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Arbeiten nach höchsten Standards

Beate Hinrichs (li.) und Thies Lagner befüllen konzentriert Schalen mit Ingwer (Foto: oh)
 
Beate Hinrichs reinigt die Schälchen von Ingwer-Resten, die beim Befüllen hängen geblieben sind (Foto: oh)

Das WOCHENBLATT zu Besuch in der Produktionshalle der Lebenshilfe-Werkstätten

thl. Winsen. Leise Musik sorgt für eine angenehme Arbeitsatmosphäre und stört die Konzentration der Frauen und Männer nicht, die ihre Aufgabe routiniert und gewissenhaft erledigen. Jeder Handgriff sitzt. In der Werkstatt für behinderte Menschen in Winsen der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg füllen Mitarbeiter in Rohrzuckersirup zubereitete Ingwerwürfel mit Löffeln in 250 Gramm Schälchen, die vom Reformkontor in Zarrentin in Mecklenburg-Vorpommern bundesweit als „Fidschi Ingwer Goldstücke“ vertrieben werden.
„Wir sind einzigartig“, sagt Produktionsleiterin Monika Wester. „Weil wir in Deutschland eine der wenigen Werkstätten für behinderte Menschen sind, die nach dem International Food Standard IFS zertifiziert wurde.“ Der IFS mit seinen strengen Richtlinien kommt dort zum Einsatz, wo Produkte verarbeitet werden, so dass für den Verbraucher keine Gefahr einer Verunreinigung oder Veränderung des Produktes besteht.
Der Weg in die Produktionshalle führt durch eine Schleuse, in der vorgeschriebene Schutzkleidung angelegt werden muss. Auch das gründliche Händewaschen gehört dazu. „Bei uns herrscht ein sehr hoher Hygiene-Standard, der vergleichbar ist mit dem in Unternehmen, die Nahrungsmittel herstellen“, sagt Fachabteilungsleiter Peter Rathje. Entsprechen hoch seien auch die Anforderungen an die Mitarbeiter. Wer unter allergischem Niesen leidet, wird nicht eingesetzt. Und auch Magen-Darm-Erkrankungen müssen sofort gemeldet werden.
In der Produktion geht ruhig zu. Beate Hinrichs nimmt sich Zeit, wiegt eine der Schalen, die zuvor Thies Langner gefüllt hat, streicht die Würfel glatt, kontrolliert und säubert die Verpackung von Sirupspuren mit einem Tuch und stellt sie anschließend auf ein großes Tablett. Sobald 14 Schalen aneinandergereiht auf diesem stehen, holt sich Leo Fink die Ladung und bringt sie zu Sascha Kolodziej. Er bedient die sogenannte Schrumpfmaschine, die die Schalen mit Folie verschließt.
Per Laufband erreichen sie als nächstes Agnes Tiedemann. Sie kontrolliert die fertigen Füllschalen und klebt Etiketten mit dem Produktnamen sowie einen Informationsaufkleber auf die Folie. Das Mindesthaltbarkeitsdatum wurde schon vorher auf die Füllschale geklebt. Danach ist Kai Beckmann an der Reihe, der die etikettierte Ware in Kartons verpackt und sie dann auf einer Palette stapelt. Die Ingwerwürfel sind fertig für die Auslieferung.
„Alles steht unter ständiger Kontrolle. Denn unabhängige Auditoren dürfen jederzeit ins Haus kommen und unsere Arbeitsmethoden und Produktionsprozesse prüfen“, so Monika Wester. Die Lebenshilfe will dauerhaft den hohen Standard halten, daher setzt sie alles daran, um auch weiterhin in der höchsten Liga mitspielen zu dürfen. Immerhin bekam die Werkstatt bei der jüngsten IFS-Zertifizierung 96 Prozent der maximal möglichen Punktzahl. Ein Traumergebnis.
„Wir dokumentieren alles und können die Historie jeder einzelnen Schale Ingwerwürfel nachvollziehen, wissen wann und durch wen sie gefüllt und etikettiert wurde“, so Rathje. Und das bei einer Produktionsmenge von rund 225 000 Schalen im Jahr mit einem Gesamtgewicht von 58 Tonnen. „Würde man die Schalen hintereinander legen, ergäbe das eine Länge von 40,5 Kilometern, die Strecke von Winsen nach Hamburg“, hat Peter Rathje ausgerechnet. In den vergangenen Jahren gab es keine Reklamation, weder bei der Verpackung, noch bei der Etikettierung. „Das liegt an der sehr positiven Einstellung unserer Mitarbeiter. Sie sind einfach richtig gut“, lobt er die Werkstattbeschäftigten, die über ein ausgeprägten Wir-Gefühl verfügen. In der Leidenschaft für den Job, der Identifikation mit der Aufgabe, dem Produkt und dem Arbeitsplatz, der Akribie, mit der gearbeitet wird, sieht Monika Wester bestätigt, dass Menschen mit Behinderung in der hochwertigen Lebensmittelverarbeitung nicht überfordert sind.