Archäologen bearbeiten das Areal "An der Blide"
Beckdorf: "Hotspot" an der Niederelbe

Verfärbungen deuten darauf hin, dass dort mal etwas war: Archäologe Sebastian Düvel (li.) und Kreisarchäologe Daniel Nösler bei den Grabungen am Baugebiet "An der Blide"
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  • Verfärbungen deuten darauf hin, dass dort mal etwas war: Archäologe Sebastian Düvel (li.) und Kreisarchäologe Daniel Nösler bei den Grabungen am Baugebiet "An der Blide"
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ab. Beckdorf. Gerade wird das Beckdorfer Neubaugebiet "An der Blide" erschlossen. Vor den Bauarbeitern sind die Archäologen am Werk. Das WOCHENBLATT besuchte die Grabungen. Für archäologische Funde, sagt Kreisarchäologe Daniel Nösler, sei Beckdorf der "Hotspot" an der Niederelbe.

"Die Entdeckung des langobardischen Fürstengrabes war eine Sensation", so der Kreisarchäologe. Den Funden nach zu schließen, siedelten sich die Langobarden um Christi Geburt herum an der unteren Albe an. Das Grab, gefüllt mit Silber- und Bronzebeigaben, war 1927 durch Zufall gefunden worden, rund 500 Meter vom Baugebiet "An der Blide" entfernt. Vor zehn Jahren sei ein zweites entdeckt worden, mit wertvollen Funden, "die selten für den europäischen Hochadel sind", meint Nösler. 

Der Schneckenberg, die beherrschende Anhöhe des Areals "An der Blide", sei schon immer Siedlungsgebiet gewesen, meint der Kreisarchäologe. Das liege unter anderem an den relativ guten Böden, die eine Besiedlung des Gebietes über Jahrtausende attraktiv gemacht hatten, aber auch an den nahe gelegenen Bächen und Quellen. "Nachdem die Gräber gefunden wurden, suchen wir jetzt nach den Siedlungen."

Leiter der Ausgrabungen ist Sebastian Düvel, Archäologe bei "Archaeofirm - Archäologische Grabungsfirma". Bevor er mit seinem sechsköpfigen Team auf einer Fläche von 3,6 Hektar mit den Grabungen begonnen hatte, gab es geomagnetische Messungen, anhand derer Abweichungen festgestellt werden können. Daniel Nösler erklärt: "Durch jede noch so kleine Feuerstelle ändert sich das Magnetfeld. Durch die Messungen wurde festgelegt, wo in welcher Form gegraben werden muss."
Gefunden wurden unter anderem Pfostenlöcher von Scheunen oder Häusern, viele ca. 2.000 bis 2.500 Jahre alte Scherben, die auf eine frühere Lagerstelle, eine Deponie, hindeuten, die ersten farbigen Kacheln und eine bronzezeitliche Pfeilspitze. Die sei relativ selten, sagt Daniel Nösler, gefertigt vor 2.000 bis 3.000 Jahren. "Das war damals eine metallarme Zeit", ergänzt Düvel. "Darum ist dieser Fund so besonders. Denn eigentlich finden wir nur noch den ,Müll', der damals von den Siedlern zurückgelassen wurde."

Die Grabung am Gebiet "An der Blide" wird zwischen drei und vier Monaten dauern, sagt Sebastian Düvel. Erst werde der Oberboden mit einem Bagger abgetragen, anschließend per Hand mit Schaufeln weitergearbeitet. "Anfang Juli werden wir fertig sein", ist er sicher. "Wir arbeiten vor den Bauarbeiten her, das heißt, wenn wir mit dem Areal fertig sind, ist auch das Gebiet so gut wie erschlossen." Alles laufe sehr gut. "Grabungen müssen richtig geplant werden, wir wollen den Fortschritt ja nicht behindern."

Es handele sich bei diesen Grabungen auch nicht um Forschungsgrabungen, bei denen sehr viel Zeit zur Verfügung stände, sondern um sogenannte Notgrabungen. "Die müssen hier durchgeführt werden, sonst würde alles verloren gehen", erklärt Nösler. Und Düvel ergänzt, dass im September wohl mit dem Bau der ersten Häuser begonnen werden solle.

Was die Kosten der Grabungen betrifft: Im Gebiet "An der Blide" lägen sie bei ca. 50.000 Euro pro Hektar. Gezahlt wird vom Auftraggeber, der Gemeinde Beckdorf. "Die Grabungen werden in die Tiefbaukosten mit einkalkuliert", sagt Düvel. "Hier ist alles im Rahmen."

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