Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Was läuft da beim TSV?

In der Kritik: Peter Rohde
Mitgliederversammlung des Winsener Sportvereins - Liegenschaftswart Peter Rohde schwer in der Kritik

bs.Winsen. Ein bitterer Nachgeschmack bleibt: Bei der Jahreshauptversammlung des TSV Winsen erhitzten sich die Gemüter zahlreicher Mitglieder. Grund des Grolls: Die Winsener Sport- und Dienstleistungs-GmbH (WiSpo). Inhaber ist Vorstandsmitglied und Liegenschaftswart Peter Rohde, dessen genaue Geschäftsbeziehung es auf Antrag mehrerer Mitglieder an diesem Abend zu klären galt.
„Es kann nicht sein kann, dass Peter als Amtsträger gleichzeitig Inhaber einer Firma ist und damit quasi Aufträge an sich selber vergibt“, sagte Andreas Etzien, der sich als Gegenkandidat um den Posten des Liegenschaftswartes bewarb.
Bereits seit 2006 besteht eine geschäftliche Beziehung zwischen dem TSV Winsen und der WiSpo. Zahlungen seien ab 2009 an die Firma geflossen: Knapp 99.000 Euro seien während des 2,5 Jahre dauernden und knapp 6 Millionen teuren Jahnplatz-Bauprojektes an Peter Rohde gegangen, der zusammen mit einem Architekten die Arbeiten überwachte. „Ich habe weit mehr als 1.400 Stunden mit der Planung und Durchführung dieses Baus verbracht“, begründete Rohde die Summe. 25 Euro Stundenlohn ist ihm vom Verein dafür zugesprochen worden, das sei für einen Fachmann nicht viel. „Außerdem“, so Rohde, „verfügt der TSV nach dem Umbau über rund 1,7 Millionen Euro an Grundstücksvermögen. Nun müsst ihr entscheiden, ob das gut oder schlecht gelaufen ist“, verteidigte er sich.
Aber auch die weiteren vom TSV mit der Firma WiSpo geschlossenen Verträge warfen Fragen auf. So verwaltet die Firma die Werbemittel des Vereins, erhält von jedem Auftrag 30 Prozent. Zusätzlich war die WiSpo seit Oktober 2010 auch vertraglich mit der Verwaltung der TSV-Liegenschaften beauftragt, monatliche Gehaltszahlungen an Rohde in Höhe von 2.000 Euro inklusive. Abgeschlossen wurden diese Verträge vom vorherigen TSV-Vorstand um den damaligen Vorsitzenden Klaus Bürger. Dieser soll es auch gewesen sein, der damals auf Rohde zukam, um ihn mit den Aufgaben zu betrauen. Vom heutigen Vorstand wird das anders gesehen: „Dass der Liegenschaftswart gleichzeitig Geschäftspartner war, führte zu Abstimmungsschwierigkeiten.
Außerdem war die finanzielle Lage des Vereins schlecht. Wir hatten daher entschlossen, diesen Vertrag vorzeitig aufzulösen“, so Schatzmeisters Jürgen Laumann. Ende vom Lied: 20.000 Euro Abfindung flossen im Mai 2012 an die Firma WiSpo, womit der Verein „ja immerhin noch 25.000 Euro Gehaltszahlungen bis zum Ende des ursprünglichen Vertrages eingespart hat“, so Laumann.
Eine Abfindung als Auslöser für einen Vertrag, der eine ursprünglich als Ehrenamt übernommene Tätigkeit entlohnt? „Man muss die Summen im Verhältnis betrachten“, forderte Peter Rohde. „Trotzdem stellt sich die Frage: Macht man das als ‚Sportsfreund‘? Und warum sind diese Informationen bisher nicht an die Öffentlichkeit beziehungsweise mindestens an alle Mitglieder gelangt?“, so ein TSV-Mitglied.
Dennoch: Mit 110 Stimmen wurde Peter Rohde als Liegenschaftswart wieder gewählt, 43 fielen auf Andreas Etzien. Was bleibt, sind offene Fragen und viel Unmut: „Ich fühle mich veräppelt, ich komme zur Versammlung und erfahre von Geschäftsbeziehungen von denen ich bisher noch nie etwas gehört habe“, raunte es aus den Reihen.
Auf Anfrage des WOCHENBLATT heißt es: „Es wurden damals keine weiteren Bauträger-Angebote eingeholt. Nur die Stadt hat für die Prüfung der Gewerke Sachverständige eingesetzt“, sagt Vorsitzende Dagmar Luhmann. Die Arbeit von Peter Rohde umfassten diese Prüfungen aber nicht. Abschließend räumt Luhmann ein: „Warum der Verein damals diese Informationen nicht unter den Mitgliedern verstreut hat, weiß ich nicht.“