„Gute, sachliche Gespräche“

Landrat Bordt zu den Gründen, warum der Kreis die geplante Asylbewerber-
Unterkunft in Undeloh nicht einrichtet.

(mum). Obwohl die Kreisverwaltung weiterhin der Auffassung ist, dass auch kleine Orte wie Undeloh für die Einrichtung einer Flüchtlingsunterkunft geeignet sind, zumal bis September 2013 im gesamten Kreisgebiet zusätzliche Unterkünfte für voraussichtlich 400 Flüchtlinge geschaffen werden müssen, wird sie ihre Pläne für die Einrichtung einer Asylbewerber-Unterkunft in Undeloh nicht weiterverfolgen. Das habe man nach sorgfältiger Abwägung von Für und Wider entschieden. Das WOCHENBLATT hat Landrat Joachim Bordt nach den Gründen gefragt.

WOCHENBLATT: Herr Bordt, ist der Landkreis vor den Bedenkenträgern in Undeloh
eingeknickt?
Joachim Bordt: „Nein, aber wir haben die sachlichen Bedenken aus der Gemeinde
sehr ernst genommen und alle Hebel in Bewegung gesetzt, um sowohl eine sachgerechte und angemessene Unterbringung der Flüchtlinge als auch ein gutes
Miteinander in der Gemeinde sicherzustellen.
WOCHENBLATT: Kritiker haben dem Kreis vorgeworfen, er sei blauäugig an die
Sache herangegangen. Undeloh sei per se der völlig verkehrte Platz zur Unterbringung von Asylbewerbern.
Joachim Bordt: Das ist schlicht falsch. Neben den gut geeigneten Räumlichkeiten in
einem ehemaligen Café mit Pension sahen die Pläne des Landkreises die Betreuung
der Unterkunft durch eine professionelle Betreibergesellschaft mit einem Heimleiter
und einem Sozialarbeiter als Ansprechpartner vor Ort, einen Fahrdienst sowie
Sprachkurse als Ausgleich für fehlende Infrastrukturangebote vor.
WOCHENBLATT: Ist es tatsächlich so, dass ganz Undeloh gegen die Unterbringung
der Asylbewerber stand?
Joachim Bordt: Nein, gerade in den letzten Wochen waren unterstützende Stimmen
aus dem Ort lauter geworden. Wir haben gute und sachliche Gespräche geführt.
WOCHENBLATT: Warum dann jetzt diese Entscheidung?
Joachim Bordt: Die Betreibergesellschaft, mit der wir das Projekt realisieren wollten,
hat uns mitgeteilt, dass sie für den Betrieb dieser Unterkunft nicht länger zur
Verfügung steht. Außerdem haben wir jetzt Alternativen in Aussicht.
WOCHENBLATT: Wie sehen diese Alternativen aus?
Joachim Bordt: In der Gemeinde Undeloh haben sich Initiativen gebildet, die dem
Landkreis Unterbringungsmöglichkeiten für eine bestimmte Anzahl von Flüchtlingen
anbieten möchten.
WOCHENBLATT: Ist das nicht ein wenig dünn zur Lösung eines schwierigen
Problems?
Joachim Bordt: Nein, denn auch Hanstedts Samtgemeinde-Bürgermeister Olaf Muus
hat uns seine volle Unterstützung zugesichert. Er wird die Suche nach Unterkünften
aktiv begleiten und gemeinsam mit den Gremien auf Gemeinde- und
Samtgemeindeebene eine Lösung finden, um die 29 in Undeloh eingeplanten Plätze
zu ersetzen.
WOCHENBLATT: Ein Beispiel für andere Gemeinden! Fühlt sich die Kreisverwaltung
grundsätzlich von der Politik im Stich gelassen?
Joachim Bordt: Ein klares Nein. Der Kreistag hat in seiner letzten Sitzung die
Kreisverwaltung nicht nur ausdrücklich in ihren Anstrengungen bestärkt, sondern alle Gemeinden aufgerufen, die Verwaltung noch stärker als bisher zu unterstützen.
WOCHENBLATT: Und wenn alles nichts hilft, müssen dann Asylbewerber wie um die
Jahrtausendwende wieder in Turnhallen untergebracht werden?
Joachim Bordt: Ich bin fest davon überzeugt, dass das nicht passieren wird. Die
Einrichtung großer Massenunterkünften ist ausgeschlossen.
WOCHENBLATT: Was macht Sie nach Undeloh da so sicher?
Joachim Bordt: Der Landkreis hat gemeinsam mit seinen Städten und Gemeinden in
den letzten Jahren rund 400 Asylsuchende erfolgreich untergebracht und gute
Erfahrungen dabei gemacht. Es gibt eine große Anzahl von Menschen mit
Migrationshintergrund, darunter viele ehemalige Asylbewerber, die sich bei uns
niederlassen und sich immer häufiger auch für die deutsche Staatsangehörigkeit
entscheiden. Zudem engagieren sich viele Bürger in unserem Landkreis für die Integration. Das alles stimmt mich positiv.
WOCHENBLATT: Herr Bordt, danke für das Gespräch.

