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Darmkrebs - ein vermeidbares Risiko
Auch in Pandemie-Zeiten laufen Vorsorgeuntersuchungen weiter

Chefarzt Dr. Michael Scheruhn
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  • Chefarzt Dr. Michael Scheruhn
  • Foto: Krankhaus Buchholz/Winsen
  • hochgeladen von Axel-Holger Haase

Noch immer ist Darmkrebs bei Frauen in Deutschland die zweithäufigste Todesursache. Bei Männern steht er an dritter Stelle. Rund 60.000 Menschen pro Jahr erkranken, 24.300 sterben daran. Dabei gibt es gerade bei dieser Krebsart ausgezeichnete Möglichkeiten, vorzusorgen. Eine Früherkennungsuntersuchung durch Darmspiegelung (Koloskopie) bringt in doppelter Hinsicht Sicherheit: Sie zeigt kleinste Krebsvorstufen. Und in der gleichen Untersuchung können diese Vorstufen entfernt werden. Alles das schmerzfrei und risikoarm. Auf diese Möglichkeiten hinzuweisen, ist das Ziel des Darmkrebsmonats März, den die Felix-Burda-Stiftung jedes Jahr ausruft. Auch die Krankenhäuser Buchholz und Winsen mit ihren zertifizierten Darmzentren beteiligen sich an der Aktion.
„Immer wieder kommt es vor, dass wir Patienten sehen, die einen völlig anderen Krankheitsverlauf erlebt hätten, wenn sie früher zu uns gekommen wären“, sagt Dr. Michael Scheruhn, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie im Krankenhaus Buchholz.
Jährlich werden in den Darmzentren Buchholz und Winsen über 170 Patienten mit Darmkrebs nach dem neusten Stand der Forschung behandelt. Diagnostik, Therapie und Nachsorge besprechen die beteiligten Ärzte in interdisziplinären Tumorkonferenzen. Ziel ist, den Tumor für den Patienten möglichst schonend, aber dennoch wirksam zu bekämpfen. Dazu kommen neben Chemotherapie und Strahlenbehandlung vor allem minimalinvasive Operationen zum Einsatz. Doch die beste Strategie ist, Eingriffe durch Prävention zu vermeiden, bestätigt Dr. Holger Meisel, Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie im Darmzentrum des Krankenhauses Winsen.
Für die Betroffenen ist jede Behandlung mit einer längeren Auszeit vom Beruf verbunden. Oft wird das Leben nie wieder so, wie es vor der Erkrankung war. Dabei beginnt der große Ärger oft ganz klein. Darmkrebs geht zu 90 Prozent aus gutartigen Wucherungen der Darmschleimhaut, den Polypen, hervor. Diese Polypen können im Laufe der Zeit zu bösartigen Tumoren werden - bösartig deshalb, weil sie in benachbarte Gewebe hineinwachsen und Tochtergeschwülste bilden. Dann wird eine Heilung schwierig. Durchschnittlich dauert die Entwicklung eines Polypen zu einem Tumor mehrere Jahre. Und geschieht, ohne dass der Betroffene etwas davon spürt. Treten die typischen Symptome wie Bauchschmerzen, Stuhlunregelmäßigkeiten oder Blut im Stuhl auf, ist der Tumor meist schon sehr weit fortgeschritten.
Einer der wesentlichen Risikofaktoren für Darmkrebs ist höheres Lebensalter. Deshalb bieten gesetzliche Krankenkassen Frauen und Männern vom 50. bis 54. Lebensjahr jährlich die Möglichkeit, einen Stuhltest auf Darmkrebs durchführen zu lassen. Männer haben alternativ zum Stuhltest ab dem 50. Lebensjahr Anspruch die Darmspiegelung, Frauen ab dem 55. Lebensjahr. Alternativ gibt es ab dem 55. Lebensjahr auch das Angebot, alle zwei Jahre einen Stuhltest in Anspruch zu nehmen. Allerdings gilt die Koloskopie als die wesentlich effektivere Vorsorgeform. Vor der Untersuchung, die niedergelassene Gastroenterologen durchführen, bekommt der Patient eine leichte Narkose und verschläft den Eingriff, ohne etwas zu spüren.
