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Sie arbeiten für ein Taschengeld!

Saskia Kaiser (li.) und Helena Twesten leisten ihren Bundesfreiwilligendienst gerne im DRK-Fundus-Kaufhaus (Foto: DRK)
Sie arbeiten für ein Taschengeld – freiwillig! Helena Twesten und Saskia Kaiser leisten ein Jahr Bundesfreiwilligendienst im Fundus-Kaufhaus für alle in Winsen. 35 Stunden in der Woche haben sie alle Hände voll zu tun. Sie haben sich für den freiwilligen sozialen Dienst (FSD) entschieden und es noch nicht bereut.
Ihre Aufgaben sind vielfältig. Gemeinsam mit knapp 60 weiteren ehrenamtlichen Mitarbeitern sortieren sie gespendete Kleidung, Spielwaren, Schuhe, Haushaltswaren und vieles mehr. Sie zeichnen die Sachen aus, denn die werden zu Mini-Preisen an alle abgegeben, die im Kaufhaus stöbern. Damit braucht niemand preiszugeben, ob er einen schmalen Geldbeutel hat. Wer nachweislich bedürftig ist, bekommt noch zusätzlich einen Rabatt.
Die 19jährige Saskia Kaiser aus Harburg steht gerne an der Kasse. Dort hat sie den Kundenkontakt, den sie sich als Vorerfahrung für ihren Wunschberuf als Steuerfachangestellt gewünscht hatte. Nach Abschluss der Höheren Handelsschule hatte sie sich für eine Auszeit entschieden, wollte aber nicht völlig untätig bleiben.
Auch ihre Bufdi-Kollegin Helena Twesten sagt: „Ich wollte nach der Schule ein Orientierungsjahr machen, aber währenddessen eine sinnvolle Tätigkeit haben. Mit Jobs hätte ich mehr verdienen können, aber ich wollte etwas tun, womit ich später etwas anfangen kann“. Mittlerweile hat die 19jährige Abiturientin sich entschieden. „In Richtung Medien sollte es vorher schon gehen, aber jetzt habe ich entschieden, es wird ein Studium zur Medien-Kauffrau“.
Sie war anfangs kein Fan davon zu kassieren, aber auch sie war schnell eingearbeitet und lernte mit der Verantwortung umzugehen, dass die Kasse stimmen müsse. „Wir haben immer jemanden, den wir fragen können. Das ist viel wichtiger, als die pädagogische Begleitung, die wir über den Bundesfreiwilligendienst (BFD) bekommen. Hier sind wir immer sehr gut betreut!“, betont sie.
Egal, ob es im Lager ist, an der Kasse oder in anderen Situationen, entweder steht Geschäftsführer Frank Rehmers den beiden zur Seite oder die Kolleginnen. „Man hilft sich gegenseitig und tauscht sich aus“, berichten sie. Da wäre beispielsweise eine Kollegin, fast 80 Jahre alt. Die wüsste dann, wozu man den beiden Mädchen völlig unbekannte Dinge aus dem Haushalt benutzen könnte. Und die beiden sind für die Älteren da, wenn es um moderne Medien und Geräte geht. „Es ist ein gutes System“, meinen beide.
Beide haben aus den unterschiedlichen Beweggründen beim Sozialkaufhaus in Winsen angefangen, haben ihre Entscheidung beide nicht davon abhängig gemacht, ob es eine Stelle für das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) ist, oder eine des BFD. Beiden war die Aufgabe wichtig und nach einem Probetag war für beide klar: „Das ist es!“
Natürlich spielt auch für beide eine Rolle, dass ihr Engagement ihnen Erfahrungen fürs Leben beschert. Eine Situation wäre besonders aufregend gewesen, erzählt Helena. „Da wollte mich jemand an der Kasse betrügen und ich wusste nicht, wie ich mich verhalten sollte. Es war schwierig, aber ich bin klar gekommen. Und das sind ganz neue Herausforderungen, die man nicht so schnell vergessen wird“, sagt sie.
Bis Ende Juli sind die beiden noch im Laden, im Lager und an der Kasse. Erst danach könnten sie richtig beurteilen, wie die Zeit sie geprägt hat, welche Fertigkeiten, Kompetenzen und Erkenntnisse sie für sich selber daraus mitnehmen.
Danach kann Geschäftsführer Frank Rehmers wieder zwei Bufdi-Stellen anbieten. Neben dem Taschen- und Verpflegungsgeld sind die Bufdis sozialversichert, haben Urlaubsanspruch und das freiwillige Jahr zählt als Wartezeit auf einen Studienplatz. Im Unterschied zum FSJ sind hier Menschen jeden Alters willkommen. Mit dem qualifizierten Zeugnis, das es zum Abschluss gibt, erhöhen sich nicht nur für Schüler und Studenten möglicherweise die Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
„Wir haben hier bisher sehr gute Erfahrungen mit unseren Bufdis gemacht“, sagt Frank Rehmers. „Der Austausch zwischen den Generationen, dazu der Kontakt zu vielen unterschiedlichen Menschen aus bis zu einem Dutzend Nationen prägt alle, aber vor allem die jungen Leute“.