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"Operation war Gold wert": Kirchengemeinde Pattensen leistet mit 15.000-Euro-Spende starke Hilfe für syrische Flüchtlinge

Dankbar für die erfolgreiche Gesichtsoperation: der syrische Flüchtling Mohammed und Pastor Carsten Stock (Foto: Carsten Stock)
 
Ärztliche Sprechstunde im Lager: Dolmetscher, Arzt und Flüchtling bei der Visite in einem Zelt (Foto: Carsten Stock)
ce. Pattensen. Ein ebenso starkes wie vorbildliches Zeichen der Nächstenliebe haben die Menschen in der Kirchengemeinde Pattensen (Landkreis Harburg) gesetzt: Sie spendeten als freiwilligen Kirchenbeitrag 15.000 Euro für ein medizinisches Hilfsprojekt in Lagern syrischer Flüchtlinge im Libanon. "Ich bin sehr dankbar, dass innerhalb von einem guten Vierteljahr ein so hoher Betrag zusammengekommen ist, mit dem große Not gelindert werden kann", freut sich Pastor Carsten Stock (48). Er reiste jetzt eine Woche lang nach Zahle in den Libanon, um sich ein Bild zu machen, wie den Menschen vor Ort geholfen wird.
"Die Lebensbedingungen in den Lagern sind sehr bedrückend. In den 48 Quadratmeter großen Zelten leben häufig acht bis zehn Personen im Familienverband", berichtet Stock. Trinkwasser, Strom und eine Toilette für mehrere Zelteinheiten seien vorhanden. Für Zelte, Strom und Wasser müssten die Flüchtlinge jedoch Gebühren zahlen. Teilweise gebe es für die Lager Zuschüsse von der UNO, viele Bewohner arbeiteten jedoch als Tagelöhner in Werkstätten oder bei Landwirten. "Ich kann mir kein besseres Spendenprojekt vorstellen als das, was wir unterstützt haben", so sein Fazit.
Die Gelder aus Pattensen gingen an die deutsche Hilfsorganisation "Global Services International" (GSI), für die in Zahle eine Sozialpädagogin, eine Krankenschwester und ein Architekt aus Deutschland im Einsatz sind. Das Trio kooperiert mit der örtlichen Hilfsinitiative "Triumphant Mercy Libanon". Die GSI-Crew zahlt ihre Lebenshaltungskosten selbst.
Durch die Spenden ermöglicht wurde unter anderem eine Operation für den jungen Mohammed, der bei einem Motorradunfall einen Augenhöhlen- und Kieferbruch erlitt. "Da sein Vater verstorben ist, ist er der Hauptverdiener der Familie, zu der neben seiner Mutter auch vier kleine Geschwister gehören. Dank der erfolgreichen Operation kann er nun wieder seiner Arbeit in der Verwaltung einer Eierfabrik nachgehen", erzählt Carsten Stock. Von der UNO wäre der Eingriff nicht bezahlt worden, da er nicht lebensnotwendig gewesen sei. "Für das Überleben der Familie war die OP allerdings Gold wert."
In den Flüchtlingslagern werden mit den Spenden auch ärztliche Sprechstunden finanziert. "Rund 30 Männer wurden in zweieinhalb Stunden untersucht", berichtet Stock von einer Visite, bei der er zwei Ärzte aus England und Dolmetscher in ein Camp begleitete. Die Patienten hätten unter Erkältungskrankheiten, Magen- und Darmproblemen, Hautausschlag und Herzbeschwerden gelitten.
Ins Auge fielen Carsten Stock die krassen Gegensätze zwischen der armen und reichen Bevölkerung - etwa als er das Luxus-Eigenheim eines libanesischen Firmenbosses sah, vor dem seine syrischen Arbeiter in Zelten hausen. "Der Libanon ist kein armes Land. Manche Libanesen mehren ihren Reichtum auch auf Kosten der syrischen Flüchtlinge, die als billige Arbeitskräfte ausgenutzt werden."
In guter Erinnerung wird Stock die Gastfreundschaft der Flüchtlingsfamilien behalten, die ihn "tief berührt" habe. So seien er und seine Begleiter vom Flüchtling Assad in dessen Zuhause, einer Garagenruine, mit Kaffee, Tee und Abendbrot bewirtet worden. Carsten Stock: "Im Gespräch stellten wir Gemeinsamkeiten fest: Unsere Gastgeber hatten über Internet das Fußballspiel Bayern gegen Atletico im Halbfinale der Champions League gesehen - und bedauerten wie wir das Ausscheiden der Bayern."
- Einen Vortrag über das Flüchtlings-Hilfsprojekt und seine Reise hält Pastor Carsten Stock am Donnerstag, 2. Juni, um 20 Uhr in "Maack-Kramer's Landgasthof" in Pattensen (Blumenstraße 2).