Rund fünf Prozent der Darmkrebspatienten erkranken aufgrund ihrer erblichen Veranlagung, erklärt die Humangenetikerin Dr. Christiane Kling vom Hamburger Labor Dr. Fenner. Sie berät die Ärzte in den Darmzentren Buchholz und Winsen und nimmt an den Tumorkonferenzen teil. Ein Hinweis auf erblichen Darmkrebs ist eine Erkrankung in bereits jungen Jahren.
Bestimmte Gene dienen der Steuerung von Kontroll- und Reparaturvorgängen während der Zellteilung. Wenn diese Gene durch Vererbung eine Mutation aufweisen, ist ihre Kontrollfunktion beeinträchtigt. Abhängig davon, welches Gen von der Veränderung betroffen ist, kann das Risiko einer Krebserkrankung in bestimmten Organen, z.B. im Darm, erhöht sein. „Eine Genanalyse gibt wertvolle Hinweise für die Früherkennung und hilft bereits Erkrankten, nach der Therapie eine Zweiterkrankung zu vermeiden“, so Dr. Kling. Außerdem kann sie helfen, die Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern: Zunehmend werden Therapien eingesetzt, die auf die genetischen Merkmale des Tumors zielen.
Eine genetische Diagnostik hilft auch den Angehörigen. Wird eine Genmutation festgestellt, können diese Angehörigen sich ebenfalls testen lassen und, je nach Ergebnis, ein gezieltes Früherkennungsprogramm in Anspruch nehmen, so Dr. Kling weiter.
Neben der genetischen Veranlagung gibt es die familiäre Häufung von Darmkrebserkrankungen, die z.B. auf gemeinsamen Lebensstilfaktoren beruhen kann. So sind bei etwa 25 Prozent der Betroffenen auch weitere Verwandte erkrankt. Gemeinsam mit Dr. Kling sehen es die Ärzte der Darmzentren Buchholz und Winsen als ihre Aufgabe an, die Familien der Patienten für das ererbte bzw. familiäre Risiko zu sensibilisieren. Die Krankenkassen bieten in allen Fällen eine risikoangepasste Früherkennung an.
Eine gute Nachricht: Seit der Einführung einer schriftlichen Einladung zur Vorsorge für alle über 50-Jährigen im Jahr 2019 sind die Zahlen derer, die eine Darmspiegelung durchführen lassen, im ersten Halbjahr 2020 nach Auskunft der Felix-Burda-Stiftung um 8.703 gestiegen. Die Krankenhäuser Buchholz und Winsen setzen gemeinsam mit den niedergelassenen Ärzten im Landkreis Harburg alles daran, dass dieser positive Trend erhalten bleibt. Mit ausgefeilten Hygienekonzepten begegnen die Praxen dem Infektionsrisiko. Reichlicher Sicherheitsabstand, konsequente Maskenpflicht, ständiges Durchlüften der Räume, Hochleistungsluftreiniger sowie regelmäßige Schnelltests der Mitarbeiter ermöglichen den niedergelassenen Gastroenterologen, weiterhin im Rahmen der Vorsorge Darmspiegelungen anzubieten. Dass diese notwendig sind, steht für Dr. Joachim Dieckmann, Gastroenterologe aus Buchholz, und seine Kollegen außer Frage. „Trotz aller Widrigkeiten durch Corona sollte die sonstige medizinische Versorgung keinesfalls zurückgestellt werden“, sagt Dr. Dieckmann. Dies sei teilweise beim ersten Lockdown geschehen und habe für viele Patienten negative Folgen hinsichtlich verzögerter Diagnosen und Therapien gehabt. Die Untersuchung aus Angst abzusagen und damit die Chance auf Früherkennung zu vergeben, sei keine gute Idee.

Wissenswertes über Darmkrebs
Grundsätzlich kann jeder Mensch in jedem Alter Darmkrebs bekommen. Doch gibt es bestimmte Faktoren im Lebensstil, die eine Erkrankung wahrscheinlicher machen. Dazu gehören:
- Ernährung mit viel rotem Fleisch und tierischen Fetten, wenig Obst und Gemüse
- regelmäßiger Alkohol- und Nikotinkonsum
- wenig Bewegung
- Übergewicht
Außerdem kann eine chronische Entzündung der Dickdarmschleimhaut (Colitis Ulcerosa oder Morbus Crohn) die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung ebenso erhöhen wie Diabetes.

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Autor:

Axel-Holger Haase aus Buchholz

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