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Apensen: "Die Menge fehlt uns für den Handel"

"Auf einem guten Weg": Vorstandvorsitzender Ralf Löhden auf dem RAISA-Gelände in Apensen
 
Torsten Peters ist seit sechs Jahren Anlagenfahrer im Mischfutterwerk

RAISA-Vorstandsmitglied Ralf Löhden über den Standort Apensen und die Auswirkung der Hitze

ab. Apensen.
Die Mischfutternachfrage beim Traditionsunternehmen RAISA eG (ehemals Stader Saatzucht) in Apensen ist groß: Die Milchviehbetriebe, die dort das Futter für ihre Nutztiere beziehen, können sich dies nach eigenen Wünschen zusammenstellen lassen. Die lang anhaltende Trockenheit in diesem Sommer macht es notwendig, dass Landwirte viel Futter zukaufen müssen, da die Erträge schlechter ausfallen als üblich.

"Die Getreideaufnahme liegt bei zirka 60 Prozent der üblichen Menge", sagt Ralf Löhden, seit 2015 Vorstandsvorsitzender und Agrar-Ingenieur. "Genau diesen Anteil hätten wir normalerweise in den überregionalen Handel gegeben. Er fehlt uns jetzt." Das Wetter sei überall ein Thema. "Wir machen uns Gedanken um das Milchvieh und die Milchpreise." Die Landwirte, so Löhden, wollten nicht schon wieder nach Beihilfe schreien. Medienberichten zufolge geht es aufgrund der Futtermittelknappheit aber inzwischen um Existenzen: In einigen Betrieben, in denen durch die schlechten Getreideerträge Futter fehlt, müssten Tiere geschlachtet werden. 

Rund 400 verschiedene Rezepturen kann das Unternehmen auf Kundenwunsch mischen. Der Kunde erhält eine Artikelnummer, unter der er sein Mischfutter immer wieder bestellen kann. "Der Landwirt hat die Möglichkeit, die Mischverhältnisse jederzeit zu ändern. Er kann sich darauf verlassen, dass die Komponenten nach seinen Wünschen zusammengestellt werden." Das gemischte Futter wird sofort verladen und dem Kunden angeliefert. Noch bis vor einigen Jahren wurden deutlich mehr Sojabohnen aus Übersee verarbeitet. Heute setzen die Landwirte vermehrt auf heimische Eiweißträger wie Rapsschrot und Ackerbohnen.

RAISA, vor 100 Jahren von 21 Landwirten gegründet, sei "ein Unternehmen der Landwirte und wir versuchen, sie bei Problemen möglichst viel zu unterstützen", erklärt der Futtermittelexperte. Die allgemeine Verunsicherung unter den Viehhaltern sei groß: Ständig gebe es neue Anforderungen. ",Wie muss ich mein Vieh heute halten? Und wie morgen?' Das fragen sich viele Landwirte", so der Agrar-Ingenieur. Die Auflagen seien sehr hoch. Immer mehr Bauern stellten ihre Viehzucht ein, die Anzahl der Betriebe sinke. Vor allem die Schweinezucht gehe zurück. Betriebe, die blieben, würden wachsen.   

Über 52 eigene Standorte verfügt RAISA, was den Standort Apensen betreffe, sei man "guter Dinge", sagt Ralf Löhden. 100.000 Tonnen Futter werden pro Jahr produziert und damit 400 Tonnen pro Tag. Das seien zwischen 30 bis 40 Tonnen pro Stunde, 15 bis 20 Lkw-Ladungen täglich, hauptsächlich Mischfutter, aber auch Getreideschrote und andere Einzelfutter.
Auch im Bereich der Viehvermarktung werde auf Regionalität geachtet. Zwar sei das margenarme Geschäft sehr arbeitsintensiv und risikoreich, aber solange die Genossenschaft den Zuspruch der Landwirte habe, werde an diesem Bereich festgehalten.

Dafür nehme ein noch recht junges Projekt "kräftig Fahrt auf": Mit Denkavit, einem Spezialisten im Jungtierbereich, hat RAISA ein gemeinsames Programm auf den Weg gebracht: "Wir möchten für alle Landwirte besondere Anreize schaffen, sowohl in der Haltung als auch im Futtermittelbereich." Viele Milchviehbetriebe fänden das Angebot gut, Mitbewerbe würden es bereits kopieren. "Damit sind wir auf einem guten Weg."