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Buchholz: Die Umgehungsstraße ist weiter umstritten

An dieser Stelle gegenüber dem Thomasdamm südlich der Buchholzer Kernstadt würde die Umgehungsstraße beginnen
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os. Buchholz. "Sie entscheidet über Buchholz' Zukunft" hieß der WOCHENBLATT-Artikel vom 4. November über die Studie, in der die Vorzugsvariante für die Ostumfahrung im Rahmen des Stadtentwicklungskonzepts "Buchholz 2025plus" erarbeitet wurde. Das WOCHENBLATT wollte von seinen Lesern wissen, wie sie zu der Planung stehen, in denen die Kosten für die Straße mit 35,2 bis 38,1 Millionen Euro beziffert wurden. Zahlreiche Zuschriften gingen in der Redaktion ein. Die meisten Bürger wandten sich gegen den Bau der Straße. Wir veröffentlichen einen großen Teil der Zuschriften, einige sind in Teilen gekürzt.
Jürgen Dee aus Buchholz schreibt: "2003, als ich aus Hamburg nach Buchholz zog, war der Ostring bereits ein Thema. Schon damals empfand ich es absurd, eine derart groß angelegte Umgehungsstraße zu bauen. Gegen alle ökologische Vernunft, mit einem riesigen finanziellen Aufwand, ohne erkennbaren Nutzen. Siebzehn Jahre später gibt es gewaltige Fortschritte in der Mobilität und in der Notwendigkeit ökologischen Denkens mit immer deutlicheren Anzeichen des Klimawandels und Artensterbens. Viele Städte denken um und investieren in zukunftsweisende Projekte. Buxtehude ist zum Beispiel gerade Sieger des Deutschen Nachhaltigkeitspreises geworden. Und hier in Buchholz? Es wird weiterhin zwanghaft auf jahrzehntelang überholte Verkehrskonzepte gesetzt. Auf Kosten der Natur und uns allen." 
Jochen Lange aus Buchholz erklärt: "Die geplante Ostumgehung wird einen Teil der Buchholzer Verkehrsprobleme lösen. Es wird weniger Staus geben auf der Canteleubrücke und der Kirchenstraße. Das wird vielen Pendlern und Kunden des innenstädtichen Einzelhandels Zeit sparen und das Leben vereinfachen. Gleichzeitig wird im Neubaugebiet Buchholz 2025plus bezahlbarer Wohnraum entstehen.
Ich finde, der Preis für diese Verbesserungen der Lebensqualität ist zu hoch. 35 bis 38 Millionen Euro soll die Ostumfahrung kosten. Viele größere Bauvorhaben werden bei Fertigstellung wesentlich teurer als ursprünglich veranschlagt. Der wesentlich kürzere sogenannte Westring in Pinneberg hat am Ende 45 Millionen Euro gekostet. Summen in dieser Größenordnung stehen aus meiner Sicht in keinem sinnvollen Verhältnis zum Nutzung von Ostring und Wohnbau.
Auch vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage der Stadt finde ich, dass Buchholz diese Investition trotz der geplanten Einnahmen durch den Verkauf von Flächen für den Wohnungsbau nicht schultern kann. Das Geld für die Ostumfahrung wird an vielen anderen Stellen fehlen, die Handlungsfähigkeit von Politik, Verwaltung, Unternehmen und Vereinen über viele Jahre erheblich einschränken und dadurch die Lebensqualität von vielen Buchholzern verschlechtern. Der Rat der Stadt sollte sich zum Wohle der großen Mehrheit der Buchholzer gegen die Ostumfahrung und für ein nachhaltiges Wachstum der Stadt entscheiden." 
• Die Meinung von Prof. Dr. Florian Dorozalla: "Ihre Argumentation weist Parallelen zu Ideen des 1960er und 1970er Jahre auf. Damals wollte man die 'autogerechte Stadt' erschaffen. Die Folgen dieser Utopie lassen sich immer noch an einer Vielzahl deutscher Innenstädte erkennen. Dabei ist sich die Mehrheit beinahe aller Bürger, Politiker und Experten einig, dass dieses Konzept der falsche Weg war. Daneben existiert eine Reihe von Studien, die aufzeigen, dass mehr Infrastruktur zu mehr Verkehr führt.
Das Ausmaß der unwiederbringlichen Zerstörung von Natur ist der zweite Aspekt, der in ihrer Meinung überhaupt nicht aufgezeigt wird. Sie argumentieren daher mit einem sehr tradierten Ansatz: Beleuchtung von einer Seite der Argumentation unter gleichzeitiger Vernachlässigung weiterer Blickwinkel.
