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Viele Lasermessungen sind ungültig

Auch in diesem Lasertower in Elstorf sind "PoliScan Speed"- Geräte installiert (Foto: archiv)
(thl). Weihnachtsgeschenk für einige Verkehrssünder: Nach einem Urteil des Amtsgerichtes Mannheim (21 OWi – 509 Js 35740/15) sind Radarmessungen mit dem Gerät "Vitronic PoliScan Speed“ oftmals ungültig. Dieses Gerät wird auch vom Landkreis Harburg eingesetzt. "Vorwiegend zur Erfassung von Rotlichtverstößen, aber auch zur Geschwindigkeitsmessung", bestätigt Kreissprecher Johannes Freudewald.
In dem Verfahren analysierte ein Sachverständiger im Auftrag des Gerichtes, welche Rohdaten für die Erstellung des Messwertes einbezogen wurden. Laut Nennbetriebsbestimmungen der PTB Bauartzulassung dürfen nämlich nur bestimmte Rohdaten dazu verwendet werden. Dadurch ist das Messfeld, in welchem Objektpunkte des Fahrzeugs aufgenommen werden können, klar vorgegeben. Werden Messdaten durch den "PoliScan Speed" erzeugt, sollen diese von einem Algorithmus verarbeitet werden, der die Objektpunkte außerhalb des zugelassenen Bereichs automatisch herausgefiltert. Durch das Gutachten des Sachverständigen konnte allerdings nachgewiesen werden, dass die Messungen nicht den Vorgaben der PTB entsprechen.
Diese sehen nämlich vor, dass nur Messwerte in das Ergebnis einfließen, bei welchen der Abstand zwischen Fahrzeug und Gerät 50 bis 20 Meter beträgt. Die Vorgabe gilt für alle möglichen Objektpunkte. Der Sachverständige stellte allerdings deutliche Abweichungen fest: In 53 Prozent der Messungen wurden die 20 Meter Mindestabstand unterschritten. Das bedeutet, dass auch Objektpunkte außerhalb des Messbereichs in das Ergebnis einbezogen werden, was nicht den Nennbetriebsbedingungen entspricht.
Anwälte raten Autofahrern bereits dazu, Bußgeldbescheiden, die auf Messungen mit dem "PoliScan Speed" beruhen, zunächst einmal zu widersprechen und die Messungen prüfen zu lassen.
Für den Landkreis Harburg ist das trotzdem kein Grund zur Aufregung. "Uns liegt eine Stellungnahme des Herstellers mit Verweis auf die Prüfkriterien der Physikalisch Technischen Bundesanstalt PTB vor, die die Einschätzung des gerichtlich eingesetzten Sachverständigen nicht teilt, sondern betont, dass die Messgeräte in allen bisherigen Prüfungen der Norm entsprechen", so Freudewald. "Wir sind auf die Angaben der PTB angewiesen, so dass das Urteil für uns keine akute Veranlassung gibt, die Geräte nicht mehr einzusetzen." Fragt sich nur, wie lange noch.