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Rathaus-Mitarbeiter im Knast

Freuen sich, dass die Sanierung abgeschlossen ist (v. li.): Stefan Schmitt-Wenzel, André Wiese und Matthias Parchatka (Foto: oh)
thl. Winsen. Einige Mitarbeiter der Winsener Stadtverwaltung sitzen ab sofort im Knast. Aber nicht, weil sie irgendwelche Straftaten begangen haben, sondern weil die Sanierung des ehemaligen Gefängnisses am Schlossplatz jetzt nach rund einem halben Jahr abgeschlossen ist.
Im Mai vergangenen Jahres hatte die Stadt das Gebäude, das bis dato vom Amtsgericht genutzt wurde, zum Preis von 495.000 Euro vom Land Niedersachsen erworben. Grund: Im Rathaus wurde es einfach zu eng, deswegen sollten Abteilungen und Archivräume ausgelagert werden.
Das unter Denkmalschutz stehende Gefängnisgebäude ist Mitte des 19. Jahrhunderts im klassizistischen Stil errichtet worden und hat städtebaulich eine besondere Bedeutung. Es ist Teil der historischen Bausubstanz rund um den Schlossplatz, die den innerstädtischen Bereich prägt und erhaltenswert ist. "Es bietet zusätzliche Verwaltungsräume in unmittelbarer Nähe des Rathauses, die wir dringend brauchen", sagt Personalchef und Kämmerer Matthias Parchatka.
Für die Nutzung des Gebäudes als Rathaus-Außenstelle waren erhebliche Sanierungsmaßnahmen erforderlich. Zwar ist die Bausubstanz des alten Hauses, das seit Ende der 1980er Jahre nicht mehr als Gefängnis genutzt wird, im Wesentlichen gut. „In den vergangenen 20 Jahren hat das Land jedoch nicht mehr in das Gebäude investiert“, erklärt Stefan Schmitt-Wenzel als Architekt der Stadt, „sodass ein großer Reparatur- und Modernisierungsrückstau aufzuarbeiten war.“ Unter anderem wurden der Brand- und Wärmeschutz verbessert, die Elektroinstallation erneuert, ein weiterer Rettungsweg geschaffen, die Bodenbeläge ausgetauscht, Toilettenanlagen saniert und alle Wände neu gestrichen. Schmitt-Wenzel: „Ein Schwerpunkt der Sanierung war die energetische Optimierung des Gebäudes. Jetzt muss nur noch ein Hebelift im ehemaligen Gefängnishof installiert werden, um die Zugänglichkeit für Menschen im Rollstuhl oder mit einer Gehbehinderung zu gewährleisten.“
Ein Grundsatz der Sanierung war, neu hinzu gekommene Bauteile auch als solche erkennbar zu lassen. Bewusst wurde also auf so genannte historisierende Einbauten verzichtet. Auf diese Weise bleibt die Historie des Gebäudes offensichtlich. „Insgesamt ist das ein gelungenes Vorhaben“, stellt Bürgermeister André Wiese (CDU) zufrieden fest. „Und mit Kosten für die Sanierung von 358.500 Euro und für die Möblierung von 35.000 Euro bleiben wir im Rahmen des Haushaltsansatzes.“