Die persönliche Note fehlt
Ministerpräsident Weil antwortet Schülerin Jule nach Brandbrief

Nach rund zwei Wochen hat Jule Strietzel einen Brandbrief geschrieben
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(os). Mit ihrem offenen Brief an Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (62, SPD), den das WOCHENBLATT unter der Überschrift "Unsere Generation wird kaputtgemacht" veröffentlichte, hat die Schülerin Jule Strietzel (15) viel Resonanz hervorgerufen. Die Gymnasiastin und Leistungssportlerin (Kickboxen) hatte mit sehr persönlichen, deutlichen Worten auf die prekäre Situation ihrer Generation und die negativen Auswirkungen des Corona-Lockdowns hingewiesen. Jetzt hat Jule eine Antwort von Stephan Weil erhalten. Das schreibt der Ministerpräsident:
"Ich habe Deinen Brief aufmerksam gelesen und verstehe Deine Sorgen. Mir ist bewusst, wie wichtig für Dich der richtige Schulunterricht oder der Vereinssport ist.
Auch wenn Du das schon oft gehört hast: Politikerinnen und Politiker verordnen den Lockdown nicht gerne. Wir tun das, um viele Menschen zu schützen. Denn Corona kann auch für gesunde und sportliche Menschen eine echte Gefahr sein.
Mir ist aber klar, wie wichtig insbesondere für Kinder und Jugendliche Bewegung, das Lernen in einer Gruppe und das Treffen von Freundinnen und Freunden ist. Deswegen werden in Niedersachsen die sehr strengen Kontaktbeschränkungen - ein Haushalt und eine zusätzliche Person - beendet. Stattdessen dürfen sich jetzt fünf Personen aus zwei Haushalten treffen. Kinder unter 14 Jahren werden dabei nicht mitgerechnet.
Bei der Öffnung von Schulen und Kitas war Niedersachsen bereits in den letzten Monaten 'Vorreiter', die anderen Länder haben sich bei der Lockerung an Niedersachsen orientiert. Kinder sollen auch von anderen Maßnahmen profitieren. Kitas gehen in das Szenario B, die Kinder kehren also in die Kitas zurück, bleiben dort aber in festen Gruppen. Nach den guten Erfahrungen in den Grundschulen wird der Wechselunterricht auf weitere Jahrgänge ausgedehnt, teils zum 15. März, teils zum 22. März. Einen weiteren Schwerpunkt bei Kindern und Jugendlichen gibt es auch im Bereich des Sports. Dort sollen Gruppen bis zu 20 Kindern wieder gemeinsam draußen Sport treiben können.
Und nicht nur Kinder, auch Erwachsene werden sich über die Öffnung von Büchereien und des Buchhandels, von Museen, Zoos und ähnlichen Einrichtungen freuen. Das alles unterliegt zwar strengen Vorschriften, aber es ist ein erster Schritt und wird hoffentlich Dein Leben etwas leichter machen.
Für die Zukunft wünsche ich Dir alles Gute.
Mit freundlichen Grüßen,
Stephan Weil"

Ministerpräsident Stephan Weil hat jetzt auf den Brief reagiert
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Jule Strietzel ist froh, dass ihr der Ministerpräsident überhaupt geantwortet hat. Aber: "Ich bin schon ein bisschen enttäuscht, da kaum auf das eingegangen wurde, was ich geschrieben habe. Ich sehe in der Antwort keine persönliche Note."
Mal schauen, ob der stellvertretende Ministerpräsident, Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann (CDU), persönlichere Worte findet. Er hat sich für den gestrigen Freitag mit Jule zum Online-Gespräch verabredet.

MOMENT MAL

Wie eine Pressemitteilung

Ich kann die Enttäuschung von Jule Strietzel nachvollziehen: Die Antwort von Ministerpräsident Stephan Weil auf ihr langes Schreiben zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf junge Menschen liest sich wie eine Pressemitteilung zu neuen Vorschriften, wie sie das Land oft versendet.
Es ist verständlich, dass sich Weil nicht bis ins letzte Detail mit den Argumenten von Briefeschreibern auseinandersetzen kann. Dafür haben zu viele Menschen zu viele persönliche Anliegen. Aber etwas mehr Empathie hätten dem Sozialdemokraten zu den von Jule angesprochenen sozialen Problemen gut zu Gesicht gestanden. Aufmunterung und Lob fürs bisherige Durchhalten wären besser gewesen als ein Hinweis an eine Teenagerin zur Öffnung der Kitas. Oliver Sander

Brandbrief an Ministerpräsident Weil
Nach rund zwei Wochen hat Jule Strietzel einen Brandbrief geschrieben
Ministerpräsident Stephan Weil hat jetzt auf den Brief reagiert
Autor:

Oliver Sander aus Buchholz

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