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Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel referierte in Winsen: "Der Euro hat seine Stärke bewiesen"

Am Rednerpult: Ex-Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel
ce. Winsen. "Niemand soll behaupten, dass der Euro eine schwache Währung ist. Gerade angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheiten in den USA hat er jetzt wieder seine Stärke bewiesen." Das betonte der ehemalige Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel (74) jetzt in der Winsener Stadthalle. Er referierte dort beim 33. Wirtschaftstag der Volksbank Lüneburger Heide eG vor mehr als 650 Gästen über das Thema "Deutschlands und Europas Zukunft".
Im Europäischen Rat hatte Theo Waigel einst die Bezeichnung "Euro" für die 2002 als Barzahlungsmittel eingeführte Währung vorgeschlagen und sich erfolgreich gegen andere Ideen wie "europäischer Franken" oder "ECU" behauptet. "Der Begriff Euro war einigungsfähig und sagte etwas aus", blickte Waigel jetzt zurück.
Derzeit liegt der Euro laut Waigel bei 1,38 - um 20 Cent über seinem Einführungskurs und um 40 Pfennig besser als die D-Mark bei ihrem Abschied. Knapp ein Drittel der weltweiten Währungsreserven seien in Euro angelegt. Europa könne im internationalen Wettbewerb nur mitmischen, wenn es seine Kräfte wirtschaftlich und währungstechnisch bündele. "Ansonsten wäre es hilflos den großen Währungsblöcken ausgeliefert, nämlich dem US-Dollar und dem Renminbi, der chinesischen Währung", mahnte Waigel.
Für Deutschland wäre nach Waigels Ansicht nichts "verhängnisvoller" als eine Spaltung der Währung oder ein Verlassen der Währungsunion. Die Folge wäre eine immense Aufwertung der D-Mark mit fatalen Konsequenzen für die Volkswirtschaft, den Export und den Arbeitsmarkt. Waigel verwies auf Experten-Prognosen, wonach Deutschland ohne Euro bis 2025 mit einem jährlichen Minus von 0,5 Prozent beim Wurtschaftswachstum rechnen müsste. Die Einbußen würden sich auf mehr als 1,3 Billionen Euro belaufen. Deutschland habe die größte Volkswirtschaft und Bevölkerungsdichte unter den Nationen Europas. Es müsse daher auch Verantwortung übernehmen gegenüber anderen, wirtschaftlich nicht so gut gestellten Ländern.
Vor diesem Hintergrund freute sich Waigel über die "beachtliche Übereinstimmung" in den wichtigsten europapolitischen Fragen bei den deutschen Parteien. Diese seien sich einig bei Themen wie Fiskalpakt, Schuldenbremse und der Einrichtung eines Stabilisierungsfonds. Dieser Konsens - so Theo Waigel - erleichtere auch die derzeit laufenden Verhandlungen für eine große Koalition in der Bundesregierung. "Das wird entweder ein Weihnachtsgeschenk oder als Neujahrsauftakt", war Waigel von einem guten Ausgang der Gespräche überzeugt.