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Unterstützung für Retter

Dr. Michael Herrmann
 
Dr. Michael Herrmann bei der Bekämpfung eines Waldbrandes Fotos: Herrmann/thl

Der Verein "ForestFireWatch" hat sich den Kampf gegen Waldbrände auf die Fahnen geschrieben

(thl). Michael Herrmann ist vier Jahre alt, als im August 1975 im Wendland eines der größten Feuerinfernos in der Geschichte Deutschlands ausbricht und rund 12.000 Hektar Wald- und Heideland vernichtet werden. Der Knirps, damals noch im Wendland zu Hause, ist fasziniert von den Feuerwehrautos und Bergepanzern, die an seinem Elternhaus vorbei der Feuerfront entgegen fahren.
Diese Kindheitserinnerungen haben den heute 46-Jährigen geprägt. "Ich habe eine besondere Affinität zur Waldbrandbekämpfung entwickelt", erklärt der Jurist, der Richter am Winsener Amtsgericht ist. Mehr als 23 Jahre war Herrmann ehrenamtliches Mitglied im THW-Ortsverband Lüchow-Dannenberg, gründete seinerzeit die "Suewa" (Schnelle Unterstützungs-Einheit Waldbrand) und führte diese auch. Unter anderem waren die Mitglieder bei Waldbränden in Portugal eingesetzt (das WOCHENBLATT berichtete).
Seit seinem Ausscheiden dort engagiert sich Dr. Michael Herrmann in einer Feuerwehr der Samtgemeinde Bardowick und hat vor einem Jahr den Verein "ForestFireWatch" gegründet, dessen Vorsitzender er auch ist. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, in den Landkreisen Harburg, Lüneburg und Lüchow-Dannenberg Waldbrände zu verhindern oder in der Entstehung einzudämmen. "Ich kann mir Patrouillendienste unserer Vereinsmitglieder in gefährdeten Gebieten vorstellen. Als Ergänzung zu den bisherigen Überwachungen durch die Feuerwehr", sagt Michael Herrmann. Ausgerüstet mit Pick-up-Fahrzeugen, die mit Wassertanks und Feuerpatschen ausgestattet sind, könne man die zeitliche Lücke bis zum Eintreffen der Löschkräfte füllen. "In vielen EU-Ländern in Süd-Europa funktionieren diese Patrouillendienste auch", weiß Herrmann aus Erfahrung. Deswegen habe der Verein auch schon Kontakte mit den zuständigen Behörden aufgenommen.
Bislang zählt "ForestFireWatch" nur 20 Mitglieder. Doch diese wissen, wovon sie sprechen. "Wir sind alles aktive Feuerwehrleute oder Forstangehörige, die sich mit Waldbrandprävention beschäftigen, sich darin weiterbilden und dieses Wissen an Dritte, wie z.B. Waldeigentümer oder Feuerwehr, weitergeben", erklärt der Vorsitzende. Dabei wolle man nicht anmaßend sein. "Aber wir haben ein veränderte Gefahrenlage. Klimaforscher warnen vor langen Trockenheitsperioden schon in naher Zukunft", weiß der 46-Jährige. In den vergangenen Jahren standen immer mehr die Hochwassereinsätze oder technische Hilfeleistungen bei den Feuerwehren im Fokus. Seine Sorge: Dass dabei die Waldbrandbekämpfung in den Hintergrund rückt. "Das wäre fatal."
Ein weiteres Problem ist aus Herrmanns Sicht der demographische Wandel. "Viele Feuerwehren im ländlichen Raum bekommen im Notfall kaum noch Einsatzkräfte zusammen", weiß der Jurist. Zwar hätten die Forstleute mit dem tadellos funktionierenden "Automatisierten Waldbrand-Früherkennungs-System", mit dem 3.500 Quadratkilometer Wald überwacht wird, bereits aufgerüstet. Doch das allein reiche nicht aus. "Ist ein Waldbrand entdeckt, muss er auch schnell bekämpft werden, möglichst schon in der Entstehungsphase", so Herrmann weiter. Nur so könne ein Inferno, wie es sich 1975 im Wendland abgespielt hat, verhindert werden.
• Mehr Infos zum Verein und wie sich Interessierte engagieren können unter www.forestfirewatch.de.