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Sind Winsens Radfahrer wirklich alle kriminell? - Verwaltung und politische Mehrheit stellen sich gegen Ratsbeschluss

Bernd Meyer ist sauer über die Entscheidung (Foto: archiv/thl)
thl. Winsen. Fahrradfahrer, die ihr Rad ab und zu im neuen Fahrradparkhaus am Bahnhof abstellen wollen, haben weiterhin das Nachsehen. Obwohl der Stadtrat im Oktober 2016 beschlossen hatte, sowohl für Pkw als auch für Fahrräder eine tageweise Abstellmöglichkeit einzurichten, hatte die Stadt diesen Beschluss bis heute nicht umgesetzt und bekam dafür bereits heftige Kritik (das WOCHENBLATT berichtete). Trotzdem hat der Verwaltungsausschuss jetzt mehrheitlich nicht nur der vom Bau- und Verkehrsausschuss empfohlenen Prüfung, mit welchem Aufwand Tageseinstellmöglichkeiten realisiert werden können, sondern auch dem grundsätzlichen Anliegen eine Absage abgeteilt. Und dabei gleich noch die Winsener Radfahrer als hoch-kriminell abgestempelt.
Lediglich die Gruppe Grüne/Linke und die SPD unterstützten die Bauausschuss-Empfehlung. "Wir haben der Verwaltung sogar noch eine 'goldene Brücke' gebaut und vorgeschlagen, lediglich einen Bereich des Fahrrad-Parkhauses anzugrenzen und dort Tageseinstellmöglichkeiten zu schaffen, um Kosten zu sparen", so Bernd Meyer, Sprecher der Gruppe Grüne/Linke. Mit gutem Grund: Denn die Kommunen werben immer mehr dafür, dass Pendler auf die Bahn umsteigen. Die "Neukunden" oder Gelegenheitsfahrer verfügen aber meist über hochwertige Fahrräder, die sie verständlicherweise aus Angst vor Vandalismus oder Diebstahl nicht offen am Bahnhof stehen lassen wollen. Finden sie nun keine geeigneten Parkmöglichkeiten für ihr Rad, werden sie wohl kaum auf die Bahn umsteigen.
Angesprochen auf den Ratsbeschluss räumte Bürgermeister André Wiese (CDU) ein, dass die Stadt dort wohl einen Fehler gemacht habe. Dazu unterstellte die Verwaltung den Winsener Radfahrern eine hohe kriminelle Energie. Man könne nicht ausschließen, dass ein Tageskartennutzer noch andere Radfahrer in das Parkhaus lasse, die dieses dann kostenfrei nutzen würden. Besonders hanebüchen: Würden diese "Schwarz-Parker" ihr Rad dann wieder abholen wollen, würden sie sich erneut andere Radfahrer suchen, um ihre Räder wieder aus dem Parkahus heraus zu bekommen - bei Parkkosten von einem Euro pro Tag.
"Ich glaube, dass André Wiese sich irgendwie herausreden will", vermutet Bernd Meyer. Für ihn sei Fakt, dass sich Verwaltung und politische Mehrheit gegen einen Ratsbeschluss gestellt haben. "Deswegen überlegen wir derzeit, die Sache der Kommunalaufsicht vorzulegen", so Meyer.