Prozess beginnt
Ole Veh erlitt bei Sturz in eine Baugrube "inkompletten Querschnitt"

Die Sprunggelenke sind versteift, die Achillessehnen verkürzt: 
Ole Veh kann sich nur noch mit Krücken fortbewegen
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  • Die Sprunggelenke sind versteift, die Achillessehnen verkürzt:
    Ole Veh kann sich nur noch mit Krücken fortbewegen
  • hochgeladen von Oliver Sander

os. Buchholz/Nenndorf. Ole Veh (18) spielte leidenschaftlich Hockey beim TSV Buchholz 08. Mit dem Austragen des WOCHENBLATT verdiente er sich Geld. Die Fahrschule hatte er fast abgeschlossen, stand kurz vor dem Abitur. Das war früher: Heute kann er keinen Sport betreiben, der mit Laufen verbunden ist. Das WOCHENBLATT kann er nicht mehr austragen. Die Fahrschulausbildung musste er unterbrechen, das Abitur verschieben. Grund ist ein Unfall, durch den sich das Leben des jungen Mannes aus Buchholz von einem Moment auf den anderen komplett änderte: An einem frühen Samstagmorgen im Januar fiel Ole Veh in Nenndorf (Gemeinde Rosengarten) in eine ca. 2,50 Meter tiefe Baugrube. Bei dem Sturz zog er sich mehrere Knochenbrüche zu, u. a. am Hals- und Lendenwirbel sowie an den Rippen. Zudem erlitt er eine Gehirnerschütterung, mehrere Hämatome, und Zähne brachen ab. Folge des Sturzes: Ole Veh ist mit einem "inkompletten Querschnitt", der durch die Quetschung des Rückenmarks ausgelöst wurde, dauerhaft auf Gehhilfen angewiesen. Am kommenden Mittwoch, 4. Dezember, beginnt vor dem Amtsgericht in Tostedt der Prozess gegen den Grundstückseigentümer wegen fahrlässiger Körperverletzung. Dem Strafprozess wird sich ein Zivilprozess anschließen, in dem es um Schmerzensgeld geht. Die Familie Veh wird im Prozess von Jürgen Hennemann, Fachanwalt für Versicherungsrecht aus Buchholz, vertreten.
Rückblick: An jenem Samstag feierte eine Klassenkameradin in Nenndorf (Gemeinde Rosengarten) ihren 18. Geburtstag. Am frühen Morgen machte sich Ole Veh auf den ca. 15 km langen Rückweg zu seiner damaligen Freundin. Über den gesamten Abend habe er nur zwei Biere getrunken, betont der junge Mann. Da der Weg unbeleuchtet war, zudem Regen fiel und ein starker Wind herrschte, schob Ole Veh sein Fahrrad. Nur rd. 150 Meter von der Örtlichkeit entfernt, an der die Feier stattfand, stürzte Ole in die Baugrube. "Ich muss für ca. eine Stunde bewusstlos gewesen sein", erklärt er. Als er wieder aufwachte, tastete er nach seinem Handy, das beim Sturz verloren gegangen war. Weil in der Unfallnacht Temperaturen von nur rd. fünf Grad Celsius herrschten, war der Akku des Handys bereits leer. Ole Veh schrie um Hilfe, doch die Baugrube liegt zu weit von Wohnhäusern entfernt in einem Gewerbegebiet.
Ole Veh merkte schnell, dass körperlich etwas nicht in Ordnung war. Er spürte seine Beine nicht richtig. "Ich habe Steine auf meine Füße geworfen, um zu sehen, ob ich dort ein Gefühl habe", erinnert sich der 18-Jährige. Das war nur teilweise der Fall. "Ich habe dann versucht, ein bisschen zu schlafen. Mehr konnte ich nicht tun", sagt Ole. Erst gegen 9.15 Uhr, also mehr als sieben Stunden nach dem Sturz, wurde Ole Veh von einer Passantin entdeckt, die mit ihrem Hund an der Baugrube entlang-spazierte. Zuvor hatten sich Oles Eltern auf die Suche nach ihrem Sohn begeben, nachdem Oles damalige Freundin Alarm geschlagen hatte. "Wir haben verschiedene Wege abgesucht, aber nicht damit gerechnet, dass Ole nur 150 Meter weit gekommen war", erinnert sich sein Vater Dirk Veh.
Mit starken Unterkühlungen - die Körpertemperatur lag bei nur noch 34 Grad - wurde Ole Veh in die Klinik nach Hamburg-Harburg transportiert. Noch am selben Tag wurde er dort sechs Stunden lang am Rücken operiert, um den Druck vom Rückenmark zu nehmen. Eine Woche später wurde in einer weiteren, achtstündigen OP ein völlig zerstörter Lendenwirbel durch ein Implantat ersetzt.
Nach drei Wochen in Harburg und drei weiteren Wochen im Spezialkrankenhaus in Hamburg-Boberg kehrte Ole Veh nach Hause zurück, absolvierte in der Waldklinik in Jesteburg seine Reha. Ole kann mithilfe von Krücken gehen, aber sehr eingeschränkt. U. a. sind die Sprunggelenke versteift, sodass er sich auf Zehenspitzen fortbewegt. Ob er in Zukunft wieder besser gehen könne, stehe derzeit nicht fest. Wenn mehr Nerven regenerieren, könnten 70 bis 80 Prozent des Gehvermögens erreicht werden, hofft Ole Veh.
Für die Zukunft hat Ole noch keine konkreten Pläne. Er geht wieder zur Schule und will sein Abitur nachholen. Der Rest wird sich weisen.

Die Sprunggelenke sind versteift, die Achillessehnen verkürzt: 
Ole Veh kann sich nur noch mit Krücken fortbewegen
In diese Baugrube stürzte Ole Veh mitten in der Nacht

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