cbh. Buchholz. Ich gehe nicht wählen. Politik ist langweilig, kompliziert und geht mich nichts an." Das waren die Argumente, die zwei junge Frauen im Fitnessstudio vorbrachten, als ich sie am vergangenen Wahlsonntag während eines Smalltalks darauf ansprach, ob sie schon wählen waren.
Ich fiel aus allen Wolken. Die Mädels sind beide gut ausgebildet, eine studiert, eine hat ihre Berufsausbildung mit Bravour abgeschlossen, sie sind selbstbewusste, fleißige, moderne junge Frauen. Und dann das! Als politikinteressierte und -informierte Redakteurin sowie überzeugte Wählerin hielt ich ihnen in der folgenden Viertelstunde einen Vortrag über Demokratie, die noch junge Errungenschaft des Frauenwahlrechts, regionale politische Projekte und mögliche Auswirkungen des Nichtwählens.
Als ich endlich ging, wirkten sie sichtlich erleichtert - aber auch nachdenklich.

Mich beschäftigte der Vorfall innerlich weiter. Denn die Politikverdrossenheit, bzw. das politische Nichtinteresse junger Menschen, ist eine Tatsache, die beiden jungen Frauen kein Einzelfall. Und das ist erschreckend. Politik geht uns alle an. Ob eine Straße gebaut oder nicht gebaut wird, wirkt sich unmittelbar auf meine Lebenszeit aus, die ich im Stau stehe - oder eben nicht. Bezahlbarer Wohnraum, Ausbildungsplätze vor Ort, eine gute Busanbindung - das alles und noch viel mehr gestaltet Politik.
Wer auch immer in den nächsten fünf Jahren in Niedersachsen regieren wird, eine der wichtigsten Aufgaben ist es, junge Menschen für Politik zu interessieren. Ihnen anschaulich nahe zu bringen, dass vor allem regionale Politik nichts anderes ist, als die Gestaltung des unmittelbaren Lebensumfeldes. Das muss in den Schulen vermittelt werden. Und die Politiker müssen einen Weg finden, junge Menschen direkt anzusprechen. Eine Kommunikation, die zeitgemäß ist. Man kann über die Twitter-Posts von US-Präsident Trump verschiedener Meinung sein, aber seine Drei-Zeilen-Nachrichten kommen an. Und der österreichische Politik-Shootingstar Sebastian Kurz hat 713.083 Abonnenten auf seiner Facebook-Seite.
Die beiden jungen Buchholzerinnen sind Sonntag doch noch wählen gegangen. Gut so.

Autor:

Christine Bollhorn aus Buchholz

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