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Training für den großen Traum - Rolli-Fahrer Jannes Günther will zu den Paralympics

Nahezu täglich trainiert Jannes in seinem Schnellfahrstuhl für seine Wettkämpfe (Foto: DRK Salfner)
thl. Ashausen. Ein leises Surren, unterbrochen von Werkzeuggeklapper, ist vom Grundstück der Familie Günther in Ashausen hören. Grund: Vater Marc und Sohn Jannes (14) sind mit den letzten Feinabstimmungen der Trainingsrolle für den Rennrollstuhl beschäftigt. Unter dem neu errichteten Carportdach bekommt Jannes gerade ein neues Trainingsrevier: Sein Rennrollstuhl (unter Profis nur Schnellfahrstuhl genannt) wird auf der Metallrolle fixiert, sodass er hier im Trockenen Kilometer auf der Stelle machen kann.
Der Schüler ist von Geburt an querschnittsgelähmt. Doch sich dem Schicksal wehrlos ergeben, wollten weder Jannes noch seine Eltern. Schon mit drei Jahren brachten ihm Manja und Marc Günther den Rollstuhlsport nahe und besuchten entsprechende Kindergruppen in Hamburg.
Vor vier Jahren kam der entscheidende Durchbruch: Auf einem Schnupperlehrgang der deutschen Nationaltrainer des Schnellfahrstuhlsports in Büsum entdeckte Jannes den Sport für sich und die Trainer sein Talent. "Ich mag die Geschwindigkeit und dass ich mich mit anderen messen kann", sagt der sympathische Junge. Dass er großes Talent hat und trotz seines jungen Alters mit den Großen mithalten kann, behält er dabei für sich. Und so gehört es für Jannes inzwischen fast wie selbstverständlich dazu, dass er jedes Jahr bei namhaften Wettkämpfen oder Leichtathletik-Meetings wie dem ISTAF-Treffen startet: teils in Show-Wettrennen, teils in richtigen Wettkämpfen. Dort tritt er üblicherweise gegen viel ältere Sportler an, denn in Norddeutschland ist er der einzige Schnellfahrstuhlsportler in seiner Altersgruppe U18.
Seine Paradedisziplinen sind Rennen über 100, 200, 400 und 800 Meter. Langsam tastet er sich aber auch an die Langstrecke und vielleicht eines Tages an die Marathonstrecke heran.
Das nächste Ziel für Jannes ist jetzt Nottwil bei Luzern in der Schweiz am Sonntag, 13. August. Dort werden jedes Jahr die internationalen Junioren-Meisterschaften ausgetragen und wegen der optimalen Bedingungen im dortigen Stadion meist Bestzeiten erzielt, die die Sportler für ihre Qualifikation für Weltmeisterschaften und Paralympics brauchen. Zum ersten Mal wird Jannes hier die Chance haben, gegen Sportler seines Alters anzutreten.
"Nottwil ist der Wettkampf schlechthin", berichtet Vater Marc. "Jannes wurde immer gefragt, ob er dort nicht auch mal starten wolle." Aber bisher fehlten der Familie dafür die nötigen finanziellen Mittel: "Allein an Startgebühr fallen etwa 100 Euro an, zusätzlich die Kosten für die Fahrt und Übernachtung in der Schweiz. Das war einfach zu viel, gerade auch jetzt, wo wir unser neues, endlich barrierefreies Zuhause gebaut haben", erklärt Mutter Manja.
Gut, dass Familie Günther mit dem DRK-Ortsverein Ashausen/Scharmbeck ins Gespräch kam. Der DRK-Ortsverein steht schon länger in Kontakt mit der Familie, half bereits vor einigen Jahren finanziell, als Jannes seine Begleithündin Linda bekam, die ihm heute eine große seelische und praktische Stütze im Alltag ist. Jetzt spendete der DRK-Ortsverein die Summe von 500 Euro und ermöglicht Jannes und seiner Familie damit die Teilnahme am Wettkampf in Nottwil.
Erst Nottwil, dann Paralympics 2020 in Tokio? Gar keine unrealistische Einschätzung, sagen Jannes‘ Trainer. Als Mitglied im niedersächsischen Landeskader hatte sich Jannes für den Perspektivkader "Go for Tokyo 2020" beworben und wurde gerade dafür nominiert. Damit wird er künftig deutschlandweit mit weiteren neun Behindertensportlern zielgerichtet für die Paralympics trainieren.