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Theologe plädiert beim Kirchenkreis-Empfang in Winsen für Annäherung von Christen und Muslimen

Begrüßung der Referenten (v. li.): Christian Berndt, Prof. Dr. Werner Kahl und Dirk Jäger
ce. Winsen. "Ich möchte Christen und Muslime dazu herausfordern, einander nicht als Angehörige fremder Religionen zu sehen, sondern die jeweils anderen ernst zu nehmen als Verwandte derselben monotheistischen Glaubensfamilie." Das betonte Prof. Dr. Werner Kahl (53) von der Missionsakademie der Universität Hamburg jetzt in der Winsener St. Marien-Kirche. Kahl war Festredner beim Neujahrsempfang der Kirchenkreise Hittfeld und Winsen und referierte über "Herausforderungen und Möglichkeiten im interreligiösen Gespräch zwischen Christen und Muslimen". Rund 200 Gäste waren der Einladung der Superintendenten der Kirchenkreise, Dirk Jäger und Christian Berndt, gefolgt.
Auch im Landkreis Harburg gebe es - so Berndt zum Anlass des Vortrages - einen bunten religiösen Mix bei der Arbeit mit und für Flüchtlinge. "Mehr als ein Dutzend 'Internationale Cafés' laden zur Begegnung ein, und bei Gemeindefesten feiern wir über religiöse Grenzen hinweg."
"'Koran' ist arabisch und bedeutet 'das zu Rezitierende'", übersetzte Werner Kahl den Titel der Heiligen Schrift des Islam. "'Muslim' steht für 'derjenige, der sich Gott hingibt'. 'Allah' steht für Gott, und zwar für den der Juden, Christen und Muslime. 'Islam' heißt 'die Hingabe Gott gegenüber'", erörterte der Pastor und Wissenschaftler weiter. "Wenn wir den Koran so übersetzt lesen, erscheint er uns von der Bibel gar nicht so weit entfernt."
Kahl räumte ein, dass es im Koran einige Gewaltaufrufe gebe. Diese bezögen sich jedoch auf kriegerische Auseinandersetzungen zum Zeitpunkt der Schriftentstehung, die inzwischen viele Jahrhunderte zurückliege. Die Aufrufe müssten im historischen Kontext gesehen und dürften nicht einfach in die Gegenwart übertragen werden. "Koran und Islam, Bibel und Christentum dürfen nicht auf solche Gewaltäußerungen reduziert werden. Wir dürfen uns von islamistischen Terroristen unsere Lesart des Korans nicht vorschreiben lassen", mahnte Werner Kahl.
Als markante Unterschiede der Schriften zeigte er auf, dass der Koran "das im eigentlichen Sinne verschriftlichte Wort Gottes" sei, während es sich bei der Bibel um "mannigfaltige Erinnerungen und Reflexionen über Jesus Christus als Inkarnation des Wortes Gottes" handele.
Wichtig für die Zukunft sei, dass Christen und Muslime verstärkt miteinander in Beziehung treten und eine "gemeinsame Kultur der kritischen Würdigung von Differenzen" pflegen. Dafür bedürfe es auch der Unterstützung durch Politik und zuständige Behörden. "Wir stehen gemeinsam in der Verantwortung der Gestaltung friedlicher sozialer Räume", lautete Werner Kahls Appell.