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So geht Integration: "Man muss auch einfach mal machen"

In der Backstube: (v. re.) Varfley, Max Soetebier und Semiallah
 
Frank Soetebier

Winsener Traditionsbäckerei "Soetebier" beschäftigt vier Flüchtlinge und bildet sie zu Bäckern aus

bs. Winsen. Es ist hektisch in der Backstube in Scharmbeck, die Öfen glühen und jeder Handgriff sitzt. Die Arbeitsabläufe sind eng getaktet, alle Mitarbeiter wissen genau, was sie zu tun haben. Inmitten der erfahrenen Angestellten arbeiten Varfley aus Liberia und Semiallah aus Afghanistan. Die beiden jungen Männer sind seit gut einem Jahr Teil des 180-köpfigen Mitarbeiter-Teams bei „Soetebier“, der Winsener Traditionsbäckerei mit Hauptsitz in Scharmbeck. Neben ihnen beschäftigt Geschäftsführer Frank Soetebier zurzeit noch zwei weitere Flüchtlinge aus Eritrea und Afghanistan.
Und er beschäftigt sie nicht nur, er bildet sie aus. „Drei der Männer durchlaufen aktuell die Regelausbildung zum Bäcker. Die Jungs lernen, wie alle anderen Auszubildenden auch, drei Jahre lang und legen danach ihre Prüfung ab“, erzählt Soetebier, der sich bereits seit Anfang 2015 mit der Thematik beschäftigt. „Wenn es um Inte­gration geht, ist der Arbeitsmarkt einfach die optimale Möglichkeit. Und wir brauchen diese Jungs, es fehlen uns einfach die Fachkräfte“, erzählt der Geschäftsmann weiter.
Als eines der ersten Unternehmen im Landkreis Harburg stellte Soetebier vor gut eineinhalb Jahren den ersten Flüchtling ein und übernahm früh Vorbildfunktion. Gleichzeitig kamen damit aber auch gewisse Risiken auf ihn zu. Aufenthaltserlaubnis, Arbeitserlaubnis, Bleiberecht, alles Themen, mit denen sich der Geschäftsmann im Vorwege erst einmal selbst vertraut machen musste. „Und dann muss man halt irgendwann auch einfach mal machen. Der Rest ergibt sich. Und dank der guten Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Landkreis, ließen sich tatsächlich viele Probleme recht unkompliziert lösen“, berichtet Soetebier.
Sprachlich, erzählt er weiter, ergäben sich aber nach wie vor große Schwierigkeiten. So stünden viele staatliche Leistungen wie „Ausbildungsbegleitende Hilfen“ den Flüchtlingen nicht zu, obwohl genau diese Form der Unterstützung dringend benötigt wird. „Viele sind in der Praxis top, sprechen aber kaum Deutsch. Das macht in der Berufsschule riesige Probleme. Gäbe es nicht so viele tolle, ehrenamtliche Helfer, die täglich mit den Jungs ihre Hausaufgaben machen, wäre diese Aufgabe nicht zu stemmen“, so Soetebier. Daneben sind es u.a. Mobilitätsprobleme, einer der angestellten Flüchtlinge kommt täglich mit dem Fahrrad aus Hittfeld nach Scharmbeck, oder die ungeklärte Frage des Aufenthaltes, die den Männern besonders zu schaffen machen. „Wenn ich jemanden einstelle, ergibt sich erstmal automatisch ein Bleiberecht. Ein Flüchtling aber erzählte mir, dass sein Bekannter zurück in sein Heimatland musste und kurz darauf erschossen wurde“, verdeutlicht der Bäckermeister die Situation, in der sich viele der Menschen, die in Deutschland Schutz suchen, befinden.
In der Dorfbäckerei läuft mittlerweile vieles gut, natürlich gab es aber auch hier nicht nur positive Erlebnisse. „Die Kultur ist einfach eine komplett andere. Das mussten alle Beteiligten erst einmal lernen. Vieles war neu, auch für uns natürlich. Wenn aber genug Toleranz auf allen Seiten und die Bereitschaft, Regeln zu akzeptieren, da ist, können alle nur profitieren“, so der Bäckermeister.