Was ist mit Dieter passiert?

Berichteten in der Förderschule „An Boerns Soll“ über das Schicksal von Dieter Lorenz: Helmut Lorenz und Dr. Carola Rudnick
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Der Bruder eines von den Nazis ermordeten Kindes im Gespräch mit Förderschülern

as. Buchholz. „Meine Geschichte ist nur eine von vielen“, so Hank, wie Helmut Lorenz sich jetzt nennt, zu den Schülern der Förderschule „An Boerns Soll“. Es sei aber wichtig, dass seine Geschichte, die eigentlich die Geschichte seines Bruders Dieter sei, viele Menschen erreiche, so der kürzlich zum Zeitzeugengespräch eingeladene Gast aus Kanada.
Anlässlich des „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ im Januar, der in diesem Jahr in Buchholz von der Förderschule ausgerichtet wurde, setzten sich die Schüler mit dem Nationalsozialismus und seinem Umgang mit behinderten und Kranken Menschen auseinander. Besonders eingehend beschäftigten sie sich mit dem Schicksal von Dieter Lorenz, dem Bruder von Helmut Lorenz.
Dieter Lorenz starb mit zweieinhalb Jahren in der „Kinderfachabteilung“ der Psychiatrie Lüneburg - er wurde ermordet. Die Historikerin Dr. Carola Rudnick, Leiterin der Gedenkstätte „Opfer der NS-Psychiatrie“ in Lüneburg, erforscht das Schicksal der Patienten im Nationalsozialismus und hat Helmut Lorenz geholfen, das Schicksal seines Bruders zu rekonstruieren.
Denn bis vor zwei Jahren wusste Helmut Lorenz nicht, was aus Dieter geworden war. Die Familie war nach dem Krieg ohne Dieter nach Kanada ausgewandert und es wurde nicht über ihn gesprochen. Helmut Lorenz hoffte, ihn eines Tages zu finden. Aus diesem Grund hat er sich in einem Ahnenforschungsportal angemeldet. Über das Portal geriet er mit einem Mario Nitzsche aus Deutschland in Kontakt – seinem Großcousin.
Das gab Helmut Lorenz den Anstoß, das Rätsel um den Verbleib seines kleinen Bruders aufzuklären. Gemeinsam mit seinem Großcousin machte er sich daran, die von seinen Eltern durch den Krieg geretteten Dokumente zu übersetzen und aufzuarbeiten.
Als die Mutter mit den drei Söhnen Helmut, Rolf und Dieter von Eindhoven nach Westfalen ziehen musste, gab sie den kleinsten, Dieter, in ein Kinderheim. Lorenz vermutet heute, dass seine Mutter, die allein für die Kinder sorgen musste während der Vater im Krieg war, überfordert war. Damals war es nicht ungewöhnlich, die Kinder für begrenzte Zeit ins Heim zu geben, erklärte Carola Rudnick. Dass die Mutter Dieter nicht einfach abgeschoben hat, sondern ihn bis zuletzt wieder nach Hause holen wollte, sobald der Krieg vorbei wäre, könne man anhand ihrer regelmäßigen Besuche im Heim feststellen. Die Kinder des Heims wurden 1944 ohne das Wissen der Eltern in ein Flüchtlingskinderheim nach Lüneburg verlegt. Dort wurde der kleine Dieter nach der Diagnose einer Krankenschwester an die Kinderfachabteilung der „Landes- Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg“ übergeben.
Im Zuge des Euthanasie-Programms der Nationalsozialisten, der „Vernichtung lebensunwerten Lebens“, wurden mehrere hundertausend behinderte Menschen in den Anstalten ermordet. Viele von ihnen wurden durch Medikamente oder durch Aushungern geschwächt, als offizielle Todesursache wurden Krankheiten wie „Lungenentzündung“ eingetragen. Wie bei dem kleinen Dieter Lorenz, der offiziell an „Hirnhautentzündung“ starb.
Um die Geschichte seines Bruders zu erzählen, ist Hank Lorenz mit seiner Frau Marylinn nach Deutschland gereist. Gemeinsam mit Mario Nitzsche besuchen sie Schulen und sprechen mit den Schülern über Dieters Schicksal.

Autor:

Anke Settekorn aus Rosengarten

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