"Ich schäme mich für meine AfD-Aktivitäten"
Buchholzer Ratsherr Hans-Wilhelm Stehnken verlässt erneut die Partei und rechnet mit ihr ab

Künftig fraktionslos: Hans-Wilhelm-Stehnken
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os. Buchholz. Die AfD-Fraktion im Buchholzer Stadtrat schrumpft: Ratsherr Hans-Wilhelm Stehnken hat Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse mitgeteilt, dass er aus der AfD ausgetreten sei. Eine Gruppenbildung mit den verbleibenden AfD-Ratsherren Rainer Sekula und Michael Cordes komme für ihn nicht infrage.
In der Mitteilung rechnet Stehnken mit der AfD ab. Es sei ein großer Fehler gewesen, dass er vor Jahresfrist in die Partei zurückgekehrt sei, erklärt Stehnken. Fremdenfeindlichkeit, Rechtsradikalismus, Hass und Ignoranz hätten "in bedenklichem Maße zugenommen". Von völkisch-nationalistischen Träumereien beseelt, sehe die Mehrheit der Mitglieder in Björn Höcke den "Erlöser". Die AfD könne und wolle keine Politik machen, sondern agiere nur mit dumpfen Parolen. "Heuchlerische Mahnwachen runden in erschreckender Weise das Bild ab", kritisiert Stehnken.
Dies alles sei für ihn unerträglich geworden. "Ich schäme mich für meine AfD-Aktivitäten", betont Stehnken. Er bitte "demütig um Wiederaufnahme in den Kreis der demokratischen Menschen. Auch bitte ich um Entschuldigung für mein Verhalten." Das vom Bildungsbürgertum geprägte Buchholz habe es nicht nötig, sich von "Dumpfbacken" vertreten zu lassen.
Wie berichtet, hat Hans-Wilhelm Stehnken in den vergangenen Jahren eine politische Achterbahnfahrt hinter sich. Nach vier Jahrzehnten verließ er 2016 die CDU. Nachdem er bei der FDP in seinem Bemühen um einen Platz auf der Liste für die Kommunalwahl 2016 abgeblitzt war, trat er in die AfD ein. Noch vor der Kommunalwahl verließ der Spitzenkandidat die Partei nach internen Querelen. "All unsere umfangreichen Bemühungen, Hans-Wilhelm Stehnken in die demokratischen innerparteilichen Abläufe zu integrieren, sind leider ergebnislos verlaufen", schrieb der AfD-Kreisvorstand damals. Im Jahr 2018 schloss sich Stehnken mit den AfD-Ratsherren Sekula und Cordes wieder zu einer Gruppe zusammen, später trat er erneut der Partei bei.
Stehnken scheint jetzt der AfD endgültig den Rücken kehren zu wollen. Er will das auch räumlich dokumentieren: Stehnken hat Bürgermeister Röhse gebeten, ihm einen anderen Platz im Ratssaal zuzuweisen.
Es bleibt jetzt abzuwarten, wie ernst es Stehnken mit seinem Neuanfang meint. Wenn er sich als fraktionsloses Mitglied konstruktiv an der Ratsarbeit beteiligt, kann das gelingen. Wenn nicht, wird es schwer, weiter einen Platz im Rat zu finden.
• Rainer Sekula, AfD-Kreischef und Fraktionsvorsitzender im Buchholzer Stadtrat, erfuhr am Mittwochabend von Stehnkens Austritt. "Wir begrüßen diesen Schritt und entsprechen seinem Wunsch sehr gern", erklärt Sekula. Man bedauere lediglich, dass es Stehnken offensichtlich nicht möglich sei, einen solchen Schritt "mit dem nötigen menschlichen Anstand zu vollziehen." Stehnkens Schreiben an Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse sei ein "beredtes Beispiel für einen sehr fragwürdigen Umgangsstil", schreibt Sekula.

Kommentar

Konsequent sein und zurücktreten

Dass Hans-Wilhelm Stehnken aus der AfD austritt, weil er steigende Fremdenfeindlichkeit in der Partei erkennt, ist konsequent. Diese Konsequenz muss er jetzt auch an den Tag legen, indem er sein Ratsmandat niederlegt. Denn eines ist klar: Die Ratsarbeit wird fast unmöglich für ihn, auch wenn er "demütig" um Wiedereingliederung bittet. In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat Stehnken durch seine polternde Art sein Ansehen derart verspielt, dass kaum eine Partei mit ihm zusammenarbeiten wird. Nicht vergessen ist auch sein Parteien-Hopping im Vorfeld der letzten Kommunalwahl. Er wollte ein Ratsmandat, koste es, was es wolle. Das fällt Stehnken jetzt auf die Füße. Oliver Sander 

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