Das Alter im Blick behalten
Demenz-Aktionstag: Aussteller und Fachleute informieren über sinnvolle Vorsorge im Alter

Die Aussteller in der Empore informieren über zahlreiche Themen, die das Thema Vorsorge im Alter betreffen
  • Die Aussteller in der Empore informieren über zahlreiche Themen, die das Thema Vorsorge im Alter betreffen
  • Foto: Bianca Marquardt
  • hochgeladen von Axel-Holger Haase

ah. Buchholz. Das Alter und die Alltagsprobleme, die damit verbunden sind, machen vor keinem Menschen halt. Es ist immer vorteilhaft, wenn engagierte und kompetente Ansprechpartner zur Verfügung stehen, die Fragen beantworten und Tipps geben können. Ausführliche Hilfestellung gibt der Aktionstag „Alter, Pflege und Demenz“, der am Samstag, 26. Oktober, im Buchholzer Veranstaltungszentrum „Empore“ stattfindet. In der Zeit von 10 bis 14 Uhr informieren dort 26 Institutionen aus unterschiedlichsten Bereichen über ihre Serviceleistungen und Firmen stellen ihre Produkte rund um das Veranstaltungsthema vor.
„Es werden für interessierte Besucher neun informative Kurzvorträge zum Thema an diesem Tag abgehalten. Die Aktion findet in Buchholz zum siebten Mal statt. Jedes Jahr stiegen die Besucherzahlen“, sagt der Buchholzer Frank Kettwig, der die Veranstaltung initiierte und organisiert. „Dieses zeigt, dass großer Beratungsbedarf bei Senioren, aber auch pflegenden Angehörigen besteht. Es ist das wichtigste Thema der Zukunft. Der demografische Wandel macht auch vor Buchholz nicht halt. Wo soll man sich informieren, wenn es zum Beispiel um die Pflegestufen der betroffenen Menschen geht?“, so Frank Kettwig. Der Aktionstag soll helfen, die wichtigsten Informationsquellen und Ansprechpartner kennenzulernen. Der Eintritt zu der Veranstaltung und den Vorträgen ist frei. Für Berufsanfänger oder Umsteiger in den Pflegedienstbereich ist es eine hervorragende Gelegenheit, mit den Verantwortlichen der Firmen aus der Umgebung in Kontakt zu treten, die sich am Aktionstag vorstellen. So erhält der Interessierte Antworten aus erster Hand.
Frank Kettwig: „Wir zeigen eine Bilder- und Fotoausstellung. Die Bilder wurden von Bewohnern aus Senioreneinrichtungen gemalt und die Fotografien spiegeln das Leben im Alter wider."
Auch der Wunschbaum wird erneut mit seinen Wunschzetteln zu sehen sein. Alle Papiere beginnen mit dem Satzanfang „Wenn ich einmal dement bin, wünsche in mir …“
Bisher haben sich 1.000 Wünsche angesammelt und schmücken den Baum. Es sind Wünsche, die nachdenklich machen. Sie reichen von „Ich wünsche mir … dass ich meine Kinder noch erkenne“, bis zu „Ich wünsche mir … in Würde zu sterben“.
• Der Arbeitskreis „Alter, Pflege und Demenz“ besteht seit sechs Jahren in Buchholz und ist mit seinen mitwirkenden Institutionen zu einem vielseitigen Netzwerk gewachsen. Es findet ein reger Austausch untereinander statt. Dieses Netzwerk ist in Deutschland in dieser Form einmalig. Frank Kettwig: „Wir betreiben den Beratungstreffpunkt im Pop-Art-Café in der Hamburger Straße 4 immer mittwochs von 10 bis 14 Uhr. Die Experten beraten kostenfrei zum Thema Alter, Pflege und Demenz."
• Weitere Informationen unter www.wirsindbuchholz.de