Indem Sie sich auf Radfahren und allem Anschein nach bestehende ÖPNV-Lösungen stützen, offenbart Ihre Argumentation letztlich auch fachliche Lücken bezüglich zukunftsfähiger Mobilitätskonzepte. Bitte machen Sie sich bitte mit 'Bus on demand' und 'Ringlinie' vertraut. Man könnte beispielsweise zwei bis drei elektrisch betriebene Kleinbusse zu den Stoßzeiten zwischen dem neuen Wohngebiet und dem Bahnhof pendeln lassen. In den Zeiten mit geringerem Verkehrsaufkommen könnte man per App individuelle Start- und Zielpunkte bekanntgeben, um anschließend einen Punkt-zu-Punkt Verkehr einzurichten. Ähnlich funktioniert das Angebot von Moia in Hamburg.Insofern gebe ich Ihnen dahingehend Recht, dass die Politik Prioritäten setzen muss. Allerdings mit Fokus auf ausgeglichenen Haushalten, Bewahrung von Natur und zukunftsorientierten Verkehrskonzepten."
• "Es ist erstaunlich, wie kurzsichtig auch heute noch Verkehrspolitik betrieben wird", erklärt Dr. Martin Flamm aus Buchholz. Es gebe unzählige wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass sich die Arbeitswelt, die Verkehrsentwicklung, die Bevölkerungszahlen, das Klima und die Artenvielfalt in den nächsten 30 Jahren dramatisch verändern werden. "Corona hat uns da mal einen Wink geliefert, wie sich Veränderungen auch schnell auswirken", betont Flamm. Es gebe so viele gute zukunftsweisende Möglichkeiten, den Autoverkehr zu reduzieren und in nachhaltige Verkehrskonzepte zu investieren, "da wären unsere Steuergelder deutlich besser angelegt."
• "Bei allem Verständnis für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum - Corona hat es meiner Meinung nach entschieden: In der jetzigen angespannten Haushaltslage eine Oststadt mit Ostring zu wollen, ist pure Unvernunft", schreibt Jendrik Helle aus Buchholz. Die geplanten knapp 40 Millionen Euro würden für den Bau nicht reichen. Zudem führe die Straße mitten durch "herrliche Natur, die unwiderruflich zerstört wird". Man schaue sich diese Gegend bei einem Spaziergang mal an und sage "mir dann ins Gesicht, dass sich dieses Opfer lohnt, nur damit man auch zu den Stoßzeiten schnell durch Buchholz kommen kann".
• Die Ostumgehung von Buchholz werde von vielen Bürgern befürwortet und es sei entsprechend „gewählt“ worden in der klaren Erwartung, im Gegenzug eine spürbare Entlastung der Achse Canteleubrücke-Kirchenstraße zu erreichen, erklärt Jochen Köchling. Die laut Machbarkeitsstudie zu erwartende Verkehrsverminderung in diesem Bereich werde auf etwa 5.000 bis 6.000 Fahrzeuge geschätzt. Völlig unberücksichtigt seien die Verkehre, die für das Projekt „Buchholz-Ost“ erwartet werden. Köchling: "Es ist also vorstellbar, dass wir die gewünschte Verkehrsentlastung überhaupt nicht spüren werden. Das sollte man den Bürgern vielleicht nicht vorenthalten, die Enttäuschung darüber dürfte groß sein."
Dr. Martin Dieckmann von der Buchholzer Liste erklärt: "Richtig ist, dass die Vorstudie zu der jetzt verschämt 'Ostumfahrung' genannten Neuauflage des Ostrings in den Vorzugsvarianten Kosten zwischen 35 und 38 Millionen Euro annimmt. Darin sind für die beiden notwendigen Querungen der Eisenbahntrassen Kosten für 5 Millionen Euro (Linie Buchholz-Jesteburg) bzw. 8 Millionen Euro (ICE-Strecke Bremen-Hamburg) angesetzt, allerdings mit dezentem 'Unsicherheitshinweis'. Man erinnere sich bei dieser Gelegenheit an die Anfang 2019 aus Kostengründen abgeblasene Mühlentunnelerneuerung: Geplanten Gesamtkosten für Planung und Bau in Höhe von 23,66 Millionen Euro stand das niedrigste Bieterangebot in Höhe von 36 Millionen Euro (nur Baukosten) gegenüber (die weiteren Angebote waren noch deutlich höher). Unabhängig von der Baukonjunktur lassen sich die Bieter die Risiken und Schwierigkeiten des Tunnelbaus bei einer Dammhöhe von 15 Metern und 'unter dem rollenden Rad', wie es in der Vorstudie heißt, entsprechend bezahlen. In jedem Falle sind die in der Vorstudie angenommenen Kosten für die Eisenbahnquerungen absurd zu niedrig, die übrigen Kostenannahmen vermutlich auch. Die tatsächlichen Kosten werden weit jenseits der 50 oder gar 60 Millionen Euro liegen. Wer es gerade angesichts der mittelfristigen Haushaltslage ernst mit der Finanzverantwortung für die Stadt Buchholz meint, ist gut beraten, eine belastbare Kostenermittlung einzufordern, bevor er dieses klimapolitisch anachronistische und finanziell illusorische Projekt weitertreibt."
