2.900 Lehrer werden an fremde Schulen "verliehen"

(kb). Der Verband der Elternräte der Gymnasien in Niedersachsen schlägt Alarm. Laut einer Umfrage unter den Mitgliedsschulen zu den Abordnungen von Lehrern und zur Unterrichtsversorgung, wird sich die Anzahl der im zweiten Schulhalbjahr abgeordneten Stunden im Vergleich zum vorigen Halbjahr mehr als verdoppeln. Bei den betroffenen Schulen steige der Umfang der Abordnungen im Mittel von 21 auf 52 Stunden pro Woche.
Schuld ist der Lehrermangel an Grund-, aber auch Haupt- und Realschulen. Insgesamt rund 2.900 Lehrer in Niedersachsen müssen in dem am Montag beginnenden zweiten Halbjahr an anderen Schulen unterrichten. Von diesen Abordnungen betroffen sind laut Kultusministerium damit 650 Lehrer mehr als im vorherigen Schuljahr. Für die betroffenen Lehrer heißt das: Sie müssen einen Teil ihrer Stunden an einer Schule unterrichten, an der sie sonst nicht arbeiten. So werden 750 Gymnasiallehrer an Grundschulen unterrichten.
Für die Gymnasien bedeutet das u.a. eine sinkende Unterrichtsversorgung, Ausfälle durch kurzfristig eintretende Krankheiten oder Elternzeiten, können nicht mehr ausgeglichen werden. Teilweise würden Kurse zusammen gelegt, Oberstufenangebote reduziert und Arbeitsgemeinschaften gestrichen.
Das Land hatte für das zweite Schulhalbjahr nach eigenen Angaben 1.200 Lehrerstellen ausgeschrieben. 1.070 Stellen konnten neu besetzt werden, das seien rund 90 Prozent der ausgeschriebenen Stellen. 121 der neuen Lehrer sind laut Kultusministerium Quereinsteiger.
Gespannt darf man sein, ob sich die Situation zum Schuljahr 2018/19 entspannt. Dann soll laut Kultusministerium ein Maßnahmenpaket zur Unterrichtsversorgung greifen. Hierzu gehören unter anderem die Vereinfachung des Quereinstiegs, die Verlagerung der vorschulischen Sprachförderung in die Kindertagesstätten, ein Attraktivitätsprogramm für den Lehrkräfteberuf und die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Lehrkräfte.

Autor:

Katja Bendig aus Seevetal

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