Der Papst im Dschungelcamp

Wollen wir wirklich die eindimensionale Informationsgesellschaft?


Natürlich will ich wissen, wer der neue Papst ist. Nach der Tagesschau in der Halbzeit Bayern - Arsenal vergangenen Mittwoch fühlte ich mich eigentlich gut informiert. Seither bin ich nur noch genervt. Radio, TV, Internet - immer der Pontifex. Ob Entenjagd auf Radio Niedersachsen oder die Serie über den schönen deutschen Rhein - dem heiligen Vater ist nicht zu entkommen. Eine Kollegin, bei der ich meinen Frust ablassen wollte, verriet mir: Der Mann ist eben wichtig, immerhin steht er an der Spitze der weltweiten Auseinandersetzung zwischen Christen und Muslimen. Mir schaudert.
Dabei bin ich überzeugt: Ob Papstwahl oder Dschungelcamp - die Medienmacher von Bild bis ARD könnten ohne diese Spektakel ihren Job nicht mehr machen. Sie brauchen Episoden, die man ausrollen kann wie einen Kuchenteig - über Tage, notfalls über Wochen. Und weil alle so handeln, ist es so wunderbar bequem: Man kann einfach nichts verkehrt machen. Und was soll's: Wer wie ARD und ZDF den Menschen vier Monate lang jeden Sonntag durchgehend Wintersport serviert, hat jegliches journalistisches Bemühen längst aufgegeben. Für diese Spezies von Medienmenschen gibt's noch eine große Herausforderung: der Papst im Dschungelcamp - möglichst für ein ganzes Jahr.
Reinhard Schrader

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