Lesen Sie dazu:
Asylbewerber kommen nicht

Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

Panorama
  3 Bilder

Eklat zwischen dem Künstler Erwin Hilbert und dem Vorstand der St.-Petri-Kirche
Kunstausstellung in Buxtehuder Kirche vorzeitig beendet

sla. Buxtehude. Nach etlichen Vorfällen, über die das WOCHENBLATT berichtete, hat der Kirchenvorstand der St.-Petri-Kirchengemeinde die Kunstausstellung "Jesus und andere Gestalten" sowie die weitere Zusammenarbeit mit dem Künstler Erwin Hilbert vorzeitig beendet. Der Entschluss wurde durch Pastor Michael Glawion nach dem Druck der Wochenendausgabe bekanntgegeben. Die genauen Hintergründe, die zu dieser Entscheidung führten, werden in der nächsten WOCHENBLATT-Ausgabe am Mittwoch ausführlich...

Politik
Wenn sich in der Biotonne Maden sammeln, ist das nicht gefährlich, beruhigt der Landkreis

Antwort des Landkreises Harburg auf FDP-Antrag
Maden in Biotonnen sind ungefährlich

(os). Wenn sich in der Biotonne Maden sammeln oder die Tonne einen unangenehmen Geruch verbreitet, ist das für Menschen ungefährlich. Das geht aus der Antwort des Landkreises Harburg auf eine Anfrage der FDP-Kreistagsfraktion hervor. Wie berichtet, wollten die Freidemokraten wissen, ob es möglich ist, die Biotonne in den Monaten zwischen Mai und September jede Woche und nicht wie derzeit alle 14 Tage leeren zu lassen. Die FDP-Fraktion hatte auf viele Klagen von Bürgern verwiesen, denen beim...

Panorama
Die DLRG rät, nur an bewachten Badestellen ins Wasser zu gehen

Viele Tote an ungesicherten Badestellen
24 Menschen sind bisher in Niedersachsen ertrunken

(bim). Eine Zwischenbilanz der bisherigen Ertrinkungszahlen veröffentlichte jetzt der DLRG-Bundesverband. Demnach sind in Niedersachsen 24 Menschen ertrunken und damit fünf weniger als im Vorjahr. Im Ländervergleich erreicht Niedersachsen dennoch den dritthöchsten Wert (in Nordrhein-Westfalen sind es 26, in Bayern 35). Bundesweit wurden 192 Ertrunkene registriert. Die meisten Unfälle ereignen sich nach wie vor im Binnenland - besondere Gefahr besteht an ungesicherten Badestellen, wie...

Panorama
Bei Drochtersen soll die A 20 die Elbe unterqueren. Der Tunnelbau könnte - wenn alles gut läuft - 2025 beginnen

Fertigstellung der A 20 weiter für 2030 angepeilt
Neuer Elbtunnel: Baubeginn soll 2025 sein

Ab 2030 sollen die ersten Autos durch den neuen Elbtunnel bei Drochtersen rollen.(jd).  Der Termin 2030 wurde in den Vorjahren immer wieder von Planern und Politikern genannt. Jetzt bestätigte der schleswig-holsteinische Verkehrsminister Bernd Buchholz noch einmal indirekt die Zeitplanung: Er rechne damit, dass die A 20 in seinem Bundesland ab 2030 in ihrer kompletten Länge befahren werden kann, erklärte der Minister. Er dürfte dabei auch an die Elbquerung gedacht haben. Denn ohne den Tunnel...

Politik
Auf dem Gelände der Stadtwerke an der Maurerstraße soll in einer Halle ein Feuerwehrfahrzeug stationiert werden

Sechsmonatige Probephase geplant
Feuerwehrstandort bei den Buchholzer Stadtwerken?

os. Buchholz. Steht bald ein Löschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Holm in der Waschhalle der Buchholzer Stadtwerke, um von der Maurerstraße zu Einsätzen z. B. ein Steinbeck auszurücken? Das sehen zumindest die Pläne der Stadtverwaltung und der Feuerwehrspitze vor, die Buchholz' Stadtjustiziarin Hilke Henningsmeyer jüngst im Bauausschuss vorstellte. Demnach soll es einen sechsmonatigen Probebetrieb geben und hinterher über weitere Schritte entschieden werden. Hintergrund der Maßnahme ist...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen