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"Wir fühlen uns nicht wertgeschätzt": Schulsozialarbeiter Peter Receveur über seine Tätigkeit und unsichere Zukunftsperspektiven

Auch das gehört zur Arbeit des Schulsozialarbeiters: Peter Receveur mit einem "Bewerbungs-Knigge" zur Berufsvorbereitung
ce. Salzhausen. Schüler, Eltern und Kommunalpolitiker - alle fordern den Erhalt der Schulsozialarbeit, deren künftige Finanzierung durch den Landkreis Harburg und/oder das Land Niedersachsen derzeit auf etwas wackeligen Füßen steht. Der Schulausschuss des Kreises empfahl kürzlich eine Brückenfinanzierung bis Ende 2017 (das WOCHENBLATT berichtete). Aber was denken betroffene Arbeitskräfte über die Situation. WOCHENBLATT-Redakteur Christoph Ehlermann sprach mit Peter Receveur (49), Sozialarbeiter an der Oberschule in Salzhausen, über seine Tätigkeit und die Stimmungslage angesichts ungewisser Zukunftsperspektiven.
WOCHENBLATT: Herr Receveur, sie sind seit 2008 als Schulsozialarbeiter beschäftigt und "zuständig" für rund 450 Fünft- bis Zehntklässler. Welche Aufgaben haben Sie?
Peter Receveur: Mein Aufgabenfeld ist breit gestreut. Dazu gehört die Berufsorientierung sowohl im Einzelcoaching als auch durch Projekte in Klassenverbänden. Erst vor wenigen Tagen habe ich mit den Schülern einen "Bewerbungs-Knigge" erstellt. Ein weiterer Bereich ist die Organisation und Begleitung von Angeboten zur Sucht- und Gewaltprävention, bei denen die Teilnahme der Schüler auf Freiwilligkeit beruht. Darüber hinaus bin ich zuständig für die Begleitung der an der Schule aktiven Streitschlichter, der sogenannten "Konfliktscouts, und für die Ausbildung neuer Schlichter in Arbeitsgemeinschaften.
WOCHENBLATT: Wie ist die Resonanz?
Receveur: Die Angebote werden gut angenommen. Auch die Eltern sind zur Mitarbeit bereit. Eine gute Entwicklung von Kindern ist nur möglich, wenn Schule und Eltern kooperieren.
WOCHENBLATT: Wenn Sie Ihre Anfänge hier und die Gegenwart vergleichen - haben sich die Arbeitsschwerpunkte verändert?
Receveur: Die mediale Sucht hat bei der Präventionsarbeit zugenommen. Es ist oft schwierig, auf diesem Gebiet bei den Kindern und Jugendlichen Konsumkompetenz zu schaffen, da der Umgang mit Medien von den Eltern nicht immer optimal vorgelebt wird.
WOCHENBLATT: Wie sehen Sie die derzeitige Debatte um den Erhalt der Schulsozialarbeit?
Receveur: Ich bin vor acht Jahren ursprünglich hergekommen über ein Landesprojekt zur Profilierung von Hauptschulen, wozu dieses Haus damals noch gehörte. Seitdem ist der Landkreis als Schulträger mein Arbeitgeber. Zum 1. Januar 2017 plant die Landesregierung, ein neues Konzept zur sozialen Arbeit in schulischer Verantwortung umzusetzen. Wie das Konzept aussehen soll und ob dann alle Schulsozialarbeiter beim Land angestellt sind, weiß derzeit niemand.
WOCHENBLATT: Das sind eher trübe Aussichten.
Receveur: Schon vor zwei Jahren war ich mit zwei Kollegen aus dem Landkreis bei Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt und habe auf die Wichtigkeit der Schulsozialarbeit hingewiesen. Aufgrund des Hin und Her und der Ungewissheit fühlen wir uns und unsere Arbeit von der Landesregierung nicht wertgeschätzt.
WOCHENBLATT: Was macht die Schulsozialarbeit in Ihren Augen unverzichtbar?
Receveur: Sie ist notwendig, um Schüler fit zu machen für die Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins und Selbstvertrauens. Das ist auch das zentrale Anliegen meiner Tätigkeit.
WOCHENBLATT: Herr Receveur, vielen Dank für das Gespräch.