Der "Aktionstag: Alter, Pflege und Demenz", der am Samstag, 26. Oktober, in dem Buchholzer Veranstaltungszentrum Empore stattfindet, bietet ein umfangreiches und breitgefächertes Programm. Hier die Übersicht:
10 Uhr: Beginn der Veranstaltung und der Ausstellung
10.30 bis 10.40 Uhr: Patrick Pohl: Demenz und ihre finanziellen Folgen
10.50 bis 11 Uhr: Thomas Petras (Pflegeagentur Petras) und Piotr Duda (Seniorenpflege mit Herz): 24-Stunden-Betreuung
11.10 bis 11.20 Uhr: Carsten Bünger (Polizei Buchholz): Sicher leben - Tipps für Seniorinnen und Senioren gegen Kriminalität im Alltag
11.30 bis 11.40 Uhr: Alexander Jarchow (Geers - Gutes Hören): Hörsysteme & Demenz
11.50 bis 12 Uhr: Zahnärztehaus Buchholz, Sandra Breckling: Zahn- und Mundhygiene im Alter
12.10 bis 12.20 Uhr: Mike Bergemann (Notar und Rechtsanwalt): Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht
12.30 bis 12.40 Uhr: Dr. Gabriele Probandt (Krankenhaus Buchholz): Demenz - und nun?
12.50 bis 13 Uhr: Marie-Luise Lübberstedt und Claudia Malycha (Senioren- und PflegeStützpunkt Landkreis Harburg): Wohnberatung
13.10 bis 13.20 Uhr: Isabella Kruppa (Senioren- und PflegeStützpunkt Landkreis Harburg): Hilfe zur Pflege - Zuschüsse ambulante Pflegedienste und Pflegeheimplätze)
14 Uhr: Ende der Veranstaltung

Die Teilnehmer:
1. Interessen Gemeinschaft Lemberg
2. Pflegeagentur Petras
3. Volksbank LüneburgerHeide e.G.

4. Polizei Buchholz
5. Stubbenhöfe Seniorenheime
6. KerVita Haus Eichenhof
7. Blau-Weiss Buchholz
8. Herbergsverein Tostedt
9. Seniorenresidenz Buchholz
10. Hörstube Kristin Siebert
11. Oekumenischer Hospizdienst Buchholz e.V.
12. Landkreis Harburg, SeniorenStützpunkt
13. Geers Gutes Hören
14. Elisabeth v. Spiessen
15. Deutsche Bank u. Zürich Versicherung
16. AHD - Ambulanter Hauspflegedienst
17. Team Pohl
18. Krankenhaus Buchholz
19. Diakoniestation Nordheide gGmbH
20. Die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.

21. Seniorenheim Buchholz
22. Seniorenpflege mit Herz
23. Tagespflege Hamel
24. Stöckel & Göbel GbR
25. Zahnärztehaus Buchholz
26. Telecom-Studio

Grußwort des Veranstalters

„Wir leben hier wie eine große Familie“, erzählte mir eine Pflegekraft.
Aber was ist eine große Familie? Die Bedeutung der Familie hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert. Mehrere Generationen leben kaum noch unter einem Dach. Beide Elternteile müssen arbeiten, um die heutigen Lebenshaltungskosten tragen zu können. Für Senioren, die unter anderem heute in einer Senioreneinrichtung leben, hat das Wort „Familie“ noch eine andere Bedeutung: miteinander leben, lieben, streiten – und vieles mehr.
Zum Ende des Lebens verringert sich der Wohnraum von über 100 m² auf ca. 20 m². Man teilt das Leben ab jetzt mit fremden Menschen und ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Nicht immer besuchen die Kinder oder Enkelkinder ihre Eltern oder Großeltern. Es kann sehr einsam für die ältere Generation werden. Gedanken, wie zum Beispiel: „Ich bin hier zum Sterben“, sind nicht selten.
Die Kinder geben ihre Eltern ab. Eventuell merkt der Senior auch selber, dass das eigenständige Leben zu Hause nicht mehr möglich ist. Die erste Anlaufstation ist dann eine Senioreneinrichtung. Viele möchten, so lange es möglich ist, in ihren eigenen vier Wänden bleiben. Es gibt gute Möglichkeiten dafür: Die Umgestaltung der Räume, ein Pflegedienst, oder sogar eine 24-Stunden-Pflegekraft können dafür sorgen, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht. Die freien Plätze in Senioreneinrichtungen sind sehr begrenzt und nicht selten gibt es Wartelisten.
Eine Einrichtungsleiterin teilte mir mit: „Wir können keine Wartelisten mehr führen – es sind zu viele. An einem Freitag bekamen wir 20 Anfragen!“ Die Mitarbeiter/innen in den ambulanten Pflegediensten und in den Senioreneinrichtungen leisten viel. So viel, dass sie nicht selten am Ende ihrer Kräfte sind. Und doch muss es weitergehen. Unterstützung oder Anerkennung bekommen sie selten. Die Politik ist träge mit dem Umsetzen neuer Anforderungen. Die Änderungen reichen nicht aus, oder gehen in die falsche Richtung. „Ich liebe meinen Beruf“, habe ich mehrfach von Pflegekräften gehört. Meinen Respekt und Anerkennung haben sie.
Verehrte Leser, Sie können nun die vierte Ausgabe unserer Broschüre zum Thema: „Alter, Pflege und Demenz“ erhalten. Wir haben wieder nach vielen Geschichten aus und um Buchholz herum (und darüber hinaus) recherchiert. Ich hoffe, dass einige offene Fragen beantwortet werden, und eventuell ein guter Ansprechpartner aus der Umgebung gefunden wird. Außerdem sollten wir das Thema nicht vergessen – und öfter darüber sprechen.

Ihr
Frank Kettwig

P.S.: Wenn Sie eine gehetzte Pflegekraft sehen: gehen Sie hin, geben ihr die Hand, und sagen einmal „danke!“.

Grußwort des Bürgermeisters
Liebe Leserin, lieber Leser,
die durchschnittliche Lebenserwartung steigt. Gegenüber dem 19. Jahrhundert hat sie sich mehr als verdoppelt. Eine Konsequenz dieser Entwicklung – unsere Gesellschaft altert. Schon 2030 werden fast 30 Prozent der Buchholzerinnen und Buchholzer 65 Jahre oder älter sein. Und das wollen wir ja auch: Alt werden, aber gesund, fit und unternehmungslustig bleiben – möglichst bis zum letzten Atemzug.
Doch mit dem Alter kommen auf die meisten von uns Einschränkungen zu. Einige sind nicht mehr so mobil, brauchen einen Gehwagen. Andere werden krank und müssen ins Krankenhaus. Wieder andere beginnen zu vergessen.
Erst Kleinigkeiten, dann die Namen ihrer Kinder und Ehegatten – sie gleiten scheinbar unaufhaltsam in die Demenz. Obwohl es jeden von uns treffen kann – weit über eine Million Frauen und Männer in Deutschland leiden an Alzheimer oder anderen Formen von Demenz –, reden wir nicht gern darüber, wenn Verwandte vergesslich und orientierungslos werden.
Frank Kettwig hat das erkannt, arbeitet bereits seit Jahren daran, das Tabu Demenz aufzubrechen.
So kümmert sich der von ihm initiierte Arbeitskreis Alter, Pflege und Demenz bereits seit sechs (!) Jahren um das Thema. Senioreneinrichtungen und Pflegedienste, das Kreiskrankenhaus, das Hospiz Nordheide und die Alzheimergesellschaft des Landkreises Harburg ziehen mit ihm an einem Strang. Für Oktober organisieren Kettwig und sein Team wieder einmal einen Demenz-Aktionstag in der Empore. Mit Vorträgen, Beratungen, Anregungen, Gedanken und Ideen zum Thema. Das Ziel: Vorurteile abbauen, Berührungsängste nehmen, Bewusstsein schaffen, Menschen sensibilisieren.
Kurz – im besten Sinne aufklären. Ich wünsche mir, dass wieder viele Buchholzerinnen und Buchholzer diese Chance nutzen. Denn Demenz geht uns alle an.
Ihr
Jan-Hendrik Röhse
Bürgermeister

Autor:

Axel-Holger Haase aus Buchholz

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