Edeka, Famila und Rewe
So unmöglich benehmen sich Kunden im Einzelhandel

Oliver Michelsen wünscht sich mehr Verständnis für die Corona-Maßnahmen von seinen Kunden
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Edeka Buchholz

sv/sb/wd. Buchholz/Buxtehude/Stade. Während des ersten Lockdowns im Frühjahr hatten die Mitarbeiter von Edeka Subey an der Hamburger Straße in Buchholz noch viel Zuspruch bekommen. Nun, zum zweiten Lockdown, scheint bei vielen Kunden der Geduldsfaden gerissen zu sein, berichtet Edeka-Filialleiter Oliver Michelsen.
Während der Großteil sich an die Regeln hält, wird die Maskenpflicht immer noch regelmäßig von einigen Leuten in Frage gestellt. Oliver Michelsen lässt Kunden nur noch mit Maske in die Filiale oder bietet ihnen eine Gratismaske an. Täglich würden mehrere Atteste zur Befreiung von der Maskenpflicht vorgezeigt, doch deren Echtheit sei für die Mitarbeiter unmöglich zu überprüfen. "Wir halten uns an die Worte von Gesundheitsminister Spahn", sagt er. "Zehn Minuten Maske tragen, was unsere Mitarbeiter übrigens auch den ganzen Tag tun, wird wohl möglich sein."
Doch auch die Abstände an den Kassen werden nicht eingehalten, sodass die Verkäufer auch jetzt immer noch regelmäßig die Kunden darauf hinweisen müssen, auf die Markierungen am Boden zu achten.
Dasselbe bei den Einkaufswagen: Seit März wird nur noch der Einkauf mit einem Einkaufswagen gestattet, nun steht seit längerer Zeit in den örtlichen Edeka-Filialen wieder unübersehbar ein Schild mitten im Eingang, das die Kunden darauf hinweist. Funktionieren tut es dennoch nicht bei allen. "Bei den Schülern klappt das übrigens wunderbar", sagt Michelsen. "Die kennen das aus der Schule und halten sich auch beim Einkaufen an die Regeln."

Rewe Buxtehude-Ottensen

Bei Rewe Gierke in Buxtehude-Ottensen akzeptieren die meisten Kunden mittlerweile, dass jede Person eine Maske tragen und einen Einkaufswagen nutzen muss. "Nur so behalten wir den Überblick, wie viele Kunden im Geschäft sind", sagt André Gierke. "Deswegen greifen wir auch konsequent durch." Manch ein Kunde schaue zwar böse und es habe wegen der Maßnahmen auch schon schlechte Bewertungen im Internet gegeben, aber anders sei Einkaufen zurzeit nicht möglich. "Es war allerdings ein schwerer Weg, bis alle Kunden die Maßnahmen akzeptiert haben und uns wurde auch schon Prügel angedroht", so Gierke.

Edeka Stade

Praktisch gar keine Probleme gibt es bei den Edeka-Märkten von Jens Foltmer in Stade. In seinen drei kleinen Märkten in Wohngebietslage herrscht nach wie vor eine nachbarschaftliche Atmosphäre. "Im Vergleich zum ersten Lockdown sind die Kunden sogar noch rücksichtsvoller", sagt Foltmer. So werden sowohl die Maskenpflicht als auch die Abstandsregeln bis auf ganz wenige Ausnahmen eingehalten.

Famila Buchholz

Auch bei Famila in Buchholz zeigt der Großteil der Kunden nach wie vor Verständnis für die Umsetzung der Corona-Regeln, lobt die Famila-Warenhausleiterin Anneke Kruse. Dennoch würden sich täglich genügend andere finden, die ihren Ärger über die Situation an den Mitarbeitern auslassen. Und das immer rabiater. Immer wieder wird die Warenhausleiterin zu eskalierenden Auseinandersetzungen gerufen, bei denen ihre Mitarbeiter neben Beschwerden sogar mit wüsten Beleidigungen konfrontiert werden. "Anfang des Frühjahrs zählten wir noch zu den Helden, die trotz des Lockdowns für alle anderen weiterarbeiteten. Kaum zwei Monate später kamen wir wieder ganz unten an. Wir sind auch nur Menschen, die sich genauso anstecken können und dieselben Ängste in Bezug auf Corona teilen", appelliert Anneke Kruse an ihre Kunden. "Meine Mitarbeiter können unmöglich den notwendigen Abstand wahren, wenn Kunden sich mal eben an ihnen vorbeidrücken, um an ein Regal zu kommen."
Unentwegt müssen die Famila-Mitarbeiter am Eingang darauf hinweisen, dass jeder Kunde - gerade auch bei Pärchen - einen Einkaufswagen braucht. Nur so kann die Anzahl der Kunden im Laden überwacht werden. Das Mitnehmen des Einkaufswagens scheint aber auch beim Verlassen des Ladens problematisch: Bis zu fünfzig stehengelassene Wagen müssen am Tag in den Gängen aufgesammelt und wieder rausgebracht werden.
"Die Kunden finden die Maßnahmen gut, solange sie die Regeln selbst nicht umsetzen müssen", sagt Anneke Kruse. Dass der Einzelhandel nur versucht, mit den Maßnahmen die Kunden und die eigenen Mitarbeiter zu schützen, scheint zunehmend in den Hintergrund zu rücken.

Moment mal

Das Jahr 2020 ist kein Leichtes - viele stecken in finanziellen Schwierigkeiten und leiden unter der sozialen Isolation. Für die dadurch aufgestauten Ängste dürfte ein jeder Verständnis haben. Doch diese Gefühle an den Mitmenschen auszulassen, die täglich für uns weiterarbeiten und versuchen, uns ein Stück Normalität zu geben, finde ich unmöglich. Die Deutschen sind verwöhnt geworden. Ich kann das guten Gewissens sagen, denn ich gehöre der jungen Generation an, die in einem Bildungsland, in Sicherheit und ohne Nahrungsmangel aufgewachsen ist. Wenn wir nicht sofort das Notwendigste bekommen, reißt uns der Geduldsfaden. Ja, es gibt immer die Fälle, in denen das Notwendigste tatsächlich lebensnotwendig ist: Babynahrung, Medikamente oder Lebensmittel. Dass der mögliche Mangel daran beängstigend ist, bestreitet niemand. Das darf aber nicht zu Beschimpfungen führen. Im Falle der "blöden Schlampe" werfen diese Umgangsformen ein zutiefst beunruhigendes Licht auf unsere Gesellschaft. Übrigens: Im Gespräch mit mir gingen die Einzelhändler gar nicht so weit, sich ein nettes Wort oder sogar ein Lob von den Kunden zu wünschen. Sie hoffen nur auf Verständnis, Geduld und normale Umgangsformen. Darüber denken Sie doch bitte einmal nach.
Svenja Adamski

Autor:

Svenja Adamski aus Buchholz

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