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Starker Protest nach gestrichenen Klassenfahrten macht Schule: Winsener Schüler und Lehrer wehren sich gegen Mehrarbeit von Pädagogen

Reger Andrang: Bei der Protestveranstaltung war die Aula des Gymnasiums voll besetzt
ce. Winsen. "Aktionen, die sich gegen uns richten, müssen wir mit Reaktionen beantworten." Darin waren sich die rund 800 Schüler des Winsener Luhe-Gymnasiums und ihre Lehrer bei einer Protestveranstaltung am Donnerstag einig. Anlass war die von der Niedersächsischen Landesregierung geplante Erhöhung der Arbeitszeit für Gymnasiallehrer. Diese wehren sich dagegen in Winsen und anderen Orten mit einer vorläufigen Streichung von Arbeitsgemeinschaften, künftigen Klassenreisen und anderen unbezahlten Zusatzleistungen zum Unterricht.
Hintergrund: Im kürzlich beschlossenen Entwurf zur Änderung der Arbeitszeit von Beamten an öffentlichen Schulen sieht die Landesregierung unter anderem eine Aufstockung der wöchentlichen Unterrichtsstunden für Lehrer an Gymnasien von 23,5 auf 24,5 bei gleichzeitiger Reduzierung von Neueinstellungen vor. Das so gesparte Geld soll in Ganztagsschulen, Inklusion und frühkindliche Bildung investiert werden. Endgültig verabschiedet werden soll der neue Erlass bei der Anhörung im Kabinett in Hannover am 20. März.
"Der von uns organisierte Protest unterstützt die Anliegen der Lehrkräfte, denn wir wollen auf Klassenfahrten und AGs nicht verzichten", betonte Zehntklässlerin Jule Kleinschmidt (16) von der Schülervertretung. Ein Schüler schlug vor, die den Lehrern zusätzlich aufgezwungenen Unterrichtsstunden auf die Klassenfahrten anrechnen zu lassen. "Auf diese Idee sind wir noch nicht gekommen. Wir werden sie ans Kultusministerium weiterleiten, das darüber entscheiden muss", sagte Lehrerin Dr. Christine Bendrath.
"Wir möchten keine AGs ausfallen lassen, aber die Regierung lässt uns kaum eine andere Wahl", räumte Personalratschef Erwin Henninger ein. Er kritisierte, dass die fehlenden Gelder für Bildungsinvestitionen zulasten der Gymnasien reingeholt werden sollten.
Die Mehrarbeit im Unterricht sah auch Schulleiter Michael Kiselowa "in höchstem Maße kritisch". "Die Lehrer haben weniger Zeit für Verwaltungsaufgaben und Unterrichtsvorbereitung. Das ist auf Dauer kein haltbarer Zustand", sagte er.
Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, verteilte die Schülervertretung schließlich Zettel mit dem Appell "Nein zur Mehrarbeit und Nein zur Klassenfahrtstreichung", die die Schüler unterschreiben konnten. Viele Jungen und Mädchen machten mit. Die Zettel werden nun ans Kultusministerium geschickt. Jule Kleinschmidt: "Wir hoffen sehr, dass wir in Hannover noch etwas bewegen können!"