• "Die merkwürdige Logik der Planer lässt sich ablesen an dem Standard-Hinweis auf die 'klimatischen Auswirkungen' der Vorlage", betont Dr. Ingo Engelmann aus Buchholz. "Der skurrile Gedankengang: Die Planung stelle derzeit einen „unverbindlichen Beitrag zur politischen Meinungsbildung“ dar. So ein Beitrag habe erstmal gar keine klimatischen Auswirkungen. Für die politische Meinungsbildung muss man also nicht wissen, was das alles konkret für das Klima bedeutet. Das wird dann später berechnet (wenn die Entscheidungen getroffen sind, also im Nachgang). Das Elend soll erst beziffert werden, wenn es unabwendbar geworden ist. Oh wundersame Verwaltungslogik." 
• Sandy Steven Schultz aus Buchholz schreibt: "Ich denke, die Ortsumfahrung ist ganz stark gekoppelt an das Neubaugebiet Buchholz 2025 plus. Wir sollten hier erst einmal dessen Zweckmäßigkeit unter die Lupe nehmen, und ob es hier nicht evtl. andere Möglichkeiten in unserem so großen Areal gegeben hätte, um 1.500 Wohneinheiten zu errichten. Beim o. g. Neubaugebiet handelt es sich um die wahrscheinlich schlechteste zur Verfügung gestandenen Variante, welche einzig und allein der Durchsetzung einer Ortsumfahrung bzw. dem alten Ostring dient.
Ich  halte Neubaugebiete nahe von bestehenden Bundesstraßen für äußerst sinnvoll, in Sprötze oder Suerhop ist genügend Platz. Wie schaut‘s aus mit dem Bahngelände an der Straße Bremervörder Bahn? Riesige unbenutzte gerodete Flächen, hier wäre es ein Einfaches eine Anbindung zur Bundesstraße herzustellen. Ebenso gibt es diverse andere Flächen in Sprötze und Trelde, die beiden Ortsteile liegen optimal an den Bundesstraßen. Des Weiteren glaube ich, dass der Einzelhandel im Innenstadtbereich in Buchholz, welcher eh schon leidet, durch diese Art von Umfahrung noch mehr leiden wird.
Bezüglich dem großen Gejammer des Verkehres, es ist doch höchst widersprüchlich, das wir schon Jahre lang über zu hohen Verkehr in der Innenstadt klagen, und die Politik in diesem Bereich ein 1.500-Einheiten-Neubaugebiet freigibt, welches ohne einer Ortsumfahrung/Ostring gar nicht realisierbar wäre. Ich halte das für eine höchst unprofessionelle Handlung seitens der Politik, welche versucht, den Ostring hiermit zu erzwingen.
Meine Meinung zum Verkehrsproblem: Es gibt Stoßzeiten in der Rushhour, die sind höchst nervenzerreißend, aber welche andere Stadt hat diese nicht?
Abhilfe würde hier eine Art zweispuriger Kreisverkehr schaffen, welcher die Eckpunkte Hamburger Str., Bendestorfer Str., Canteleubrücke, Bremer Str. und Steinbecker Straße verbindet. Diese Variante würde meiner Meinung nach den zähflüssigen Verkehr tageszeitübergreifend entzerren.
Die Kosten dieses Planes zur Ostumfahrung dürfen nicht aus den Augen gelassen werden, wie gedenkt die Stadt dann diese hohen Kosten zu stemmen, ohne die Bürger durch Steuererhöhungen zu belasten?Ich sage: Ostring, nein danke! Wir müssen alles dafür tun, dass unsere Stadt im Grünen eine Stadt im Grünem bleibt!"
Wilhelm Schneider aus Holm-Seppensen schreibt: "Seit 48 Jahren wohnen wir in Holm-Seppensen. Seit dieser Zeit kennen wir das Projekt. Wir hoffen, es wird endlich mal realisiert - es spricht alles für den Bau der Ostumfahrung."
• Für die Umsetzung der Ostumfahrung macht sich auch Reinhard Kappelhoff aus Buchholz stark. Er schlägt vor, die Trasse nördlich der Bahnstrecke nach Hamburg nicht mitten durch die Wohngebiete nahe an den Schulgeländen zu führen, sondern einen Schlenker nach Norden zu machen. Zudem solle die Trasse nicht direkt an der Märchensiedlung entlang führen, sondern ein Stück Richtung Vaensen verlagert werden.

Autor:

Oliver Sander aus Buchholz

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