Zunehmender Drogenkonsum bei Jugendlichen
"Ernstzunehmende Lage"

Kiffen ist bei vielen Jugendlichen angesagt: Leistungsdruck wird als eine mögliche Ursache vermutet
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ce. Landkreis. "Wir haben die Entwicklung genau im Auge, denn sie ist sehr ernst zu nehmen!" Das sagt Kriminalhauptkommissarin Lydia Freienberg, Beauftragte für Jugendsachen bei der Polizeiinspektion (PI) Harburg, mit Blick auf die Statistik zum Drogenkonsum Heranwachsender im Landkreis Harburg, die sie kürzlich auch im Kreis-Jugendausschuss vorstellte. Während es im Jahr 2009 bei 524 bekanntgewordenen Rauschgiftdelikten 99 minderjährige Tatverdächtige gab, waren es 2018 bei insgesamt 933 Fällen 189 Jugendliche und 15 Kinder. Dabei gerieten deutlich mehr Jungen als Mädchen ins Visier der Ermittler.
Das galt auch für die von Jugendlichen begangenen Verstöße speziell mit Cannabis. Wurden dafür 2009 noch 78 Minderjährige zur Verantwortung gezogen, lag die Zahl 2018 schon bei 161, darunter sogar elf Kinder.
Im Landkreis Stade wurden in 2018 bei insgesamt 680 Rauschgiftdelikten 120 Tatverdächtige unter 18 Jahren ermittelt. 2009 waren es bei 391 aufgeklärten Fällen in dem Bereich 75 Verdächtige im Alter von 18 Jahren und jünger.
"Cannabis ist heutzutage die angesagteste Droge bei Jugendlichen. Kokain und Ecstasy spielen nicht so eine große Rolle. Alkohol als vergleichbares Mittel zum Berauschen ist in dem Alter noch out", weiß Lydia Freienberg. Der Trend gilt auch für den Kreis Stade. Cannabis habe - so Freienberg - eine beruhigende, sedierende Wirkung und werde von den Jugendlichen genommen um "herunterzukommen".
Als problematisch sieht sie die schon viele Jahre laufende Diskussion um die Legalisierung von Cannabis: "Wenn Jugendliche mit 15 Jahren immer wieder lesen, dass die Legalisierung kurz bevorsteht, wird in ihren Augen der Drogenkonsum als Rechtsverstoß abgemildert."
Als eine mögliche Hauptursache für den Drogenkonsum sieht Freienberg den gestiegenen Leistungsdruck in den Schulen. "Die Drogenproblematik zieht sich - mehr oder weniger stark ausgeprägt - durch alle Schulen und Schichten", erklärt sie. Die Einstellung der Bildungsstätten-Leiter zum Thema habe sich im Vergleich zu vor etwa 15 Jahren deutlich gewandelt. "Behaupteten damals viele Schulrektoren auch wider besseres Wissen pauschal: 'In unserem Haus gibt es keine Drogen', so fordern sie uns heute für Präventionsaktionen an. Die Zusammenarbeit läuft sehr gut."
Bei den Aufklärungsveranstaltungen geht es zum einen um rechtliche Folgen des Drogenmissbrauchs - von der Meldung eines Deliktes an die Führerscheinstelle, die gegebenenfalls die Erteilung einer Fahrerlaubnis ablehnen kann, bis hin zur Gefängnisstrafe. "Weitaus schwerwiegender sind die fatalen gesundheitlichen Auswirkungen von Cannabis auf Kinder und Jugendliche", mahnt Lydia Freienberg. "Schon ein nur kurzer Konsum kann zu irreparablen Hirnschäden führen. Dies ist vielen Jungen und Mädchen gar nicht bewusst."
Die Polizei engagiere sich bei der Verfolgung der Straftaten und mit Präventivmaßnahmen im Kampf gegen den Drogenkonsum. "Aber auch die Gesellschaft und insbesondere die Eltern sehe ich in der Pflicht", appelliert Freienberg. "Sie müssen ein Auge darauf haben, ob sich ihre Kinder ungewöhnlich verändern. Die Ursache dafür können Drogen sein, und dann muss gehandelt werden!"
• Liebe Leserinnen und Leser, wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Drogenkonsum von Heranwachsenden? Schreiben Sie uns an christoph.ehlermann@kreiszeitung.net.

- So erkennt man Drogenkonsum

(ce). Folgende Merkmale für das Erkennen eines möglichen Drogenkonsums bei Jugendlichen nennt Lydia Freienberg:
sozialer Rückzug insbesondere von der Familie
Wechsel des Freundeskreises
Lustlosigkeit und Apathie
Vernachlässigung von Hobbys oder anderen Interessen
starker Leistungsabfall in Schule oder Ausbildung
aggressives oder depressives Verhalten
unerklärlich erhöhter Geldbedarf
"Dies können natürlich auch Indikatoren für andere Probleme sein", räumt Lydia Freienberg ein.

Kiffen ist bei vielen Jugendlichen angesagt: Leistungsdruck wird als eine mögliche Ursache vermutet
Setzt auch stark auf Prävention: Kriminalhauptkommissarin Lydia Freienberg, Beauftragte für Jugendsachen bei der Polizeiinspektion Harburg, mit einer Drogenkomsum-Statistik

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