MINT-Fächer
Getrennter Unterricht für Mädchen und Jungen?

In der Zukunftswerkstatt können Mädchen und Jungen ihren Wissensdrang gleichberechtigt stillen
  • In der Zukunftswerkstatt können Mädchen und Jungen ihren Wissensdrang gleichberechtigt stillen
  • Foto: Zukunftswerkstatt
  • hochgeladen von Bianca Marquardt

(bim). Sollten Jungen und Mädchen in Mathematik und naturwissenschaftlichen, sogenannten MINT-Fächern, getrennt unterrichtet werden? Mit diesem Vorschlag sorgte jüngst Stefanie Hubig (SPD), Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und rheinland-pfälzische Bildungsministerin, für Schlagzeilen. Ihr Argument: „In Klassen ohne Jungen lassen sich Mädchen häufig leichter für Physik begeistern. Die Jungen stürmen in diesen Fächern nach vorn und sagen: 'Ich mache das Experiment.' Mädchen sind da oft zurückhaltender und sagen: 'Dann schaue ich erst mal zu'."
Das WOCHENBLATT bat Prof. Dr. Wolfgang Bauhofer, Geschäftsführer der Zukunftswerkstatt in Buchholz, um eine Einschätzung. In der Zukunftswerkstatt, einem außerschulischen Lernstandort, werden seit dem Jahr 2013 Kinder und Jugendliche für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) begeistert.
"Getrennter Unterricht kann unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll sein, z.B. in großen Klassenverbänden, in denen sich Mädchen möglicherweise nicht hinreichend durchsetzen können. Als Naturwissenschaftler vertraue ich weniger eigenen, singulären Beobachtungen als wissenschaftlichen Untersuchungen. Eine große Übersichtsarbeit von Pahlke, Hyde und Allison (Psychological Bulletin, 2014) findet keine signifikanten Verbesserungen durch getrennten Unterricht", sagt Bauhofer.
"Nach meiner Ansicht gibt es keine Unterschiede in der Auffassungsgabe von Mädchen und Jungen bei Mathematik und/oder Naturwissenschaften. Es gibt aber unterschiedliche Interessen: Jungen interessieren sich stärker als Mädchen für Physik und Technik, Mädchen zeigen besonderes Interesse an Gesundheitsthemen."
Abgesehen vom Grundschulbereich, der von ganzen Schulklassen wahrgenommen werde, teile sich die Gesamtzahl der Teilnehmer an Programmen der Zukunftswerkstatt in zwei Drittel Jungen und ein Drittel Mädchen auf. Bei der „Science Kitchen AG“ und dem Mineralogie-Workshop sei das Verhältnis ausgeglichen, bei den Angeboten zum Programmieren seien die Jungen deutlich in der Überzahl, berichtet Wolfgang Bauhofer.
"Bei der Vermittlung von naturwissenschaftlichen Inhalten sollte darauf geachtet werden, dass Themen und Beispiele eine Überschneidung mit der Lebenswelt der Jugendlichen haben. Diese ist für Mädchen und Jungen teilweise unterschiedlich. Auch muss darauf geachtet werden, dass Mädchen durch Jungen nicht in den Hintergrund gedrängt werden und dadurch weniger Aufmerksamkeit genießen. An der Zukunftswerkstatt haben wir diese Probleme nicht, da sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Projekte bzw. Themen selbst aussuchen können und durch die Kleingruppenbetreuung jedes Mädchen zu seinem Recht kommt."
• Weitere Informationen zu den Angeboten der Zukunftswerkstatt gibt es unter www.zukunftswerkstatt-buchholz.de.

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen