektionen beeinträchtigte Wundheilung sowie Erkrankungen des Magen- und Darmtraktes. "Das hat 'Bulli' gehabt, das hätte dem Tierheim auffallen müssen", sagt Ilona M.. Ihr Kater musste eingeschläfert werden.
Vom Heim will Ilona M. die 80 Euro für "Bulli" und 32 Euro für den Besuch bei der Tierärztin zurückhaben. "Womöglich hat 'Bulli' im Heim andere Katzen angesteckt", befürchtet sie. Ob er auch Ilona M.s zweite Katze "Shorty" infiziert hat, kann frühestens in zwei Monaten getestet werden - die Mindest-Inkubationszeit von "Katzen-Aids".
- "'Bulli' war seit Januar bei einem Tierarzt in Behandlung. Es gab keine Anzeichen für 'Katzen-Aids'", sagt Katrin Schäfer, Leiterin des Winsener Tierheims. "Wir bedauern, dass das Tier den VIF-Virus hatte. Aus Kostengründen können wir leider nicht alle Katzen auf Aids testen lassen." Die Gefahr, dass"Bulli" andere Tiere angesteckt hat, ist aller Wahrscheinlichkeit nach gering. Laut Katzenschutzbund Köln erfolgt eine Infizierung kaum durch Futterschüsseln oder Katzentoiletten, sondern vielmehr durch Bissverletzungen bei Kämpfen oder beim Paarungsakt durch den Nackenbiss des Katers. Das Winsener Tierheim hat Ilona M. angeboten, die Kosten für den Aids-Test bei "Shorty" zu übernehmen. Über weitere Erstattungen müsse - so Katrin Schäfer - mit dem Vorstand des Tierschutzvereins als Heimbetreiber gesprochen werden.