Kaum ein Zug hält am ausgebauten Bahnsteig

Gewohntes Bild: Die meisten Metronom-Züge in Sprötze halten am Bahnsteig 2/3
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Posse in Sprötze: Sechsstellige Investitionen für die Katz'? / Ortsrat will Trägerlift installieren lassen

os. Sprötze. Posse am Bahnhof der Buchholzer Ortschaft Sprötze: An dem vor ein paar Jahren aufwendig renovierten und behindertengerecht ausgebauten Bahnsteig 1 halten nur noch ein Sechstel der täglich 54 Metronom-Züge. Die anderen Züge stoppen am Bahnsteig 2/3. Dort gibt es keinerlei Aufstiegshilfen für Behinderte, Radfahrer oder Mütter mit Kinderwagen.
Rückblick: Im Oktober 2007 herrschte große Freude in Sprötze. Das Bahnhofsumfeld wurde für 435.000 Euro renoviert, 240.000 Euro schoss die Landesnahverkehrsgesellschaft zu. Unter anderem wurden Fahrradanlagen geschaffen und eine behindertengerechte Rampe zum Bahnsteig 1 gebaut. Alles schien perfekt für Bahnreisende, zumal anfangs reichlich Züge den Bahnsteig 1 ansteuerten. Im Laufe der aber änderte sich das: Die Metronom-Züge hielten vermehrt am Bahnstieg 2/3, über das Gleis 1 donnerten die Güterzüge.
Der Ortsrat und Ortsbürgermeister Gerd Ulrich (Grüne) wollen jetzt die Folgen zumindest abfedern. Ulrich hat einen Prüfauftrag an die Stadtverwaltung gestellt, ob am Aufgang zu Bahnsteig 2/3 ein Trägerlift angebracht werden kann. Mit dieser Plattform könnten Reisende mit Handicap oder schwerem Gepäck bequem die Treppen überwinden. In Münster sei das System erfolgreich im Einsatz, berichtet Gerd Ulrich. "Ich bin selber Bahnfahrer und bemerke, dass wir dringend etwas tun müssen", sagt Ulrich. Experten schätzen die Kosten für das Liftsystem auf rund 25.000 Euro, wahrscheinlich müsste dafür der Steuerzahler aufkommen.
Das Behinderte über eine Servicenummer ihre Bahnfahrt anmelden können und ein Zug dann auf Gleis 1 anhält, macht die Sache für Ulrich nicht besser. "Man muss die Fahrt zwei Wochen im Vorfeld anmelden", weiß Ulrich. Er habe schon mitbekommen, dass andere Fahrgäste schnell zu Gleis 1 hetzen mussten, weil der Gleiswechsel erst im letzten Moment durchgesagt worden sei.
Möglicherweise kommt bald Bewegung in die Sache. Die Bürgermeister-Kandidaten Joachim Zinnecker und Jan-Hendrik Röhse erklärten jüngst beim "Wahlhearing" in der Empore, dass in Sprötze dringend etwas getan werden müsse und man die Posse beende müsse. Ob die Bahn, die für die Fahrplangestaltung zuständig ist, das Aufbegehren aus Buchholz überhaupt zur Kenntnis nimmt, darf aber bezweifelt werden. Das Gleis 1 könne aus verkehrstechnischen Gründen nicht häufiger angefahren werden, teilt die Deutsche Bahn mit. Wusste man das nicht schon bei der Renovierung?

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